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Freitag, 22. September 2017 17° 3

Chinesenfasching

Kritik verpackt in diplomatische Verse

Bei der Konferenz der China-Diplomaten darf jeder seine Meinung äußern – allerdings in die richtigen Worte gekleidet.

Feine Garderobe war Pflicht für alle Diplomaten. Foto: ufb

Dietfurt.Zur Faschingszeit gibt es gerade in Dietfurt viele Traditionen – eine davon ist die Konferenz der China-Diplomaten. Sie stand in diesem Jahr erneut unter dem Zeichen der „freien Meinungsäußerung“ – jeder Teilnehmer konnte also alles sagen, was er loswerden wollte. Allerdings durfte gemäß der alten Gepflogenheit kein Beitrag beleidigend sein – es war eben Diplomatie gefragt.

Festtagskleidung war Pflicht

Für eine festliche Veranstaltung sorgte schon das Erscheinungsbild der Teilnehmer. Sie waren in Festtagskleidung mit Zylinder oder Melone sowie mit Schärpe und Chrysanthemen an den Revers gekommen. Der erste Akt des umfangreichen Programms war die Begrüßung von Präsident Ha-Nu-Se (Alfred Haselbauer) durch Christian Linz, den Vorsitzenden des Diplomatischen Corps. Kultur-Attaché Karlheinz Bauer geleitet ihn musikalisch in den Tagungsraum, die Diplomaten empfingen ihn mit Beifall und dem Diplomatenlied.

Der Präsident richtete seine Grußworte an die anwesenden „Allgemein- und Ehrendiplomaten, Botschafter und Gesandten, an die gesamte Diplomatenbande“. Ha-Nu-Se konnte auch Kaiser Fu-Gao-Di zur Versammlung begrüßen. Danach ließ er kurz den Diplomatenabend 2016 Revue passieren.

Danach wandte er sich der Kommunalpolitik zu und sagte: „Die Bürgermeisterin nimmt Stellvertreter und Fraktionsführer mit ins Boot, delegiert alles und hat so beim Regieren keine Not. Die Fraktionsbosse sind sanft wie Lämmer, das wird bei der nächsten Wahl zum Riesen-Dilemma.“ Zum 600. Stadtjubiläum sagte Ha-Nu-Se: „Die Nacht der Chöre lief separat, weil man mit deren Chefs nicht gesprochen hat. Dafür war der Festzug schön, die Vereine zeigten sich mit guten Ideen. Beim Lagerleben haben sich alle übertroffen und viele das Ägidi-Bier gesoffen. Zum Dank kassierte die Stadt bei den Vereinen die Gewinne ab, als ich davon erfahren hab, war ich richtig platt.“

In seinem Rundblick erwähnte er auch den Umbau des Freibads, der immer teurer werde und das Kulturhaus „mit dem laufenden Hund – sehr teuer, die Einweihung zahlte die Stadt mit der Hundesteuer“. Außerdem machte Ha-Nu-Se Vorschläge zur Nutzung weiterer alter Häuser. Er sprach auch das Hochwasserproblem an sowie den Zwist, der durch die Windkraftanlagen entstandenen sei. Der Präsident wusste auch einiges zur aktuellen Parkplatz-Überwachung sagen: Leute vom Rathaus würden ihre Parkscheiben kurz vor dem Ablauf nachstellen. Ha-Nu-Se hielt noch zu vielen Dingen lustige und kritische Kommentare bereit und stellte dann fest, dass es die Diplomaten schon seit 61 Jahren gebe: „Wir existieren nicht seit sechs Jahrzehnten wie ursprünglich gedacht, ich habe euch alle etwas jünger gemacht.“

Viele meldeten sich zu Wort

Viele nutzten die Gelegenheit, um Lob, Freude, Witz und Kritik an den Mann zu bringen. Richard Stoll sen. hielt einen Rückblick. Karlheinz Egert und Matthias Haselbauer bemängelten gesanglich, dass immer mehr weniger Mut zur Verantwortung zeigen und Fachleuten agieren lassen würden, um sich hinter denen zu verstecken.

Karl Donauer sagte, Dietfurt sei als Fremdenverkehrsort immer mehr von unansehnlichen Industriebauten umgeben. Er fragte, ob bei der Stadt manchmal nicht an der falschen Stelle gespart werde. Albert Schweiger nahm unter anderem den neuen US-Präsidenten aufs Korn. Rudi Rengnath unternahm einen Spaziergang durch die Stadt. Musikalische Beiträge kamen von Martin Huber, Mathias Haselbauer, Erwin Pöringer und Andreas Werner. Außerdem erfreute die Kaisergarde mit ihrem Showtanz die Herzen der Männer.

Im Laufe des Abends gab es auch Ehrungen. Den Spezial-China-Orden bekam Hans Gietl: „Vom Alter her gehört er zu den Kandidaten, für einen Orden von den Diplomaten.“ Dann wurden Bruder Johannes Matthias und Bruder Rolf vom Franziskanerkloster mit Orden bedacht, „die sich in Dietfurt gut eingelebt haben, wahrscheinlich auch wegen der Diplomaten.“ Bruder Rolf erwies sich als singender Büttenredner. Dabei verstand er es die Anwesenden mit einzubeziehen. Eine weitere Tradition wurde gepflegt: Um Mitternacht zogen die Diplomaten zum Chinesenbrunnen. (ufb)

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