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Montag, 11. Dezember 2017 4

Wirtschaft

Bögl-Tochter max.power bietet Strom an

Das Unternehmen aus Sengenthal vertreibt Ökoenergie aus Wind und Wasser. Zunächst richtet es sich an regionale Kunden.
Von Eva Gaupp

Jürgen Joos von max.power (li.) und Josef Werum von in.power stellten das neue Konzept vor. Foto: Gaupp

Sengenthal.Die Firmentochter max.power der Unternehmengruppe Max Bögl bietet ab sofort auch Strom an. Und zwar Ökostrom – zu 100 Prozent. Wer Kunde werden will, bezieht Energie aus Wind und Wasser. Und das nicht aus irgendwelchen fernen Kraftwerken, sondern aus Anlagen in Bayern. Die Windenergie wird aus den Rädern bei Mallerstetten (Dietfurt) und in absehbarer Zeit auch vom Winnberg gewonnen, reicht diese nicht aus, wird Energie aus drei Wasserkraftwerken am bayerischen Inn zugeschaltet.

Möglich geworden ist dieses neue Produkt durch ein Joint Venture mit der Firma in.power, die Josef Werum vor elf Jahren gegründet hat. Der Partner aus Sengenthal bringt seine Erfahrungen im Bau und Vertrieb von Windkraftanlagen aus Sengenthal ein, der Partner aus Mainz die aus der Stromvermarktung und dem operativen Betrieb. Wer Kunde werden will, kann sich unter www.maxpower.de/tarifwechsel ausrechnen lassen, ob es sich für ihn rechnet.

„Preislich günstiger als Grundversorger“

„Es ist ein Trugschluss zu glauben, nur weil Strom grün ist, muss er auch teuer sein“, sagt der Prokurist von max.power, Jürgen Joos. Und der Geschäftsführende Gesellschafter der in.power, Josef Werum, ergänzt: „Das macht nur Sinn, wenn wir preislich günstiger sind als die Grundversorger“. Ein Drei-Personen-Haushalt spare sich bei einem Stromverbrauch von rund 3500 kW/h im Jahr etwa 100 Euro, rechnen die beiden vor. Möglich sei dies durch die Regionalität, der Strom werde da produziert, wo der Kunde wohnt. In einem ersten Schritt bietet max.power deshalb seinen Strom in der Region an, Ziel ist jedoch, deutschlandweit Kunden zu gewinnen. „Wir können wettbewerbsfähig Strom produzieren“, so Joos.

Für die Firmengruppe Max Bögl ist der Schritt, als Stromanbieter aufzutreten, eine logische Folge, nachdem max.power Marktführer in Deutschland ist. Etwa jedes zweite Windrad kommt aus Sengenthal. Durch die hauseigenen Entwicklungen zur Energiespeicherung hat sich die Firmengruppe damit auch in die Lage versetzt. Hinzu kommt, dass man beweisen will, dass Erneuerbare Energien unabhängig von staatlichen Förderungen rein privatwirtschaftlich erfolgreich sein können. „Wir wollen einen Trend setzen und richtungsweisend sein“, erklärt Werum. Damit könnte das Erneuerbare Energien Gesetz überflüssig werden. Wenn die Verbraucher den Strom unmittelbar von regionalen Anbietern beziehen, könnte auch die Akzeptanz der Windkraftanlagen wieder steigen, so der Mainzer.

Schlechte politische Rahmenbedingungen

Auch wenn sich max.power jetzt anschickt, einen neuen Markt zu erobern, machten Josef Werum und Jürgen Joos deutlich, dass sich die politischen Rahmenbedingungen für die Windkraft in Deutschland deutlich verschlechtert haben. Nicht nur bei der Ausschreibung (siehe Info-Kasten) seien die Unternehmen leer ausgegangen, auch die Abstandsregelungen behinderten den Bau neuer Anlagen. Die Windkraftbranche stehe unter enormem Druck, sagt Joos. Deshalb sucht Max Bögl für diese Sparte Absatzmärkte im Ausland, vor allem Skandinavien, Südostasien und Südamerika.

Deutschland müsse aufpassen, dass nun in der Windkraft nicht dasselbe passiere wie bei der Photovoltaik, warnt Werum: Deutsche Unternehmen seien einmal weltweit führend gewesen, was die Solartechnologie anbelangt. Doch dann habe die Politik die Branche im Stich gelassen. Inzwischen habe auch der letzte deutsche Hersteller von Solarzellen zugemacht.

Hintergrund

  • Politik:

    Im Mai war das Ergebnis der ersten Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erfolgt.

  • Ergebnis:

    96 des Volumens gingen an Bürgerenergiegesellschaften.

  • Problem:

    Bürgerenergiegesellschaften konnten sich mit reinen Vorhaben bewerben. Werden diese nicht realisiert und genehmigt, könnte der Anteil der Windkraft sinken.

  • Folge:

    Sinkt der Anteil der erneuerbaren Energien, verfehlt die Bundesrepublik die Vorgaben der EU. Und die Energiewende kann nicht erreicht werden.

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