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Freitag, 15. Dezember 2017 4

Abriss

Der „Knabberer“ macht altes WGG platt

Vom ehemaligen Willibald-Gluck-Gymnasium bleibt in Neumarkt bis Mai nichts mehr übrig. Großteil des Materials wird recycelt.
Von Lothar Röhrl

Dieser „Knabberer“ pulverisiert im Nu scheinbar spielend bis zu zwei Meter dicken Beton. Foto: Röhrl

Neumarkt.In diesen Tagen sind die Bagger mit den Spezialmaschinen „Knabberer“ und „Säge dabei, den niedrigen Bau abzutragen, der Ende der 70er Jahre die Kollegstufe des Ostendorfer Gymnasiums beheimatet hat. Mit der Firma Plannerer aus Pullenreuth (Landkreis Tirschenreuth) hat der Landkreis Neumarkt einen absoluten Spezialisten für große Abbruchvorhaben gewinnen können. Diese hat Geräte entwickelt, mit denen eine schnelle Beseitigung von Betonfertigteilen möglich ist. Solche ein Spezialgerät nennt sich wegen der Ähnlichkeit mit einem Gebiss „Knabberer“.

Wir waren dabei, als der „Knabberer“ massiven Beton mal so mit links ‚vernascht‘ hat:

Abriss des WGG in Neumarkt

Als das Tagblatt am Donnerstag auf der Baustelle vorbeischauen durfte, „fraß“ sich das samt Ausleger 30 Tonnen schwere Spezialgerät – der Bagger bringt es noch einmal auf 90 Tonnen – durch die Kassettendecke des im Abrissplan „Z“ genannten Gebäudes. Bis zu zwei Meter dicker Beton kann „pulverisiert“ werden. Neben dem „Knabberer“ kommen als Spezialteile noch eine Säge und verschieden lange Ausleger zum Einsatz. Wenn neben dem „Z“-Bau bis Ende des Jahres auch der ehemalige Fachraumbereich hin zur Sporthalle weg ist, kann von beiden Seiten her mit dem Abtragen des sechsgeschossigen Hauptbaus begonnen werden.

Landkreis bedient sich eines Fachbüros

Für das nicht nur derzeit spektakulärste, sondern auf lange Sicht auch größte Abrissprojekt in Stadt und Landkreis gibt es zum einen einen genauen Abrissplan. Am Mittwoch haben (von links) Thomas Klein (Bautechniker des Neumarkter Landratsamtes), Markus Mederer (Leiter kreiseigener Hochbau), Plannerer-Geschäftsführer Stefan Plannerer sowie Plannerer-Polier Herwig Kolloff den Ist-Stand abgeglichen. Die Abriss-Firma ist aber nicht nur für die Beseitigung des Gebäudes, sondern auch für die fachmännische und umweltschonende Entsorgung der Materialien verantwortlich. Der Landkreis Neumarkt hat sich für das Abbruchkonzept neben dem Architekturbüro Theo Nutz auch das Fachbüro „DAS-Ingenieurbüro für Bau und Umwelttechnik“ zur Seite gestellt. Dieses erstellte einen Fahrplan zur Entsorgung oder Wiederverwertung der Materialien.

Nachbar Ostendorfer geschützt


Trotz der unmittelbaren Nähe zum Abrissplatz geht beim Nachbarn Ostendorfer Gymnasium der Schulbetrieb derzeit noch weitgehend unbehindert weiter. Das ändert sich ab Beginn des neuen Jahres, wenn die großen Fertigteile einzeln abmontiert werden. Mit diesen war das WGG bis zu seiner Eröffnung 1975 in die Höhe gezogen worden. Dann wird der Betrieb in den Turnhallen 1 und 2 des OG voraussichtlich bis Mitte/Ende Februar aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Abrissmaterial ist sehr begehrt

Was mal ein Gymnasium war, kann morgen der Unterbau eines Radwegs sein: Solch ein Kreislauf in der Wiederverwertung schadstofffreier Baumaterialen ist mittlerweile möglich. Stefan Plannerer berichtete dem Neumarkter Tagblatt, dass es einen regelrechten Run auf sämtliche mineralische Baustoffe gibt. Immerhin bestand das alte WGG zu 94 Prozent aus mineralischen Baustoffen. Mit Magneten werden alle Metalle aus dem zerkleinerten Beton herausgefischt. Auch dafür ist Wiederverwertung garantiert.

Zwei Relikte aus Atomstromeuphorie

Atomstrom galt einmal als billig und unbegrenzt verfügbar: An diese Zeit wird erinnert, wer dieser Tage beim Blick auf das strikt abgesperrte Gelände zwei 45 Jahre alte Stromtrafos entdeckt. Für das WGG, so erklärte uns Markus Mederer, sei ursprünglich eine rein elektrische Heizung geplant gewesen. Mittlerweile greife man bei so großen öffentlichen Gebäuden auf Energieträger zurück wie mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke, Geothermie oder Biomasse.

Boden der Turnhalle wird entsorgt

Es gibt auch Stoffe, mit denen nichts mehr anzufangen ist. Schadstoffbelastet sind aber nur wenige Bauteile. So enthalten der Fliesenkleber oder Brandschutzklappen Asbest, wenn auch nur in einem sehr niedrigen Prozentanteil. Oder einzelne Fugen das heute ebenfalls als Schadstoff gebannte PCB. Hierfür gibt es eine Sonderentsorgung. Auf die Blomenhof-Deponie werden schadstofffreie Materialien gebracht – wie der Hallenboden.

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Das alte WGG in Neumarkt wird abgerissen

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