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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Brauchtum

Unter einem guten Stern unterwegs

Mit glänzenden Kronen und wehenden Umhängen machen sich jedes Jahr zehntausende Sternsinger auf denWeg. Sie helfen Kindern.
Von Philipp Seitz

Mehr als 2200 Sternsinger aus ganz Deutschland erhielten in Neumarkt den Segen, um dann in ihre Heimatstädte ausgesandt zu werden. Foto: Seitz

Neumarkt.In der Bibel steht nichts darüber, dass Könige Jesus besucht haben. Stattdessen ist von Magiern und Sterndeutern die Rede. Sie waren sehr gelehrte und weise Männer, die den Lauf der Sterne erforschten und deuteten. An den Königshöfen übten sie damals großen Einfluss auf die Entscheidungen und Urteile der Herrscher aus. Sie waren nämlich in der Lage, den Stand der Sterne, mit großer Genauigkeit vorauszusagen.

Seit letztem Jahr steht das Sternsingen auch im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der deutschen UNESCO-Kommission. In der Begründung heißt es, dass die Dreikönigstags-Tradition Teil eines europäischen Brauchkomplexes sei.

Neues Ziel für altes Brauchtum

Das Sternsingen ist ein alter Brauch, der bis in das Mittelalter zurückreicht. Um das 14. Jahrhundert herum waren wohl die ersten Sternsinger unterwegs. Sie waren Schüler und baten im Winter an den Bischofssitzen um Spenden für sich und die Mitschüler. Das Kindermissionswerk hat den Brauch 1958 wieder aufgegriffen und ihm ein neues Ziel gegeben. Heute ist das Sternsingen die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.

Die diesjährige Aktion des Dreikönigssingens wurde in Neumarkt eröffnet. Aus ganz Deutschland reisten die mehr als 2200 Könige an. Hier finden Sie die schönsten Impressionen:

2300 Sternsinger in Neumarkt

Während das Sternsingen sich großer Beliebtheit erfreut, sind von den einstigen Bräuchen um das Dreikönigsfest heute nur noch wenige übrig. Mancherorts wurden früher Stall und Haus mit Weihrauch ausgeräuchert und mit Dreikönigswasser besprengt oder Türbalken beschriftet. Das sollte einen Abwehrsegen gegen alles Unheil bieten und böse Geister vertreiben.

Weihrauch gegen Geister

Überhaupt kommt dem Weihrauch in der katholischen Kirche eine besondere Bedeutung zu. Mit Weihrauch werden unter anderem der Altar, die Gaben sowie Hostie und Kelch beräuchert. In der evangelischen Kirche hat der Weihrauch jedoch kaum Bedeutung, da er von Martin Luther aus den Gotteshäusern verbannt wurde.

Das wohl größte schwenkbare Weihrauchfass der Welt steht in der Pfarrkirche St. Jodokus in Waghäusel-Wiesental in Baden-Württemberg. Die Ministranten haben es sich zum Ziel gesetzt, das größte schwenkbare Fass zu bauen und selbst das Fass in Santiago de Compostela zu überbieten. Die Aluminiumkugel hat einen Durchmesser von 1,40 Metern und wiegt 130 Kilogramm. Das gesamte Kunstwerk wiegt 230 Kilogramm und ist 1,90 Meter hoch. Im Landkreis Neumarkt haben die Ministranten aus Berg das größte Weihrauchgefäss.

Im Video erklärt Bergs Pfarrer Martin Fuchs, welche Bedeutung Weihrauch zukommt:

Weihrauch: Eine Wissenschaft für sich

Weltweites Brauchtum

In der ganzen Welt sind die Sternsinger unterwegs. Doch in manchen Ländern unterscheidet sich der Brauch. Rund um den Dreikönigstag gibt es verschiedene Traditionen. In Italien bekommen die Kinder ihre Geschenke nicht an Weihnachten, sondern am Dreikönigstag von einer Feegeschenkt. In einigen Gegenden Frankreichs und der Schweiz gibt es den Brauch des „Bohnenkönigs”. Eine Bohne wird in einen Kuchen eingebacken. Wer beim Kuchenessen am Dreikönigstag den Gegenstand erwischt, darf an diesem Tag die Familie regieren.

