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Tiere

Ein Hohenfelser ist der „Zuchtpapst“

Johann Meier hat sich dem exotischem Federvieh verschrieben. Renommierte Zoos holen sich bei ihm Rat und so manchen Vogel.
von Simon Vogl

Johann Meier hat für seine Fruchttauben eine geräumige Voliere gebaut. Foto: Vogl

Hohenfels.Mitten in der Marktgemeinde Hohenfels wohnt einer der renommiertesten Fruchttaubenzüchter Europas. Johann Meier, Jahrgang 1948, ist seit 35 Jahren mit Leib und Seele Züchter und wird auch regelmäßig von angesehenen Vogelparks und Zoos zu Rate gezogen, wenn es um Aufzucht und Pflege der exotischen Vogelart der Fruchttauben geht.

Auch Johanns Frau Ingrid ist mit vollem Herzen dabei, schließlich ist sie seit langen Jahren Vorsitzende im 1986 selbst gegründeten Hohenfelser Kleintierzuchtverein, der 53 Altzüchter und auch sechs Jungzüchter umfasst. Johann Meier ist zudem Kreiszuchtwart für Ziergeflügel.

Doch „Zuchtpapst“ Meier hat sich in seiner Zuchtkarriere nicht immer nur Fruchttauben gewidmet: Von Brieftauben über Wellensittiche und Kaninchen ging es bis hin zu Wildtauben. Seit gut 16 Jahren dreht sich alles um Fruchttauben, deren exotische Schönheit und glänzendes Gefieder jeden Beobachter in den Bann zieht.

Sittich Hansi stand am Anfang

Begonnen hat alles mit dem Wellensittich des Pfarrers. Schon als Kind wollte der pensionierte Elektriker „ein Zimmer voller Tiere haben“, verrät der 67-Jährige schmunzelnd. Pfarrer Vollath, der damals in Hohenfels wirkte, hatte einen Wellensittich namens Hansi. Und so kam der kleine Johann jeden Tag vorbei, um den Vogel zu bestaunen, solange bis Vollath die Mutter bat, ihrem Sohn doch auch einen Sittich zu kaufen.

Später entdeckte Meier seine Leidenschaft für Brieftauben – und die Damenwelt. 1969 heiratete er Ingrid Kollroß. Im gleichen Jahr bekam er von Bekannten Brieftauben geschenkt und besorgte sich gleich einen Taubenschlag. Ab 1971 widmete er sich dann der Aufzucht von Kanarienvögeln, von denen bald rund 80 Exemplare bei Familie Meier, die mittlerweile um die Söhne Jürgen und Alexander angewachsen war, herumflatterten. 1980 hoppelte dann bei einem Tauschpartner zuhause ein Angorakaninchen an Johann Meier vorbei. Sofort Feuer und Flamme begann das Ehepaar dann mit der Zucht von „Castor-Rex“ Mümmelmännern, der ursprünglichen Rasse der Kurzhaarkaninchen.

Fruchttauben

  • Unterart:

    Fruchttauben sind eine Unterart der Tauben und fallen durch ihr buntes Gefieder auf.

  • Lebensraum:

    Die verschiedenen Fruchttauben sind sowohl in Afrika als auch im Südlichen Asien und in Australien sowie auf den Inseln des Pazifischen Ozeans vertreten.

  • Lebensweise:

    Der Name Fruchttauben leitet sich von der Ernährung ab, die sich bei den auf Bäumen lebenden Tieren meist ausschließlich aus Früchten zusammensetzt.

Bis zu 120 Angorakaninchen bevölkerten in der Folge mit ihren Käfigen Keller, Garage und Außenbereich, vor allem vertilgten sie bis zu einer Tonne Futter im Monat. Das regelmäßige Scheren der Tiere, deren gefärbte Wolle Ingrid Meier dann zu Kleidung und Bildern weiterverarbeitete, nahm schließlich solche Ausmaße an, dass die Familie schließlich nach und nach die Aufzucht aufgab – und sich einer neuen Tierart zuwandte: 1998 kamen mit Wildtauben die ersten Vögel dazu, bald folgten ihre exotischen Vettern, die Fruchttauben.

Sie heißen Rosenhalsfruchttauben, Frühlingstauben, Gelbstirnfruchttauben, Maidtauben oder Perlenfruchttauben. Auch Elfenblauvögel hatte er mal. „Bei der Zucht gibt es vieles zu beachten“, erklärt Meier. Die Fruchttauben bräuchten Zuverlässigkeit: „Man muss sich jeden Tag Zeit nehmen.“

Das richtige Futter und die richtige Anlage sind ebenfalls von großer Bedeutung für den Zuchterfolg. Dafür verzichtet das Ehepaar auch auf längere Abwesenheiten. Urlaub ist auch fast ein Fremdwort für den Züchter mit Leib und Seele. Jeden Morgen begrüßt er seine Vögel und kümmert sich von neun bis zwölf Uhr um sie. Auch abends sorgt er sich von 18 bis 21 Uhr um sie.

Das Gesamtpaket ist sein Geheimnis: „Nur bestes Futter, tägliche Zuwendung und Pflege und Rein halten des Geheges sind das A und O der erfolgreichen Zucht“, sagt Meier. Nur er darf zu den Fruchttauben in die Voliere oder zu den Nestern. In Gestalt und Stimme ist er den Vögeln so sehr vertraut, dass sie sich sogar auf seinem Arm niederlassen, während alle Dritten sofort als Eindringlinge wahrgenommen und sofort Unruhe unter den Vögeln hervorrufen würden, wie Meier berichtet. So könne nicht einmal seine Frau Ingrid ohne weiteres in die Gehege.

Tauben fressen große Obstmengen

Enorme Obstmengen, also acht bis zehn Kilo Bananen – die Leibspeise der Fruchttauben, wie Johann Meier erklärt – kaufen sie pro Woche ein, dazu kommen über ein Dutzend Kiwis, halb so viele Mangos, Pfirsiche und Khaki-Früchte oder auch mal Weintrauben, denn die Fruchttauben bevorzugen wie ihr Name schon sagt Südfrüchte. Alles muss von den Eheleuten in kleine Würfel geschnitten und auf dem Futtertisch angerichtet werden.

Die gitterumsäumte Voliere im Garten ist beachtliche 16 Meter lang und bietet auf 90 Quadratmetern Innenraum den Vögeln genügend Platz, um auch ungestört im Gehege herumfliegen zu können. Denn das Wohlergehen der Tauben liegt Meier sehr am Herzen. Kein Verständnis hat er für Halter, die ihre gefiederten Freunde auf engstem Raum halten.

Um prächtig zu gedeihen, brauchen Gelbbrust- und Gelbstirntauben zudem ihr tägliches Regenbad. Deshalb hat der gelernte Elektriker, der seit 2000 im Ruhestand ist und zuvor 30 Jahre lang bei der Standortverwaltung auf dem nahen Truppenübungsplatz beschäftigt war, eigens in seiner geräumigen Voliere eine Berieselungsanlage installiert, dank der die zierlichen Tiere auch im Winter baden können.

Das Züchterwissen hat Meier sich selbst angeeignet oder im Austausch mit Fachkollegen angesammelt. Auch so ist die gut organisierte Gruppe der Fruchttaubenzüchter bestens vernetzt. So hat Meier etwa schon mindestens 50 Rosenhalstauben gezüchtet, von denen viele dann bei Vogelparks und Zoos gelandet sind. Ob Frankfurt, Berlin, Köln oder Augsburg – alle bekamen schon Tiere vom „Zuchtpapst“ aus Hohenfels.

Weitere Nachrichten aus Hohenfels finden sich hier.

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