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Sonntag, 17. Dezember 2017 10

Kirche

Neue Dekanin sieht sich als Türöffnerin

Christiane Murner ist seit knapp einer Woche im Amt. Sie will Bewährtes beibehalten und neue Möglichkeiten schaffen.
von Bettina Dennerlohr

Allen Menschen soll die Tür zur Kirche und der Gemeinde offenstehen – das ist das Ziel von Dekanin Christiane Murner. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Der Hauch des Neuen zieht durch die Räume des evangelischen Pfarramts an der Kapuzinerstraße. Das stimmt im wörtlichen Sinne, denn in den Räumen riecht es noch nach frischgestrichenen Wänden und neuen Möbeln. Es gilt aber auch im übertragenen Sinn, denn seit gut einer Woche ist die neue Dekanin Christiane Murner im Amt. „Bewährtes beibehalten und neue Möglichkeiten schaffen“ – so stellt sich Murner ihre Arbeit in Neumarkt vor.

Angekommen sind die neue Dekanin und ihre Familie bereits. Die Autos sind umgeldet und die Murners haben offiziell ihren Wohnsitz von Pfaffenhofen an der Ilm nach Neumarkt verlegt. „Nach und nach packen wir jetzt alle Kartons aus“, sagt die Dekanin. Ihr Mann sucht noch eine Gelegenheit zur Jagd, eine ihrer drei Töchter eine Volleyballmannschaft – und die neue Dekanin bereitet sich auf ihre Aufgaben vor. Ihr Büro an der Kapuzinerstraße hat sie bereits bezogen. Dominiert wird der Raum von einem hellen Eckschreibtisch aus Holz. Er ist das einzige Möbelstück, dass Murner selbst in den Raum gestellt hat. „Den Tisch habe ich als junge Pfarrerin gekauft und er hat mich zu allen meinen Stellen begleitet“, sagt die 51-Jährige.

Ihr Schreibtisch hat Christiane Murner an alle ihre Stationen als Pfarrerin begleitet. Foto: Dennerlohr

Durch ihre Arbeit ist Murner in Bayern bereits viel herumgekommen: Sie war Pfarrerin in Unter-, Mittel- und Oberfranken sowie in Oberbayern. Nun kommt auch die Oberpfalz dazu. An der Stelle in Neumarkt hat ihr die Mischung aus Leitungsaufgaben und Pfarrerarbeit gefallen, sagt Murner: „Ich werde sowohl Verwaltungsaufgaben übernehmen als auch Taufen, Trauungen oder Beerdigungen.“ Ein Amt ohne seelsorgerische Tätigkeit sei für sie nicht in Frage gekommen.

Ihren neuen Wirkungsort sieht sie als „große Gemeinde im Aufbruch“. Als Beispiel nennt die neue Dekanin die Entscheidung, den alten, denkmalgeschützten Bau an der Kapuzinerstraße zu sanieren und wieder mit Leben zu füllen: „Es war sicher für viele Menschen nicht einfach, sich vom Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu trennen.“ Hinzu komme in Neumarkt viel Zuzug gerade auch aus evangelischen Gebieten, sagt Murner: „Viel kann hier passieren.“

Dekanin will Gemeinde kennenlernen

In ihrem ersten Jahr als Dekanin will sie zunächst alle elf Gemeinden im Dekanat kennenlernen, inklusive der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter: „Miteinander können wir dann überlegen, was unsere Ziele sind.“ Gerade der Input der Ehrenamtlichen sei ihr wichtig, sagt Murner. An ihrem vorherigen Wirkungsort in Pfaffenhofen sollen zehn Prozent der Gemeindemitglieder ehrenamtlich engagiert gewesen sein – diese Zahl ist bereits nach Neumarkt vorgedrungen.

„Es ist eine schöne Aufgabe, in Neumarkt neu anzufangen.“ Dekanin Christiane Murner

Auch hier will Murner mit Ehrenamtlichen vor allem projektorientiert arbeiten. Das habe sich in Pfaffenhofen bewährt. Sie wisse, dass gerade jüngere Menschen oft in Beruf und Familie sehr eingespannt seien, sagt Murner: „Diese Menschen möchten sich vielleicht einbringen – aber nicht mit der Aussicht, beispielsweise danach auf Jahre die Kindergottesdienste organisieren zu müssen.“ Das schrecke eher ab. Sich dagegen zum Beispiel fünf Tage lang als Betreuer bei der Kinderbibelwoche einzubringen, sei eine ganz andere Verpflichtung. Wer wolle, könne dann weitermachen. „Aber auch ein fester Stamm von Ehrenamtlichen ist wichtig, denn sie sorgen für die Vernetzung“, so die Dekanin.

Kirche steht vor einer Aufgabe

Leere Kirchenbänke während der Gottesdienste seien ihr in Neumarkt bisher nicht aufgefallen, sagt sie. Dennoch sieht sie die Kirche vor einer großen Aufgabe: Gerade die junge Generation tue sich oft schwer damit, Zugang zu Gott oder der Kirche zu finden. Dabei halte die Kirche gerade für diese Altersgruppe wichtige Botschaften bereit, findet Murner: „Du bist mehr als die Leistung, die du bringst.“ Das Sabbatgebot der Bibel beinhalte dazu die Aufforderung, an einem Tag in der Woche eine Ruhepause einzulegen, sich eine Auszeit zu gönnen und so davor zu schützen, im Beruf auszubrennen.

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Auch der Beruf der Pfarrerin sei fordernd, sagt Murner. Die Arbeit habe sie auch als Mensch geformt: „Ich freue mich unheimlich über das Leben und sehe es als großes Geschenk.“ Seelsorgerisch habe sie Menschen schon oft in schweren Situationen begleitet, sei es der Tod eines Kindes, ein schwer kranker Partner oder ein schuldlos verursachter tödlicher Unfall. „Ich habe gelernt, eigentlich Selbstverständliches wieder wertzuschätzen. Eine liebevolle Familie oder Gesundheit nehmen wir im Alltag oft als gegeben hin, sie sind es aber nicht.“

„Ich habe gelernt, eigentlich Selbstverständliches wieder wertzuschätzen.“ Dekanin Christiane Murner

Diese Einstellung habe sie wohl auch an ihre Töchter weitergegeben, sagt Murner. Die komplette Familie trage ihre Arbeit als Pfarrerin mit. Ihr Ehemann ist selbst Pfarrer. Aktuell betreut er keine Gemeinde, sondern ist in Oberbayern im Schuldienst tätig. Als die Töchter kleiner waren, teilten sich die Eltern allerdings lange ein Pfarrstelle, erinnert sich Murner: „Einerseits mussten wir dadurch sehr viel absprechen, weil nichts verloren gehen sollte. Anderseits haben meine Töchtern einen sehr präsenten Vater erlebt. Dafür sind wir alle dankbar.“ Als streng religiös würde sie ihre Familie aber nicht beschreiben, sagt Murner: „Wir sind auch als Pfarrersfamilie eine ganz normale Familie. Allerdings versuchen wir, einmal täglich alle zu einer warmen Mahlzeit zusammenzukommen und davor gemeinsam ein Tischgebet zu sprechen.“

Ausgleich zur Arbeit findet die Dekanin in vielen Hobbys: Sie geht mit den beiden Hunden spazieren, besucht Jazz- und Klassikkonzerte, fährt mit dem Rennrad, unternimmt mit ihrem Mann Motorradtouren oder geht mit ihm tanzen. Und sie versucht, möglichst an jedem Sonntag in einen Gottesdienst zu gehen: „In die Kirche gehe ich nicht nur dienstlich gerne, sondern auch privat.“

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