Unterwegs in der ganzen Welt

  • Slowenien:

    Nach Neujahr führen die Sternsinger in Slowenien eine Art Krippenspiel auf, das sehr humorvoll ist. Es endet mit Musik und gemeinsamen Tanzen.

  • Finnland:

    Zu einem gespielten Kampf mit Schwertern kommt es in Finnland: Die Sternsinger treten gegen König Herodes an. Das Stück ist eine Mischung aus Schauspiel und Gesang.

  • England:

    Die „Star boys“ tragen in England keinen Stern, sondern eine Laterne. Sie gehen von Pub zu Pub und bekommen Freibier für ihre Unterhaltung. Doch es gibt auch andere Formen des Sternsingens in England.

  • Spanien:

    In Spanien und in Teilen von Mexiko fahren die heiligen drei Könige mit prächtigen Wagen durch die Straßen. Den Kindern werfen ihre Diener Bonbons zu. Am Morgen des 6. Januar finden die Kinder außerdem Geschenke der Könige – falls sie im vergangenen Jahr artig waren.

Die Weisen aus dem Morgenland sollen Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenk mitgebracht haben – Gold als Zeichen der Huldigung. Myrrhe ist ein sehr bitteres Baumharz und steht für heilende Wirkung. Das wertvolle Weihrauchharz verweist auf die Göttlichkeit des Jesuskindes. Die interessantesten Fakten zur Weihnachtsgeschichte lesen Sie hier.

Diese Bedeutung haben die Namen der Heiligen Drei Könige:

Auf den Türrahmen schreiben die Sternsinger die Jahreszahl, drei Kreuze und „C M B“. Dies steht für „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“. Manchmal wird diese Abkürzung auch mit den Initialen der Namen der heiligen drei Könige in Verbindung gebracht: Caspar, Melchior und Balthasar.

So sieht die Ausstattung der Sternsinger aus:

Besonderes aus Deutschland

Die Sternsinger aus Pyrbaum werden von Kanzlerin Angela Merkel empfangen.

Traditionell werden die Sternsinger auch vom Bundespräsidenten im Schloss Bellevue und von der Bundeskanzlerin im Bundeskanzleramt empfangen. In diesem Jahr bringen vier Sternsinger aus Pyrbaum (Lkr. Neumarkt) den Segen ins Kanzleramt.

Die Sternsinger in Berg haben ihr Kamel immer dabei. Foto: Archiv

Die Familie Nießlbeck in der Pfarrei Berg (Landkreis Neumarkt) hat sogar ein Kamel aus Holz und Karton gebaut, das die Sternsinger der Pfarrei bei ihren Einsätzen begleitet. Auch in anderen Pfarreien gibt es tierische Begleiter.

Seit letztem Jahr steht das Sternsingen auch im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der deutschen UNESCO-Kommission. In der Begründung heißt es, dass die Dreikönigstags-Tradition Teil eines europäischen Brauchkomplexes sei.

Das Dreikönigssingen ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kindern. Diese Spendensummen kamen im vergangenen Jahr zusammen:

In allen sechs Neumarkter Stadtpfarreien sammelten die Sternsinger 2017 eine rekordverdächtige Summe von rund 52 500 Euro für Projekte in der indischen Partnerdiözese Poona sowie für vom Klimawandel betroffene Kinder in Kenia und anderen Ländern der Erde. Wir haben die wichtigsten Fakten in einem Video zusammengefasst:

In Neumarkt waren die Sternsinger unterwegs

Alle Informationen zu den Sternsingern in Neumarkt finden Sie in unserer Themenserie.

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