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Sonntag, 4. Dezember 2016 2

Beruf

Redakteure sind 24 Stunden im Dienst

Journalist war nicht auf der Berufswunschliste. Bei der Mittelbayerischen Zeitung fand Bettina Griesbeck aber den Traumberuf.
Von Bettina Griesbeck

Bevor die Zeitung in den Druck geht, besprechen meine Kollegen und ich die fertige Ausgabe.Foto: Pollok

Neumarkt.Vorspann. In der Oberen Marktstraße laufen vor dem Rathaus Menschen geschäftig umher. Schnitt. Ein Verkäufer steht hinter der Theke eines Lebensmittelgeschäfts bei einer Kundin. Schnitt. Der Inhaber des Ladens sitzt an seinem Schreibtisch und äußert sich zur wirtschaftlichen Lage der Ernährungsbranche in Neumarkt. Abspann. So oder so ähnlich könnte ein Kurzvideo zu einem Artikel auf der Internetseite des Tagblatts aussehen. Für Ton, Kamera und Interview brauchte es nicht etwa ein ganzes Fernsehteam. Als Redakteurin sind neben Stift und Block auch Fotoapparat, Smartphone und Tablet meine täglichen Begleiter.

Traumberuf durchs Hintertürchen

Vielleicht sind einige Leser des Tagblatts bereits über meinen Namen gestolpert. Ich bin gebürtige Regensburgerin und habe dort an der Universität Germanistik, Geschichte und Deutsch als Fremdsprache studiert. Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen war Redakteurin nie mein Berufswunsch – es ist sozusagen ein Traumberuf durchs Hintertürchen. Geschrieben habe ich schon immer gerne. Eine Bewerbung für einen Nebenjob nach der Universität um eine Bürostelle bei der Mittelbayerischen Zeitung war der Schubs in die richtige Richtung. Ich wurde ins Büro des heutigen stellvertretenden Chefredakteurs, Josef Pöllmann, eingeladen. Sein Angebot, als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion Regensburg zu arbeiten, nahm ich gerne an.

Fertige Artikel stelle ich online und poste spannende Themen im Netz. Foto: Pollok

Mit jedem Termin wuchs die Begeisterung für das Schreiben von Artikeln. Und vor allem auch dafür, viele interessante Menschen kennenzulernen, mit denen ich sonst wohl nie zu tun gehabt hätte. Plötzlich sprach ich mit dem Geschäftsführer der Stromwerke über eine Preiserhöhung, befragte den Oberbürgermeister zu kulturellen Plänen für die Stadt oder nahm mir nach Lesungen den Autor zur Seite. Schnell stand für mich fest: Das ist es, was ich machen will.

Hier stellt sich die Redaktion des Neumarkter Tagblatts in einer Bildergalerie vor:

Die Redaktion des Neumakter Tagblatts

Über ein dreimonatiges Praktikum bei der Mittelbayerischen Zeitung wollte ich einen Blick in den Redaktionsalltag werfen. Von Anfang an wurde ich mit eingebunden und konnte schnell eigene Ideen und Themen vorschlagen, recherchieren und schreiben. Von den Redakteuren bekam ich Tipps und Feedback zu meinen Texten. Noch als Praktikantin bewarb ich mich für ein Volontariat bei der Mittelbayerischen Zeitung und wurde zusammen mit meinen zwei heutigen Kollegen, Andrea Rieder und Mario Geisenhanslüke, nach einem Vorstellungsgespräch übernommen.

In dem Video sehen Sie ein Interview von Volontärin Claudia Pollok mit der Redakteurin Bettina Griesbeck:

Onlinejournalismus als Chance

Neumarkt als Berufs-Startpunkt

Im Sekretariat laufen die Termine und Themen zusammen. Foto: Pollok

Mit Beginn des Volontariats haben sich meine Aufgabenfelder vervielfacht. Seitdem bearbeite ich die Themen nicht nur für die gedruckte Zeitung, sondern erstelle auch die Online-Artikel. Das Handwerkszeug dafür, wie ich beispielsweise Bildergalerien baue, Kurzvideos drehe und bearbeite, Live-Ticker befülle, lernte ich zusammen mit den anderen Volontären bei Fortbildungen und von Kollegen. Wie alle Volontäre bei der Mittelbayerischen wechselte ich während meiner zweijährigen Ausbildung mehrmals die Redaktionen: Neumarkt, Online, Mantel, Wochenendmagazin, Cham.

