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Neumarkt
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Premierenabend

Das Konzept des neuen „K3“ kam gut an

Erstmals trat am Freitag der neue Kulturverein in Erscheinung. Zwei wortgewaltige Gäste sorgten für verbale Blattschüsse.
Von Lothar Röhrl

Die lustigsten Brüder Neumarkts machten mit ihren spaßigen und frechen Liedchen schon mal Werbung dafür, dass sie selbst bei einer weiteren „K3“-Veranstaltung im Mittelpunkt stehen werden: links Philipp Mühlleitner, rechts dahinter Daniel.Fotos: Röhrl

Neumarkt.Es war ein Abend zum Vergessen: Aber nur zum Vergessen, wie schwierig die Geburtswehen des Kulturvereins „K3“ eigentlich waren. Und so nahm Vorsitzender Franz X. Müller das böse B-Wort – das für den geplatzten Premierenstandort steht – nur einmal in den Mund. Doch unvergesslich wurde dann, wie der Premierenabend im nagelneuen „Klostersaal“ weiter verlief. Ein fetter Anschubscheck, zwei Neumarkter Künstler, die Werbung für ihre Auftritte irgendwann im „K3“-Programm machten – sowie mutmachende Reden von Bürgermeister Albert Löhner und Kulturreferent Peter Ehrensberger. Und vor allem gab es mit Susanne Rohrer und Matthias Matuschik zwei Kabarettisten, die diesen Begriff zu Recht tragen dürfen – auch wenn sie wohl weiter ihr Geld hauptsächlich als Radio-Stars der Sender Bayern 1 beziehungsweise Bayern 3 verdienen dürften.

Ein guter Vorgeschmack

Der Premierenabend zeigte schon einmal sehr eindrucksvoll, was hinter der Idee „K3“ steht. So sprach Franz X. Müller in der sehr gut gefüllten Lobby des Saals der evangelisch-lutherischen Gemeinde von einer Menge Platz, die es zwischen den schon bestehenden Angeboten des kulturellen Jahreskalenders noch gebe. Und eben diesen wolle „K3“ ausfüllen. Ausstellungen, Auftritte und Engagements von Künstler, die nicht oder viel zu selten in Neumarkt auftreten.

Davon durften sich dann drinnen im großen Saal die beiden Künstler der Hauptveranstaltung des Abends angesprochen fühlen. Wegen ihnen war diese Premiere schon seit längerem ausverkauft. Zu sehen gab es einen Griff in die Tiefen und Untiefen des Nummernkabaretts. In ihrem Programm „Wir müssen reden“ gibt es als roten Faden eine schonungslose Abrechnung mit Begriffen, die den Umgang der Menschen miteinander sowie den Zeitgeist kennzeichnen. Rohrer und Matuschik legten mit grotesken Übertreibungen offen, welch ein Geschwurbel immer mehr die Sprache des Alltags bestimmt. Aber auch, wie in diesen Zeiten Stimmung und Angst erzeugt wird. Die Gekommenen waren beim Zuhören gefordert. Denn ein Nachlassen der Konzentration ließ die eine oder andere Pointe und vor allem sehr viele Anspielungen in ihrer Wirkung verpuffen.

Der Parforceritt der beiden wollte auch nicht aussparen, was zu dem gezählt wird, das unter „Themen der Zeit“ geführt wird. Etwa den inflationären Gebrauch des Produktzusatzes „and more“, vieles rund um Glaube oder Aberglaube, manch ausstrapaziertes Reizthema wie Veganismus oder Gendern. Und natürlich Anachronismen wie die Jagd nach Clubkarte-Punkten. Das alles führte zwar zu Lachern. Mancher Zuhörer dürfte sich dabei aber ertappt gefühlt haben, dass auch er manchen der kabarettistisch filettierten Gedankengängen nachhängt. Oder schon in jenem Fettnäpfchen steht, in das ein paar Mal Susanne Rohrer mit viel Wonne sprang.

Mit Korrektem gegen Grobes

Sie gab das universelle Lexikon auf zwei Beinen. Das wie auf Kommando mit Zahlen oder auch political-correctness jenem Grobschlächtigen begegnete, das aus dem Mund ihres Partners quoll. Freilich: Wer Matuschik erst vor wenigen Wochen bei seinem Solo-Programm in Kastl erlebt hatte, dem widerfuhr in einigen Momenten ein Déjà-vu-Erlebnis. Das störte zwar nicht wirklich, ein bisschen weniger zeitliche Länge hätte dem Konsum dieses Programms gutgetan.

Freilich: Inhaltliche Längen kamen auch deshalb nicht auf, weil die beiden ein paar Mal – auch einigen Momenten der Improvisation – verbale Vorderlader abfeuerten. Einer dieser Blattschüsse hat beispielsweise dem „Zentrumsprachtbauwahnsinn“ (gemeint: das neue Gemeindezentrum) eines übergebraten. Ihre Anspielungen auf Kindesmissbrauch durch kirchliche Amtsträger taten ein übriges dazu, dass die Gastgeber der evangelischen Kirchengemeinde Neumarkt ein paar Mal den Atem anhielten.

Das könnte auch bei der übernächsten Veranstaltung des „K3“ passieren. Denn am 10. Februar wird beim „alternativen K3-Fasching“ Alois Haunschild im Foyer der Residenz in die Bütte steigen. Rock‘n‘Roll, Akrobatik und manche Überraschung sollen für einen Faschingsball sorgen, der auch Faschingsmuffel begeistern soll.

Bereits am 26. Januar wird „Miller the Killer“ am Piano im Klostersaal den Stummfilm „Die Puppe“ (von Ernst Lubitsch) begleiten. Dafür gibt es schon Karten in der Tourist-Info. Lange fackeln tut dieser „K3“ wahrlich nicht.

Neuer Kulturverein "K3" hatte Premiere

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