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Mittwoch, 28. Juni 2017 23° 2

Demonstration

Neumarkt protestierte gegen Rechts

„Der dritte Weg“, den der Verfassungsschutz als neonazistisch einstuft, hielt eine Kundgebung. Dagegen wehrten sich Bürger.
Von Heike Regnet

  • Viele Bürger hatten erst am Freitag von der Kundgebung erfahren, doch sie kamen auch kurzfristig, um ein Zeichen gegen rechts zu setzen. Foto: Regnet
  • „Neumarkt ist bunt“ lautete das Motto der Bürger. Foto: Regnet
  • „Neumarkt ist bunt“ lautete das Motto der Bürger. Foto: Regnet

Neumarkt.„Nazis raus! Nazis raus!“ tönt es am Samstagnachmittag lautstark vor dem Neumarkter Rathaus. Trillerpfeifen geben den Rhythmus unter dem mächtigen Klang der Glocken der Johanniskirche vor. Am Mikrofon steht der Sprecher der Partei „Der dritte Weg“, die der Verfassungsschutz als neonazistisch einstuft, und die an diesem Tag eine Kundgebung in Neumarkt abhält. Zahlreiche Bürger haben sich dagegen rund ums Rathaus eingefunden. Ihre klare Botschaft: Neumarkt ist bunt!

Etwa 50 Anhänger von „Der dritte Weg“ zogen über die Marktstraße. Foto: Regnet

Erst Freitagmittag waren die Pläne von „Der dritte Weg“ bekannt geworden. Um 13 Uhr trifft die Gruppe mit dem Zug am Bahnhof ein. Erwartet werden die etwa 50 Personen bereits von den Einsatzkräften der Polizei. Vor Ort sind je ein Einsatzzug aus Amberg und einer der Bereitschaftspolizei Nürnberg, sagt Jörg Degenkolb, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Neumarkt. „Die Beamten mussten mehrmals Gegendemonstranten durch Halten und Zurückdrängen daran hindern, auf die Teilnehmer des rechten Aufzuges einzuwirken“, heißt es später im Polizeibericht.

Hintergrundinfo: Das ist die Partei

Die Partei „Der III. Weg“

  • Die Partei „Der III. Weg“ gründete sich 2013 in Heidelberg, sagt Doris Groß, Geschäftsleiterin Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg.

  • Inhalt:

    Ihre ideologische Grundlage fuße laut Groß unter anderem auf einem „Zehn-Punkte-Programm“, das sich an das Programm der NSDAP anlehnt. „Der III. Weg“ fordere zum Beispiel die „Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des [deutschen] Volkes“ und die „Beibehaltung der nationalen Identität“.

  • „Freies Netz Süd

    “: FNS ist ein Vorläufer der Partei „Der III. Weg“ und war mit etwa 20 rechtsextremen freien Kameradschaften der größte neonazistische Dachverband in Bayern. Im Juli 2014 wurde die Organisation verboten.

  • Nachfolger:

    Bereits im Vorgriff auf das Verbot des „Freien Netz Süd“ im Juli 2014 gründeten Anhänger des „FNS“ regionale Stützpunkte der Partei „Der III. Weg“ in der Metropolregion, erklärt Groß. Heute gebe es die Stützpunkte „Oberfranken“, „Vogtland“ (gegründet als gemeinsamer Stützpunkt im Januar 2014), „Nürnberg/Fürth“ (gegründet im März 2014) und „Ostbayern“ (gegründet Juni 2014).

Als sich „Der dritte Weg“ Richtung Innenstadt in Bewegung setzt und seien Parolen kundtut, halten die am Straßenrand stehenden Bürger sofort lautstark dagegen. In der Marktstraße wird „Der dritte Weg“ bereits von Gegendemonstranten erwartet. Die Polizei schätzt die Zahl der Gegendemonstranten auf etwa 200.

Die Polizei trennte Demonstranten und Gegendemonstranten. Foto: Regnet

„Auch wenn an diesem Wochenende bei uns Konfirmation ist, musste ich hierher, um ein deutliches Zeichen gegen rechts zu setzen“, sagt Pfarrer Tobias Schäfer aus Sulzkirchen. Mit dieser Meinung steht er an nicht alleine da. „Ich bin ein Demokrat und ich will zeigen, dass Neumarkt bunt ist“, sagt Sigi Müller. Jeder habe das Recht zu demonstrieren: „Und wir das Recht darauf zu reagieren.“ Geschockt sei er darüber gewesen, dass er von der Kundgebung erst aus der Zeitung erfahren habe, sagt der Leiter des Neumarkter Jugendbüros. Schließlich sei die Stadt Neumarkt Mitglied der Allianz gegen Rechtsextremismus. Damit hätte die Stadt nach Müllers Meinung die Pflicht gehabt, über die Kundgebung zu informieren.

„Neumarkt ist bunt“ lautete das Motto der Bürger. Foto: Regnet

Rainer Hortolani sieht dies ebenso. Auch er hat sich am Rathaus positioniert, um ein deutliches Zeichen gegen Rechts zu setzen. „Ich hätte es lieber vorher gewusst“, sagt Stadtrat Hortolani. Nicht informiert worden zu sein, sei für ihn „eine große Unterlassung der Verwaltung“.

„Es ist wichtig, dass wir uns gegen diese Ideologie stellen und uns für die Demokratie einsetzen“, sagt Renate Großhauser. Wäre die Aktion eher bekannt gewesen, wären noch mehr Bürger vor Ort gewesen, sagen Neumarkts zweite Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger und Dietfurts Bürgermeisterin Carolin Braun. „Aber es ist wirklich toll, wie viele auf so kurze Zeit hergekommen sind“, sagt Braun.

Als sich „Der dritte Weg“ schließlich wieder Richtung Bahnhof aufmacht, wird er von vielen Bürgern begleitet, die sich lautstark für ein „buntes Neumarkt“ einsetzen.

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