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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Justiz

Mutter quälte jahrelang ihre Kinder

Das Amtsgericht verurteilte eine 35-Jährige zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung. Sie zeigte vor dem Richter Reue.
Von Gerd Schlittenbauer

  • Die 35-Jährige stand vor Gericht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt.Über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren hat eine 35-jährige Teilzeit-Kraft aus dem Landkreis immer wieder ihre drei Kinder gequält. Nach einer dreieinviertelstündigen Verhandlung am Amtsgericht war klar, dass die Angeklagte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wird. Die Strafe des Schöffengerichts wurde auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die 35-Jährige ist bereit, je 2000 Euro an jedes ihrer drei Kinder zu zahlen, „auch wenn das Geld dies niemals ausgleichen kann“, was sie getan habe, sagte Richter Dr. Marcel Dumke. „Sehr froh“ zeigte sich der Richter darüber, dass die 35-Jährige durch ihr umfassendes Geständnis den drei Kindern ersparte, als Zeugen auszusagen und sich an die schlimmen Geschehnisse dieser sechs Jahre erinnern zu müssen.

Dem Amtsrichter oblag es, jeden Tatvorwurf genau zu hinterfragen, auch wenn in einer Sitzungsunterbrechung ein nichtöffentliches Gespräch stattgefunden hatte. Acht Seiten war die Anklageschrift lang, die Staatsanwalt Dr. Matthias Engelhardt vorlas. Auf Nachfrage von Richter Dr. Dumke bekannte die 35-Jährige jeden einzelnen Punkt der Vorwürfe als wahr.

Die Angeklagte habe ihre Kinder schon früh zum Aufräumen gezwungen. Wenn es nicht schnell genug ging, habe sie mit Fliegenklatsche und Fäusten zugeschlagen. Sie warf ihren Kindern Messer hinterher und fügte ihnen damit Schmerzen und Wunden zu, die sie nicht ärztlich versorgen ließ. Sie sperrte ihre Kinder bei Wasser und Brot in ein verdunkeltes Zimmer ohne Glühbirne und Toilette – wie sich herausstellte einmal sogar mehr als einen Tag lang, als sie mit einem Freund in einen „Wellnessurlaub“ fuhr.

Die Kinder machten Löcher in die Wände des Zimmers, um sich frei zu graben, welche die Angeklagte wieder ausbesserte. Sodann gab es noch zahlreiche spezielle Vorwürfe aus diesen sechs Jahren – Tatbestände, die explizit ermittelt werden konnten.

Bei einer Geburtstagsfeier warf die Angeklagte ein Messer nach einem Kind und verprügelte es mit den Füßen. An den Haaren habe sie die Kinder ins Haus gezogen und dann getreten, auch Schläge mit einem Gürtel kamen vor. Einmal warf die Angeklagte ein Messer gegen einen Spiegel – eine Scherbe verwundete ein Kind so, dass später eine Narbe blieb. Auch mit einem Buch und einem Hammer warf die Mutter nach ihren Kindern.

Sie sei total überfordert gewesen, bekannte sie, ihr sei alles zu langsam gegangen. Richter Dr. Dumke meinte aber, ihre Handlungsweisen seien „im Laufe der Zeit zur Normalität geworden.“ Mit ihren „rohen Taten“ habe sie den Kindern „ihre Kindheit genommen“. Die traumatischen Folgen seien „nicht absehbar.“ Positiv sei, dass sich die Angeklagte, die zum Teil unter Tränen antwortete, „von Reue getragen“ zeigte.

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