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Montag, 27. Juni 2016 22° 2

Politik

Antonia Rados warnt vor Großem Krieg

Die TV-Journalistin hat am Rande des Neujahrsempfangs der Stadt Neumarkt ein dramatisches Bild des Nahen Ostens gezeichnet.
Von Lothar Röhrl

  • Ungeschminkte Wahrheiten aus der Wirklichkeit des gefährlichsten Krisenherdes dieser Zeit äußerte Antonia Rados im Gespräch mit dem Tagblatt. Ihr Vortrag vor Publikum war viel Geschichtsunterricht.Fotos: Röhrl
  • Daumen hoch für alle: Sparkassen-Vorstand Stefan Wittmann
  • Sie vertraten „Chancen statt Grenzen“, die „Stillen Helden“.

Neumarkt.Hier Weltpolitik, dort deren Auswirkungen aufs Lokale: Eine gewaltige und dennoch stimmige Klammer hat am Freitag der neunte Jahresempfang der Stadt Neumarkt im Reitstadel am Residenzplatz dargestellt. Mit der durch ihre Berichterstattung aus zahlreichen Kriegsgebieten bekannten Fernseh-Auslandskorrespondentin Antonia Rados hatten Oberbürgermeister Thomas Thumann und die Verwaltung Vorarbeit für einen hoch-aktuellen Abend geleistet. Die Hauptreferentin des Abends verstand es, die gut 400 Gekommenen im damit nicht voll-besetzten Festsaal des Reitstadels in ihren Bann zu ziehen.

Rados: „Apokalyptisches Szenario“

Die Referentin des Abends nahm neben der politischen Prominenz Platz.

Vor der Veranstaltung hatte die MZ kurz Gelegenheit mit Antonia Rados zu sprechen. Dabei stellte sie fest, dass die Lage im Nahen Osten derzeit einem „Super-GAU“ ähnle. Islamismus, verschwindende Staaten, Jugend auf der Straße, ständig stattfindende Konflikte, Rückzug der USA aus der Region und völlig zusammenbrechender Ölpreis seien Indizien einer neuen Zeit. Auf die Frage, ob aus all dem ein ganz großer Krieg entstehen könnte, meinte die vielfach preisgekrönte TV-Journalistin, dass sie dies befürchte. Am Ende der dramatisch zugespitzten Entwicklung könnten sich die Akteure gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Noch aber sei die Möglichkeit, zumindest politische Lösungen zu finden, nicht vorbei. Doch das Eingreifen Russlands, die Bombardements der Franzosen, mit denen nichts gelöst werde, und die ihrer Überzeugung nach nicht endend werdende Flüchtlingswelle ergebem ihrer Meinung nach ein „beinahe apokalyptisches Szenario“ (der Bericht über den Vortrag im Festakt folgt).

Den Neujahrsempfang in Bildern fasst die Galerie zusammen.

Der Neujahrsempfang in Neumarkt

In seiner heuer betont und damit erfreulich kurzen Rede hatte zuvor Oberbürgermeister Thomas Thumann einen Satz in den Mittelpunkt gestellt: „Wir können Integration, wir müssen sie allerdings wollen.“ Dieser war quasi die Brücke zum Vortrag von Antonia Rados, die an fast allen Kriegsschauplätzen als Berichterstatterin im Einsatz gewesen ist. Diese zeigen mittlerweile Auswirkungen, die auch in Stadt und Landkreis Neumarkt zum Alltag gehörten.

An das Meistern der „Herkules-Aufgabe“ bei der Integration von Millionen Heimatvertriebenen in Westdeutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert den OB, dass sich heutzutage in Neumarkt viele Ehrenamtliche der Aufgabe „Integration von Flüchtlingen“ und Asylbewerbern angenommen hätten. Von den Gekommenen erwarte er aber auch den Willen zur Integration.

Neue Bestwerte für die Stadt

Bewusst knapp hielt Neumarkts Oberbürgermeister den lokalpolitischen Teil. Dabei streifte er den voraussichtlichen neuen Rekord an Steuereinnahmen in der Stadtgeschichte mit 20 Millionen Euro bei der Einkommens- und über 30 Millionen Euro bei der Gewerbesteuer. Neumarkts Erfolg lasse sich auch an den mittlerweile rund 20 000 Arbeitsplätzen in der Stadt ablesen. Die eins vor dem Komma weise Neumarkt einen Spitzenplatz bei der Arbeitslosenquote in ganz Deutschland zu.