Die Ausbildung

  • Dauer:

    Redakteur ist eine Aus- oder Weiterbildung, die in einem Medien-Unternehmen, einer Journalistenschule oder an der Universität stattfinden kann. Die jeweilige Dauer und die Inhalte können sich deshalb unterscheiden. Einer der verschiedenen Wege zum Beruf als Redakteur ist das Volontariat.

  • Voraussetzungen:

    Die meisten Bewerber haben ein abgeschlossenes Studium. Dies ist aber kein Muss. Ein Volontär sollte mindestens 18 Jahre alt sein.

  • Aufgaben:

    Die Hauptaufgabe der Redakteure ist es, Informationen zu recherchieren und sie über Medien zu verbreiten. Dabei ist das Schreiben der Texte nicht mehr der einzige Weg, Nachrichten zu verbreiten. Der Umgang mit neuen Techniken wie Smartphones oder Tablets gehören zum Berufsalltag. Die Beiträge von Redakteuren erscheinen in Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen oder in den digitalen Medien.

  • Vergütung:

    Gezahlt wird in der Regel nach Tarif. Im ersten Jahr bekommen Volontäre unter 22 Jahren 1607 Euro, ab 22 Jahren 1781 Euro. Im zweiten Jahr steigt der Lohn auf 2065 Euro.

  • Perspektiven:

    Ein Redakteur kann sich beispielsweise als freier Journalist selbstständig machen, als Pressesprecher für ein Unternehmen arbeiten oder bei einem Fachmagazin tätig werden.

  • Weitere Infos:

    Mehr zum Beruf gibt es auf der Homepage der Agentur für Arbeit unter www.berufenet.arbeitsagentur.de

In dem Video sehen Sie ein Interview von Volontärin Claudia Pollok mit Redaktionsleiterin Eva Gaupp:

Eine spannende Zeit für Redakteure

Im September des vergangenen Jahres kam ich zum zweiten Mal in die Lokalredaktion Neumarkt. Dort war mein letzter Einsatzort als Volontärin und zugleich ist es auch mein Startpunkt ins Berufsleben als Redakteurin. Denn zum Jahreswechsel 2015 / 2016 endete meine Ausbildungszeit. Die zwei Jahre vergingen schnell und ich habe bei der Arbeit, von Kollegen als auch bei zahlreichen Schulungen viel gelernt.

Redaktionsleiterin Eva Gaupp bespricht mit mir einen Artikel. Foto: Pollok

Da ich gerne in Regensburg lebe und wohne, pendle ich nun jeden Tag mit dem Zug zu meinem Arbeitsplatz. Am Freitagmorgen hielt der Zug wie jeden Tag am Bahnhof Parsberg an. „Streckensperrung auf unbestimmte Zeit“, dröhnte es blechern aus den Abteillautsprechern. Erster Gedanke: Für die bahnfahrenden Leser muss ich auf der Facebook-Seite des Tagblatts einen Hinweis über die Störung posten. Ich erkundigte mich also beim Zugführer. „Warum brauchen Sie denn das alles sofort, das steht doch sowieso erst morgen in der Zeitung“, sagte eine Dame, die ganz in der Nähe saß und sah mich fragend an. Ich schmunzelte. „Online steht es aber jetzt gleich.“

Während des Volontariats entstandene Online-Projekte der Volontäre:

Multimediales Online-Projekt zum Thema Flüchtlinge

Online-Projekt einer Video-Schulung mit dem Thema „So kommt das Bier in die Dultmass“

Lesen Sie mehr:

Hier geht es zu allen Teilen der Berufeserie des Neumarkter Tagblatts

Hier geht es zu weiteren Nachrichten aus Stadt und Region Neumarkt.

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