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Sonntag, 28. August 2016 31° 1

Rundgang

Der Wald des Hausbergs braucht Pflege

Der Neumarkter Mariahilfberg verändert sein Aussehen. Ohne menschliches Zutun gäbe es weniger Arten, erklärten zwei Förster.
Von Lothar Röhrl

  • So präsentiert sich der Hausberg der Stadt Neumarkt heute – bei strahlendem Sonnenschein lädt die Aussicht zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Doch die Natur braucht auch Pflege. Foto: Röhrl
  • Junger Wald, so weit hier das Auge reicht. Foto: Röhrl

Neumarkt.Der Mariahilfberg zur Osterzeit: Gerade noch sind Gläubige die Stationen des Kreuzwegs hinaufgepilgert, da wird kurz vor dem Ende der Treppen des Leidensweges und der Auferstehung Jesu Christi in den kleinen Kapellen gedacht. Nicht nur alle, die auch einen Blick für links und rechts dieses Aufstiegs haben, werden feststellen: Das Aussehen von Neumarkts Hausberg hat sich in jüngster Zeit sehr verändert: Der Wald unterhalb der Wallfahrtskirche und des Klosters ist stark ausgelichtet worden. Beide Gebäude sind deutlich besser von der Stadt, die im Talkessel liegt, zu sehen als bisher.

Warum sich das Aussehen des Neumarkter Hausbergs in den vergangenen Monaten so verändert hat, wollten wir genauer erfahren. Und wir baten Stadtförsterin Sabine Huhn um einen besonderen Waldspaziergang. Dazu hatte die Diplom-Forstwirtin Forstoberinspektor Jürgen Wohlfarth gebeten. Wohlfarth ist am Amt für Landwirtschaft und Forsten in Neumarkt angestellt – dieses ist die Aufsichtsbehörde der Stadtförsterei.

Ein Gemälde von 1879: Der Berg war stark beweidet. Foto: Röhrl

Bei diesem Waldspaziergang waren wir in dem Teil des Mariahilfbergs unterwegs, der im Besitz der Stadt Neumarkt ist. Der andere Teil gehört der Kirchenstiftung der Pfarrei St. Johannes, die auch die Wallfahrtskirche und das Kloster umfasst. Um eineinheitliches Bild und vor allem den Sinn des Eingriffs zu verstärken, waren auch in deren Waldgebiet Maßnahmen vorgenommen worden. Zum städtischen Teil merkte Sabine Huhn an, dass es dabei um zwei Prioritäten gegangen ist: Erstens um die Sicherheit für die vielen Fußgänger, die den Kreuzweg, aber auch andere Wege wie den Dr.-Koch-Steig nutzen. Denn es habe sich gezeigt, dass es sehr viele abgestorbene, große Äste gegeben habe. Das sei eine ständig vorhandene Gefahr gewesen. Zweitens seien Eingriffe dringend nötig gewesen. Vor allem diese standen bei unserem Waldspaziergang im Mittelpunkt.

Jetzt können jüngere Bäume gleichmäßiger wachsen

In der linken Bildhälfte ist die an einer Seite fast astlos in die Höhe gewachsene Buche zu sehen: Stadtförsterin Sabine Huhn zeigte, was am Mariahilfberg ausgelichtet worden ist. Foto: Röhrl

Dicht an dicht sind über Jahrzehnte Buchen und Fichten nebeneinandergestanden – und so in die Höhe gewachsen. Zu dicht, wie sich jetzt nach dem Entfernen zahlreicher älterer Bäume herausgestellt hat. Ein krasses Beispiel zeigte uns Stadtförsterin Sabine Huhn, als sie auf den Stumpf einer abgesägten Fichte stieg. Eine fast kerzengerade hochgewachsene Buche hat größere Zweige nur in einer Richtung ausgetrieben – oder besser: nur in einer Richtung austreiben können.

Oberforstinspektor Jürgen Wohlfarth lauschte den Ausführungen von Stadtförsterin Sabine Huhn. Foto: Röhrl

Nach dem Entfernen der unmittelbaren Nachbarschaft hat die Buche jetzt die Chance, dass sie sich auch in die unteren Richtungen entwickeln könnte. Und vor allem besteht die Chance, dass sich eine gleichmäßigere Baumkrone entwickelt. Das sei das Manko vieler anderer Bäume in dieser Ecke des Mariahilfbergs gewesen.

Es war höchste Zeit für einen umfassenden Eingriff

„Viele hatten schon lange die Hiebreife erreicht“: So fasste Sabine Huhn den Hauptgrund für die Baumfällarbeiten zusammen. Dabei deutete sie auf den Stumpf einer abgefällten Fichte . Gut 140 Jahre alt sei diese geworden, schätzte sie beim Blick auf die Jahresringe. Das prächtige Gedeihen nicht nur der Fichte, sondern aller Baumarten auf dem Hang unterhalb der Wallfahrtskirche sei auf den sehr nährstoffreichen Boden zurückzuführen. Zwar sei der Boden an der Oberfläche sandig und damit grobkörnig. Doch am Oberhang darüber befindet sich eine kalksteinhaltige Schicht.

