Neumarkt 06.08.2012, 10:29 Uhr

Vom Traum, Priester zu werden

Philipp Endres ist zwölf Jahre alt, ein Bücherwurm und ein Hobby-Archäologe – und er hat große Ziele: Er will Priester in der katholischen Kirche werden.

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Das Lesen im „Buch der Bücher“ sowie das Stöbern in Fachliteratur über Baustilkunst gehört für Philipp fast zum Tagesprogramm.

Das Lesen im „Buch der Bücher“ sowie das Stöbern in Fachliteratur über Baustilkunst gehört für Philipp fast zum Tagesprogramm.

NEUMARKT. Er erfüllt Klischees, die man gern verwendet, um einen „typischen Bücherwurm“ zu umschreiben, in keiner Weise. Er ist weder introvertiert, noch schüchtern. Er verkriecht sich nicht in stille Ecken, um seiner Leidenschaft zu frönen, sondern ist nett, pfiffig, überaus höflich und aufgeschlossen. Man darf ruhigen Gewissens behaupten, dass Philipp Endres andere, vollkommen klar definierte Lebensziele als die meisten Jungen in seinem Alter verfolgt.

Im Dasein des zwölfjährigen Gymnasiasten spielt die Kirche die zentrale Rolle – „die katholische Kirche“, wie er sogleich artig aber bestimmt interveniert. Die Frage nach dem Berufswunsch erübrigt sich im Vorfeld. Dass der Bub nichts anderes als Pfarrer werden will, steht felsenfest. Bis jetzt gehört er der gut 130-köpfigen Ministranten-Schar der Hofkirche an. Monsignore Richard Distler hat sich längst daran gewöhnt, von Philipp bei jeder Gelegenheit mit klerikalen Fragen gelöchert zu werden.

Besonders fasziniert ist der Junge vom ganzen „Drumherum“ im Leben katholischer Christen. Von den fest verankerten, jahrtausendealten Riten und Zeremonien. Vom goldenen Glanz rund um die Altäre, von den edlen Priester-Gewändern, den Fresken und Gemälden, von kunstfertig geschnitzten Heiligen-Figuren sowie von der weihrauch-geschwängerten Atmosphäre bei festlichen Messen.

Gotteshäuser üben eine magische Faszination auf den aufgeweckten Burschen aus. In seinem Zimmer stapeln sich literarische Werke und Bildbände über Kirchen, Kathedralen und Dome. Fachbücher definieren Details der unterschiedlichen Baustile vom Barock über die Romanik und Renaissance bis zur Gotik. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, ist der Schüler in meist monumentalen, dem Herrn geweihten Bauwerken zu finden. Nicht immer ganz einfach für die lieben Eltern. „Neulich waren wir auf der Zugspitze“, erzählt Vater Norbert Endres. „Meine Frau und ich waren sehr angetan vom großartigen Panorama – beim Sohnemann hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Bis er drunten im Tal eine besondere Kirche entdeckte, die er noch nicht kannte. Damit war die Zeit auf Deutschlands höchstem Berg abgelaufen. Für uns ging es bergab, für Philipp sozusagen bergauf“.

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