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Dienstag, 24. Oktober 2017 13° 14

Geschichte

Eine Verbeugung vor den Opfern

Fünf Stolpersteine erinnern an das Schicksal der jüdischen Familie Hahn. Auch in Sulzbürg wurde ein Stein eingesetzt.
Von Claudia Pollok

Rote und weiß-rosa Rosen schmücken die Stolpersteine, die gestern in der Oberen Marktstraße 5 eingesetzt wurden. Die Glocke ist das Einzige, was von dem Besitz der Familie Hahn erhalten ist.Foto: Pollok

Neumarkt.Die Initiative „Stolpersteine“ hat sich so sehr um sie bemüht, nun sind sie da – die ersten Stolpersteine der Stadt Neumarkt. Der Künstler Gunter Demnig hat sie am Freitag im Fußgängerweg in der Oberen Marktstraße 5 eingesetzt. In die goldene Messing-Oberfläche der Gedenksteine hat er die Namen der jüdischen Familienmitglieder eingraviert, die damals hier gewohnt hatte und während des Zweiten Weltkrieges deportiert und ermordet worden sind. Fortan sollen die Stolpersteine hier an das Schicksal von Emanuel Hahn, Julius Hahn, Edith Regina Hahn, Annaliese Hahn und Max Hahn erinnern.

Künstler Gunter Demnig verlegte die ersten fünf Stolpersteine in der Oberen Marktstraße 5 in Neumarkt, wo die Familie Hahn vor der Deportation lebte. Foto: Pollok

Künstler Gunter Demnig, der bereits mehr als 56 000 Stolpersteine in mehr als 20 Ländern Europas verlegt hat, freue sich über jeden neuen Stein, sagte er bei der feierlichen Verlegung in Neumarkt. Dass manche Menschen Gedenksteine im Fußgängerweg als nicht würdig genug empfinden, verstehe er nicht. „Wer sich herunterbückt, um die Inschrift zu lesen, verbeugt sich automatisch vor den Opfern“, entgegnete er. Für ihn könnte es daher keine schönere Form des Gedenkens geben.

In der Bildergalerie gibt es noch mehr Bilder von der Verlegung in Neumarkt und Sulzbürg

Neumarkt bekommt erste Stolpersteine

Auch für Dr. Heide Inhetveen, Sprecherin der Initiative „Stolpersteine“, war die Verlegung ein bewegendes Ereignis. „Ich bin sehr beglückt, dass die ersten Stolpersteine eingesetzt werden konnten.“ Gemeinsam mit Religionslehrer Helmut Enzenberger, der mit seinen Schülern für die musikalische Umrahmung sorgte, dankte sie allen, die sich für die Initiative eingesetzt haben. Oberbürgermeister Thomas Thumann, der wie die zweite Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger mit einer rote Rose kam, freute sich, dass der Stadtrat dem Vorschlag einstimmig zugestimmt hatte und Dekan Monsignore Richard Distler mahnte im Hinblick auf die Flüchtlinge, dass auch heutzutage die Menschenwürde zu achten sei. „Der Brudermord von Kain und Abel dürfe sich im 21. Jahrhundert nicht wiederholen.“

Im MZ-Video ist zu sehen, wie Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt:

Die ersten Stolpersteine für Neumarkt

In Sulzbürg erinnert der Stolperstein an die ehemalige Synagoge

In Sulzbürg wurde der Stolperstein ausnahmsweise auf einer Anhöhe eingesetzt Foto: Pollok

In Sulzbürg setzte Künstler Gunter Demnig eine Stunde später einen weiteren Stolperstein ein. Dieser erinnert an der Kreuzung Vorderer Berg/Engelgasse an die ehemalige Synagoge der damaligen jüdischen Gemeinde.

Dr. Heide Inhetveen schmückte den Gedenkstein, den Demnig ausnahmsweise auf einer Anhöhe neben der Straße eingesetzt hatte, mit roten Mohnblumen. Zum Schluss legte sie noch einen kleinen Kronleuchter, ein Fundstück von der alten Synagoge, und einen Stein darauf, wie es auch auf jüdischen Gräbern Brauch ist. Mühlhausens Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer betonte die lange Tradition des jüdischen Lebens in Sulzbürg. Seit dem 14. Jahrhundert lebten Juden und andere Konfessionen hier friedlich zusammen, sagte er.

Die ehemalige Synagoge diente über 200 Jahre als Gebets- und Lehrhaus, bevor sie 1938 von den Nationalsozialisten verwüstet und 1942 aufgegeben wurde, sagte Dr. Cornelia Berger-Dittscheid. Und Pfarrer Christian Schulz erinnerte an die Aufarbeitung der NS-Zeit in den 70er Jahren.

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