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Montag, 20. November 2017 5

Silvester

Der Regeldschungel beim Feuerwerk

Vor Böllern aus Osteuropa wird gewarnt. Der Neumarkter Feuerwerker Dieter Koller erklärt, wie man sie erkennt –und was sich geändert hat.
von Wolfgang Endlein

Dieses Silvester geht mehr: Nein, es handelt sich hier nicht um Großhandelsverpackungen mit vielen kleineren Verpackungen darin, sondern um den Trend des Jahres beim Silvesterfeuerwerk, wie Feuerwerker Dieter Koller sagt. Mehrere hintereinander geschaltete Batterien in einem solchen Karton sollen mehr als einminütiges Feuerwerk bieten. Foto: Endlein

Neumarkt.Im Grunde ist es ja ganz einfach: Man zündet die Zündschnur an – und dann knallt es. Feuerwerk gehört für viele zu Silvester dazu wie der perlende Sekt im langstieligen Glas. Feuerwerk kann aber auch kompliziert sein – wenn man auf das Kleingedruckte achtet. Und das sollte man, ist Feuerwerker Dieter Koller aus Neumarkt überzeugt.

Warum? Um der Sicherheit willen. Dass Böller insbesondere aus dem benachbarten Tschechien oder auch Polen gefährlich sein können, ist eine der alljährlich wiederkehrenden Nachrichten kurz vor dem Jahreswechsel. Mehr und stärkere Explosivstoffe können darin sein, auch weil in osteuropäischen Ländern andere Vorgaben gelten. Und so sagt Koller auch dieses Jahr: „Ich rate davon ab, in Tschechien Böller zu kaufen“.

Zahlen- und Buchstabendschungel

Feuerwerkskörper zu kaufen, ist erlaubt, es nach Deutschland einzuführen und hierzulande abzubrennen, hingegen nicht. Das gilt für legales tschechisches Feuerwerk, für das andere gesetzliche Vorgaben bestehen, das gilt aber natürlich umso mehr für illegale Ware, die vorgaukelt, auch deutschen Standards zu entsprechen.

Bislang kennzeichnete in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper die mit den Buchstaben BAM beginnende Zulassungsnummer. Übergangsweise kann es dieses Jahr noch alte Ware geben, die das Kennzeichen trägt. Foto: Endlein

Was in Deutschland genehmigt ist, erkennt man bislang auf dem Etikett am Kürzel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, kurz BAM. Außerdem findet sich das CE-Zeichen samt der Zahlenfolge 0589, was die europaweite Kennung für die BAM ist. Beachte man noch den Vermerk Kategorie II (bislang Klasse II), könne man mit diesen Hinweisen schon recht sicher sein, dass man einen in Deutschland zugelassenen Feuerwerkskörper in den Händen halte, sagt Dieter Koller.

Das CE-Zeichen in Verbindung mit der Nummer 0589 ist schon jetzt auf den Etiketten von zugelassenen Feuerwerkskörpern zu sehen. Es wird künftig eines von mehreren Merkmalen sein, auf die man für einen sicheren Kauf achten sollte. Foto: Endlein

Es sei denn, das Etikett ist an sich gefälscht. Dann helfe nur der gesunde Menschenverstand, ob beispielsweise die Größe des Böllers wirklich zur für Otto-Normal-Verbraucher über 18 Jahren in Deutschland erlaubten Feuerwerks-Kategorie II passt, oder ein Blick auf die Homepage des BAM, wo die zugelassenen Feuerwerkskörper aufgelistet sind.

Künftig wird aber alles noch etwas komplizierter. Auch wenn man beim BAM schon jetzt sagt: „Die derzeitige Rechtslage zum Einkauf und Gebrauch von Feuerwerkskörpern ist für Laien nicht immer einfach zu überblicken, da sowohl EU-Recht als auch nationales Recht gelten“, erklärt Dr. Christian Lohrer vom BAM. „Um das eigene Silvesterfeuerwerk sicher in Deutschland zu verwenden und zu genießen, sollten Verbraucher daher nur geprüfte Feuerwerkskörper in Deutschland kaufen.“

Wer sicher gehen will, für Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper abzubrennen, der sollte auch auf die Bezeichnung CAT2/F2 achten, die für die Kategorie II steht. Nur sie und die Kategorie I sind frei verkäuflich, wobei man für CAT2 volljährig sein muss. Foto: Endlein

Das bietet sich umso mehr an, weil es komplizierter wird, zu erkennen, was ein für Deutschland geprüfter Feuerwerkskörper ist. Denn die BAM-Kennzeichnung ist ein Auslaufmodell. Dieses Mal gelte sie noch, 2017 verschwinde sie, erklärt Dieter Koller. Der Feuerwerker rät daher dazu, alle mit dem BAM-Zulassungskennzeichen gekennzeichneten Feuerwerkskörper auch in diesem Jahr zu verbrauchen. Denn wie die rechtliche Situation im kommenden Jahr sei, wisse man nicht. Möglich sei, dass dann kein solches altes Feuerwerk mehr abgebrannt werden darf.

Polizei ermittelt in „kleiner Serie“

Kontrolliert wird alles rund um den Kauf und Gebrauch von Feuerwerk von der Polizei. Insbesondere natürlich im Grenzbereich. Die Neumarkter Polizei habe an Silvester hingegen meist wenig Anlass wegen Feuerwerks in Erscheinung zu treten, sagt Bernhard Kölbl von der Inspektion Neumarkt. Stattdessen dominierten die üblichen Querelen, wenn viele Menschen feiern: Ruhestörung, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Bernhard Kölbl von der Polizeiinspektion Neumarkt Foto: Röhrl

Welche Wucht Feuerwerkskörper entwickeln können, hat aber auch die Polizei in Neumarkt schon mehrfach erlebt. Allerdings nicht an Silvester – obwohl das Sprengstoffgesetz regelt, dass Feuerwerksartikel nur vom 31. Dezember bis zum 1. Januar jeweils ganztägig abgebrannt werden dürfen. Eine „kleine Serie“ von gesprengten Briefkästen beschäftige die Beamten, erklärt Kölbl.

Von derartigem Missbrauch abgesehen, kann Feuerwerk aber auch viel Freude bereiten. Wie Feuerwerker Dieter Koller an Silvester mit einem großen Musikfeuerwerk in Bad Gögging beweisen will.

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