Die gestiegene Attraktivität der Stadt drücke sich auch in der 39 637 mit Hauptwohnsitz Neumarkt gemeldeten Einwohnern aus. Das sei, so Thumann, der höchste Wert in der Stadtgeschichte. Neumarkt habe damit Prognosen mancher Institute Lügen gestraft, die vor wenigen Jahren der Stadt einen Rückgang der Einwohnerzahl vorausgesagt hätten.

Das Video gibt eine Eindruck davon, wie viele Hände Oberbürgermeister Thomas Thumann und seine Gattin beim Neujahrsempfang zu schütteln hatten.

OB THomas Thumann und seine Gattin hatte alle Hände voll zu tun – im wahrsten Sinn des Wortes.

In seiner Vorschau auf das begonnene Jahr 2016 streifte er Großprojekte wie „Im Kloster“, wo die Stadt einen neuen Veranstaltungsraum erstellt, die Sanierung des Turnerheims und die nächsten Anstrengungen für einen verbesserten Hochwasserschutz. Vorfreude versprühte Thomas Thumann auch im Hinblich auf die Veranstaltungen zum 600. Geburtstag von König Christoph von Dänemark, Schweden und Norwegen, den Nordgautag vom 23. bis 26. Juni und die fünfte Kinderturnolympiade. Bei dieser werde Neumarkt schon vom 15. bis 17. Juli Olympiastadt sein, noch bevor die Sommerolympiade in Rio de Janeiro eröffnet werde.

Den an jedem 22. Januar eines Jahres stattfindenden „Deutsch-Französischen Tag“ zur Erinnerung an den 1963 von Bundeskanzler Adenauer und Staatspräsident de Gaulle unterzeichneten „Élysée-Vertrag“ nutzte Thomas Thumann zur Vorschau auf ein großes lokales Ereignis: Heuer feiern Issoire und Neumarkt „45 Jahre Partnerschaft“ mit den gegenseitigen Besuchen von Delegationen.

Ein Dankeschön an „Stille Helden“

Erneut bewährt hat sich die Praxis, dass bei einem solchen Empfang die zu ehrenden „Stillen Helden“ nicht mehr in einer Rede, sondern in Bild und Ton – also in deren Aktionen – präsentiert werden. Vera Finn, die Vorsitzende der „Freiwilligenagentur Neumarkt“ (FAN), ließ als Mitglied der Jury durchblicken, dass es Jahr zu Jahr eine „schwierige Entscheidung“ sei, die Preisträger auszuwählen. Egal, wen es dann „treffe“: Mit deren Auswahl dürften sich auch all jene gedankt fühlen, die auch sonst in der Stadt Neumarkt ehrenamtlich und freiwillig im Einsatz seien.

Die Stillen Helden: Die drei Vertreter von „Chancen statt Grenzen“ (l.), Bruno Meier (Mitte) und Berta Forster (r.); im Hintergrund: OB Thomas Thumann und Vera Finn von der Freiwilligen Agentur Neumarkt (FAN) Foto: Endlein

Bei der neunten Auszeichnung dieser Art wurden mit Berta Forster und Bruno Maier zwei Einzelpersonen als „Stille Helden“ bedacht. In der Kategorie „Organisation“ wurde der Verein „Chancen statt Grenzen e.V.“ als Preisträger bedacht. Berta Forster erhielt die Auszeichnung, weil sie den „Kulturkreis Neumarkt“ neu aufgebaut hat und diesen seit 2005 leitet. Dessen derzeit rund 240 Mitglieder profitierten davon, dass Berta Forster neben Vorträgen im Bürgerhaus auch Fahrten zu überregionalen kulturellen Veranstaltungen und Theaterbesuchen auf die Beine stelle.

Als Betreuer der Sportgruppe für Menschen mit geistiger Behinderung, die beim ASV Neumarkt beheimatet ist, wurde Bruno Maier geehrt. Mit großem persönlichen Einsatz begleitet Bruno Meier die Sportler verschiedener Sportarten bei ihren Einsätzen.

Zwar gibt es „Chancen statt Grenzen e.V.“ erst seit gut einem Jahr – und dennoch hat die Jury schon jetzt dieser Organisation den Titel „Stille Helden“ verliehen. Der nicht nur in der Flüchtlingshilfe aktive Verein habe laut Jury-Meinung schon viel konkrete Hilfe auf die Beine gestellt. Stellvertretend für mittlerweile über 400 Ehrenamtliche nahmen Vorsitzender Peter Fuhrmann, Gründungsmitglied Susanne Sippl und Schriftführerin Sylvia Moosburger die Auszeichnung entgegen.

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