In den lockeren Boden könne gut Regenwasser einsickern, dann die Nährstoffe aus dem Kalk lösen und sie hangabwärts transportieren. Das ergibt einen idealen Dünger für alles, was hier wurzelt. Und noch eines sei laut der Stadtförsterin für das Gedeihen wichtig: Es gebe hier praktisch keinen Wildverbiss. Durch die Nähe der Wohnbebauung und durch die Anwesenheit vieler Spaziergänger meide Wild diesen Wald. Sogar Tannen und die seltene ebenfalls immergrüne Eibe, die wie alle jungen Nadelbäume laut Jürgen Wohlfarth wie „Schoki für Rehe“ sind, können in die Höhe wachsen und ergänzen die Artenvielfalt.

Die Spuren zeugen von neuem Leben im „Totholz“. Foto: Röhrl

Aber nicht nur „Lebendholz“ ist in einem Wald wichtig. Auch „Totholz“: Deshalb ließ man im vergangenen beim Fällen einer stattlichen, jedoch stark lädierten Buche den Stamm noch bis zur Höhe von einem Meter stehen. Und schon bewahrheitet sich ein Spruch, den nicht nur Förster sehr in Ehren halten: „In totem Holz ist ganz viel Leben“. Denn erste Spuren zeigen, dass Insekten dort einen Lebensraum gefunden haben. Wo Insekten sind, da sind meist auch Vögel, die sich davon ernähren nicht weit. Auf „Totholz“ wird in diesem Gebiet ohnehin sehr geachtet.

Obwohl der Wald am Mariahilfberg nicht unter Biotopschutz steht, werden nicht alle absterbenden Bäume beseitigt. Spechte, eine große Fledermaus-Kolonie und vor allem ebenfalls stark geschützte Dohlen sind hoch über der belebten Kreisstadt zu finden. In sicherer Entfernung zum Kreuzweg blieben mehrere hohe Buchen und Eichen stehen. In Baumhöhlen brüten demnächst die Dohlen. Übrigens: Gut ein Dutzend dieser rabenartigen Vögel sahen uns drei Waldspaziergängern interessiert zu.

Auf gut 140 Jahre brachte es eine mächtige Fichte. Foto: Röhrl

Und außerdem: Es geht nicht nur um eine bessere Sicherung von Wegen. Auch die angrenzende Wohnbebauung und das Wildgehege müssen zum Beispiel gegen die Gefahr herabbrechender Äste geschützt werden. Vor allem bei „Duftbehang“ wie die Förster mit Eis beschwerte Äste nennen, ist die Gefahr besonders groß.

Licht und guter Boden ergeben erstaunliche Vielfalt

Da helfen auch die besten Böden nichts, wenn ein Standort ständig im Schatten liegt. Denn dort kann sich die Natur nicht richtig verjüngen. Für jeden Förster und damit auch jeden Waldbesitzer ist es das oberste Ziel, dass in einem Wald die unterschiedlichsten Altersgruppen zu finden sind. Ein solch „gestufter“ Wald ist auch das Ziel von Sabine Huhn. Mit dem Fällen von älteren Eichen, Buchen und Fichten bekommen am Mariahilfberg viele junge Bäume eine noch bessere Chance, zu gedeihen. Denn jetzt kann das Tageslicht viel besser den Waldboden erreichen. Die dort vorhandene Artenvielfalt wird durch Edellaubhölzer wie Wildkirsche oder Esche ergänzt.

Dieser „Kleine“ hat jetzt viel mehr Licht zum Wachsen. Foto: Röhrl

All das steht auch unter der Überschrift „Nachhaltige Forstwirtschaft“: Beim heimischen Wald, so Jürgen Wohlfarth, verkennen viele Menschen, dass er oft keine Natur pur sei. Die meisten Wälder – und vor allem nadelholzreiche und Eichen-Wälder – seien vom Menschen geprägt, da dieser seit Generationen nachhaltige Forstwirtschaft betreibt. „Es bringt ja nichts, wenn man alle Nutzhölzer importieren muss. Daher gilt es, für ständigen Nachschub aus heimischen Wäldern zu sorgen“, sagte Wohlfarth. So ein Handeln kommen auch dem Bemühen um den Erhalt der letzten wirklichen Urwälder auf dieser Erde etwa in Südamerika und Asien zugute.

Mariahilfberg im Vergleich – heutzutage und vor 137 Jahren

Zwischen dem Foto und dem Gemälde von 1879 liegen fast so viele Jahre wie einige der jetzt gefällten Bäume an Lebenszeit hatten. Manche dienten einst wohl als „Hutebäume.“

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