mz_logo

Gemeinden
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Geschichte

Eine Stele für Ritter Eppelein

Geheimnisse der Oberpfalz: Lange Zeit war der Raubritter aus Nürnberg ein gefürchteter Mann. Er starb 1381 in Neumarkt.
Von Eva-Maria Bast und Heike Thissen

Kreisheimatpfleger Rudi Bayerl kann die futuristische Stele mit der stilisierten Scheibe richtig deuten: Hier wurde Eppelein von Gailingen durch Rädern hingerichtet. Foto: Bast/Thissen

Neumarkt.Man darf getrost davon ausgehen, dass am 15. Mai 1381 ganz Neumarkt auf den Beinen war. Denn auf dem Galgenhügel der Stadt, südwestlich des heutigen Bahnhofs, würde es ein außergewöhnliches Spektakel zu sehen geben: Dem weithin gefürchteten und viele Jahre erfolglos gejagten Raubritter Eppelein von Gailingen (um 1320-1381) stand seine öffentliche Hinrichtung bevor.

Diese wollte sich niemand entgehen lassen, zumal von Gailingen nicht gehängt, sondern gerädert werden sollte. Heute erinnert an dieses Ereignis eine Stele in der Hans-Dehn-Straße in Neumarkt. Darauf sind der Name und das Sterbedatum des Ritters zu lesen. Ein stilisiertes Rad weist auf die Strafe hin. Doch kaum jemand interessiert sich für das Denkmal. Das wäre vor mehr als 630 Jahren nicht auszudenken gewesen!

Schließlich hatte der bekannteste Raubritter Frankens jahrzehntelang sein Unwesen getrieben. Kein Handelsweg rund um die Reichsstadt Nürnberg war vor ihm sicher. „In den Wäldern der Gegend versteckte er sich in den Hohlwegen und überfiel mit seinen Männern die Kaufmannszüge, die auf dem Weg in die Stadt waren oder von dort kamen“, erklärt Kreisheimatpfleger Rudi Bayerl.

Pferde, Waren, Wertsachen, Bares – Ritter Eppelein raubte, was er zu fassen bekam. Ob aus persönlicher Not oder aus Abneigung gegen die reichen Patrizier in Nürnberg ist nicht eindeutig geklärt.

Reichsacht wurde verhängt

Es verwundert also nicht, dass das Landgericht der Burggrafen von Nürnberg im Jahr 1369 die Reichsacht über Eppelein von Gailingen verhängte. Von da an war er rechtlos gestellt und jeder, der dazu in der Lage war, konnte ihn entweder vor Gericht bringen oder gleich an Ort und Stelle töten. Obendrein machten ab 1377 neben Nürnberg auch die beiden benachbarten Reichsstädte Rothenburg und Windsheim Jagd auf ihn.

Dass er dann ausgerechnet in dem kleinen Ort Postbauer bei Neumarkt beim Zechen mit seiner Freundin Kathi und seinen Gefolgsleuten erwischt und gefangen genommen wurde, kann man rückblickend fast als Ironie des Schicksals betrachten.

Denn: Postbauer gehörte nicht zu Nürnberg, wo man sich liebend gern selbst an dem gefürchteten Raubritter gerächt hätte, sondern zu Neumarkt. Und weil hier seit 1366 das herzogliche Landgericht stand und der Richter befugt war, die Halsgerichtsbarkeit auszuüben, konnten Straftäter in Neumarkt nicht nur zum Tode verurteilt, sondern auch hingerichtet werden. Im Fall von Eppelein von Gailingen erkannte das Gericht auf die grausamste und gleichzeitig ehrloseste Strafe, die nur denkbar war: den Tod durch Rädern.

Größtmöglicher Schmerz

Bei dieser Tötungsform band der Scharfrichter den Verurteilten auf dem Boden fest und brach ihm anschließend nach und nach alle Knochen, indem er ein Wagenrad auf ihn herabfallen ließ. Zunächst ging es nicht darum, den Todeskandidaten umzubringen. Es ging um größtmöglichen Schmerz. Also begann der Henker mit den Unter- und den Oberschenkeln, dann folgten Unter- und Oberarme.

Der Verurteilte war in den meisten Fällen bei vollem Bewusstsein. Erst wenn der Brustkorb auf diese Weise malträtiert wurde, erlöste ihn im besten Fall der Tod von seinen Qualen. Das war aber längst nicht bei allen der Fall. Anschließend wurde das Opfer – egal ob schon tot oder noch am Leben – auf ein anderes Wagenrad gelegt und seine zerbrochenen Gliedmaßen durch die Sprossen geflochten. Spätestens dann trat der Tod ein – entweder aufgrund der schweren Verletzungen oder weil der Scharfrichter seines Amtes waltete und das Opfer köpfte oder erdrosselte.

Wie es Ritter Eppelein von Gailingen beim Rädern erging, ist nicht überliefert – wie so vieles andere aus seinem Leben. Die Quellenlage ist einfach zu dünn. Bekannt ist jedoch, dass seine Hinrichtung die Stadt Nürnberg 710 Heller kostete. Die hätte sie an Neumarkt überweisen müssen. „Die Geldübergabe hat aber nie stattgefunden“, weiß der Kreisheimatpfleger Bayerl.

Zwar wurden die Schulden zur 600-jährigen Wiederkehr der Gefangennahme symbolisch beglichen, indem das Kulturamt Nürnberg den Neumarktern 710 Pfennige übergab. „Spaßeshalber hat die Sparkasse dann ausgerechnet, welcher Betrag über die sechs Jahrhunderte mit Zinsen und Zinseszinsen zusammengekommen wäre. Das waren wohl rund 19 Billionen Euro“, erinnert sich der Kreisheimatpfleger. Wüsste Eppelein von Gailingen davon, er hätte wohl seine wahre Freude. Denn nichts lag ihm im Leben mehr am Herzen, als der Stadt Nürnberg und vor allem ihren reichen Patriziern zu schaden.

Alle Teile unserer Serie „Regensburger und Oberpfälzer Geheimnisse“ finden Sie hier.

Geschichten und Nachrichten aus der Region und der Welt gibt es jetzt auch per WhatsApp auf’s Handy: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Das Buch „Regensburger Geheimnisse und andere spannende Geschichten aus der Oberpfalz“ von Eva-Maria Bast und Heike Thissen ist seit Ende Oktober auf dem Markt. Das Buch hat knapp 200 Seiten, ist durchgehend bebildert und kostet 14,90 Euro.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht