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Sonntag, 17. Dezember 2017 10

Berchinale

Morbide Aura für künstlerische Fantasie

Eine Gruppe junger Künstler setzt sich mit den Mitteln der Kunst mit verlassenen Häusern in Berching auseinander.
von Dagmar Fuhrmann

In dem leer stehenden Haus in der Hubstraße 8 entstand dieses Foto mit einem Teil der Künstler und Projektmanager Christian Eisner. Foto: Fuhrmann

Berching.Berching war für Künstler schon immer interessant. Bisher haben sie sich allerdings eher für das mittelalterliche Stadtbild interessiert. Nun hat eine Gruppe junger Kreativer leer stehende Gebäude entdeckt. Im Rahmen der Berchinale stellt die Stadt den Künstlern aus Regensburg und Nürnberg solche Gebäude zur Verfügung. Das entsprechende Projekt hierzu heißt „Relocating Arcadia“.

Kürzlich war die Gruppe in Berching vor Ort und hat sich einen ersten Eindruck von den Gebäuden verschafft. So zum Beispiel in der Hubstraße. Ihre künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Orten in Form von Malerei, Objekten und Installationen bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung „Relocating Arcadia“. Die Eröffnung der Ausstellung ist am 24. Juli um 20 Uhr in der Hubstraße 8.

Die Künstler präsentieren in der Stadt Berching unterschiedliche künstlerische Positionen. Die Bandbreite der Techniken ist sehr breit gefächert und umfasst Malerei, Objekte und Installationen. Die morbide Aura der verlassenen Räume – nostalgische Tapeten treffen auf abbröckelndes Mauerwerk – bildet den Hintergrund der Kunstwerke. Der Kontrast zwischen der geschichtsträchtigen, mittelalterlichen Stadt und den ungenutzten, verfallenen Gebäuden regt die Fantasie der Künstler an. Er bildet den Ausgangspunkt für das Thema der Ausstellung.

Die Konzeptbeschreibung liest sich wie folgt: Das malerische Städtchen Berching, das von einer Stadtmauer mit 13 Türmen umschlossen wird, trägt den Beinamen „Kleinod des Mittelalters“. Die Blütezeit der Stadt im 15. und 16. Jahrhundert unter der Ägide der Eichstätter Bischöfe prägt bis heute die Identität der Stadt. Berching erinnert in seiner pittoresken Anmutung an die Bilder der Romantik, in denen fiktionale Orte einer idyllischen Welt entworfen wurden.

Maler wie Carl Spitzweg, Adolph Menzel oder Ludwig Richter entfalteten eine Vorliebe für Markt, Dorf und Wirtshausszenen, die in der beschaulichen Umgebung mittelalterlicher Städte dargestellt wurden. Diese Gemälde von Orten der Idylle, sind Teil des kollektiven Bildgedächtnisses geworden.

Die Ausstellung

  • Dauer:

    Die Ausstellung „Relocating Arcadia“ findet vom 24. bis 26. Juli und 31. Juli bis 2. August statt.

  • Eröffnung:

    Die Vernissage findet am 24. Juli um 20 Uhr im leerstehenden Haus in der Berchinger Hubstraße 8 statt.

  • Öffnungszeiten:

    Die Ausstellung „Relocating Arcadia“ ist in der Zeit vom 24. bis 26. Juli am Freitag 18 bis 24 Uhr, Samstag von 14 bis 24 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

Utopien von einem besseren Leben, von einem Ort der Freiheit, von persönlichem Glück vermischen sich seit jeher in den Vorstellungen der Idylle. Homer träumte von einen archaischen Urzustand des Menschen, in dem die staatlichen und ökonomischen Verhältnisse noch überschaubar und persönlich waren – von einer friedlichen, harmonischen Welt ohne Aggressionen, in der Mensch und Natur eine Einheit bildeten.

Der Dichter Vergil nannte diese Welt „Arkadien“ und erfindet einen idealen Raum der Wünsche. Dieser Raum kann in der Vergangenheit liegen – in der Antike, im Mittelalter, in den 70er Jahren. Er kann auch in der Kindheit lokalisiert werden, der Zeit der Geborgenheit, als Wünsche noch erfüllbar waren.

Der Begriff der Idylle eröffnet ein Spannungsfeld zwischen Kitsch und Utopie, Vergangenheit und Gegenwart. Gegensätze die auch Berching beschreiben und die heute Stadtentwicklung beeinflussen. Er beschreibt aber auch die Zerrissenheit des modernen Menschen und seine Verlustängste und birgt immer die Möglichkeit eines Neuanfanges in sich.

Die Ausstellung spielt mit diesen Vorstellungen. Die Künstler reagieren mit ihren Werken auf die ungewöhnlichen Orte und die Oberflächen der Wände, in die sich die Geschichten ihrer ehemaligen Bewohner eingeschrieben haben. Es kommt zu einem Zusammentreffen unterschiedlichster Materialien und Erzählungen. Träume und Wünsche der Vergangenheit treffen auf Fantasien der Gegenwart. Relocating Aradia thematisiert den Blick der Künstler auf Berching. Die verlassenen Räume werden als geisterhaftes Arcadien wiederbelebt, das ein Versprechen bleibt – und in dem auch der Tod zuhause ist.

Dass dieses außergewöhnliche Projekt zustande gekommen ist, ist der Initiative des Projektmanagers Christian Eisner zu verdanken. Er hat die Anfrage des Künstlers und Berchingers Roman Mayer aufgegriffen und das Ganze eingefädelt. Unterstützung kam auch von Gerlinde Delacroix, die Vertreter der Künstler durch geeignete Räume begleitet hat und von der Stadtverwaltung, die sich aufgeschlossen für dieses Projekt gezeigt habe.

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