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Samstag, 16. Dezember 2017 4

Menschen

Spenden schenken Armen eine Zukunft

Neumarkts früherer Polizeichef sammelt für Peru. Ein neues Projekten ist hinzugekommen: medizinische Hilfe in Limas Slums.

Das Waisenhaus in Puno hat Helmut Lukas mehrfach besucht. Foto: Lukas

Neumarkt.Herr Doktor behandelt nur nach Vorkasse. Der Mediziner untersucht die Patientin kurz, dann schreibt er ihr eine Liste mit Dingen, die er für die Behandlung benötigt. Von Medikamenten bis Einweghandschuhen muss die Patientin alles in einer Apotheke kaufen, erst dann behandelt der Arzt sie weiter. Im südamerikanischen Andenstaat Peru ist das Alltag, sagt Helmut Lukas. Der frühere Neumarkter Polizeichef weiß das aus erster Hand: Die Patientin war seine Tochter. Zehn oder zwölf Euro musste sie für ihre ärztliche Behandlung bezahlen. Für sie war das kein Problem, für die peruanische Landbevölkerung kann es dagegen schwierig werden, unter diesen Umständen an eine medizinische Behandlung zu kommen: Laut dem deutschen Entwicklungshilfeministerium lebt in den Dörfern Perus mehr als die Hälfte der Landbevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze. Deshalb organisiert Lukas seit Jahren Spenden für Peru. Er selbst ist bereits mehrmals in das südamerikanische Schwellenland geflogen, sein Verbindungsmann vor Ort ist Comboni-Missionar Pater Josef Schmidpeter.

Ausbildung für Mädchen

Eines der Projekte, das so Unterstützung bekommt, ist ein Waisenhaus in Puno am Ufer des Titicaca-Sees. „Mich beeindruckt immer wieder, wie dankbar und fröhlich die Kinder dort sind“, sagt Lukas. Im Waisenhaus leben Mädchen und junge Frauen unter 21 Jahren, die entweder keine Eltern mehr haben oder von ihnen nicht ernährt werden können. „Bildung ist für mich der Schlüssel, wie wir diesen Mädchen eine Zukunft geben können“, sagt Lukas. Denn die Bildungschancen für arme Kinder seien gering, Lehrer sehr schlecht bezahlt. Lukas erzählt die Geschichte eines Lehrers, dem er umgerechnet 300 Euro gab – sonst hätte der Mann nicht die Behandlung seiner krebskranken Frau bezahlen können.

Dank der Spenden aus Deutschland gab es auch neue Betten. Foto: Lukas

Für ihn sei es immer wieder ein schöner Moment, wenn er von einem Mädchen hört, das es aus dem Waisenhaus in ein selbstständiges Leben geschafft hat, sagt Lukas. Ein Ausbildungssystem vergleichbar mit dem deutschen gebe es in Peru zwar nicht, dafür aber viele Arbeitsplätze für junge Menschen im Handwerk und im Verkauf, sagt Lukas: „Mehrere junge Frauen aus dem Waisenhaus haben es sogar an die Universität geschafft.“

Behandlung für Bedürftige

Einige der Mädchen aus dem Waisenhaus sind auch als Arzthelferinnen an das medizinische Zentrum im etwa 300 Kilometer entfernte Arequipa gewechselt – einem weiteren Projekt, das Lukas unterstützt. „Jeden Tag werden hier 2000 bis 2500 Menschen behandelt“, berichtet Lukas. In dem medizinischen Zentrum befinden sich mehrere Ärzte – vom Allgemeinmediziner über den Gynäkologen bis zum Zahnarzt. Patienten, die sich die Behandlung nicht leisten können, werden nicht weggeschickt, verspricht Lukas: Für sie übernehme die Kosten ein Spendenfonds.

Süßigkeiten, Buntstifte, Luftballons – darüber freuen sich die Kinder. Foto: Lukas

Das zeige Wirkung: Laut Lukas nehmen Menschen mehrere hundert Kilometer Busfahrt auf sich, um nach Arequipa zu kommen: „Für viele ist es die einzige Möglichkeit auf medizinische Behandlung.“ Manche Patienten verbringen sogar eine Nacht auf dem Gehweg vor dem Ärztehaus, um dort am nächsten Tag behandelt werden zu können, sagt Lukas. Unlängst hat eine Art Außenstelle des medizinischen Zentrums Arequipa in einem Armenviertel der Hauptstadt Lima eröffnet. Noch werde renoviert, während die ersten Patienten bereits behandelt werden, sagt Lukas. Denn auch in der Hauptstadt ist die Not groß. Die Landflucht ist eines der Probleme Perus. Der Wunsch nach Jobs, Wohnungen und einem besseren Leben lockt die Dorfbewohner in die Küstenstadt. Wahr werden diese Träume aber nur selten: Die meisten der Zugezogenen finden sich am Rande der Gesellschaft in einem Armenviertel wieder.

Über Peru wissen viele nur wenig. Hier können Sie sich an einem Quiz über Südamerika versuchen:

Zwar boomt Peru, doch vom Aufschwung profitieren nur Wenige. So schätzt nicht nur Lukas die Lage ein, sondern auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: „Die Regierung schafft es bisher nur ansatzweise sicherzustellen, dass auch und vor allem die armen Bevölkerungsteile vom Wirtschaftswachstum profitieren.“ Ein Drittel der Peruaner hat kein fließendes Wasser, die Müttersterblichkeit ist mit die höchste in Amerika.

Doch trotz Not und Elend hat Lukas auf seinen Perureisen auch schöne Erinnerungen gesammelt. Dazu zählt eine Begegnung mit Kondoren in der freien Wildbahn genauso wie Besuche von Kulturstätten, aber vor allem Begegnungen mit Menschen. Als Beispiel nennt Lukas ein Osterfest, das er in Peru verbracht hat. „Es wurde sehr ehrfürchtig und gleichzeitig lustig gefeiert“, sagt Lukas. Als Europäer solle man sich zwar kundig machen, welche Gegenden besser gemieden werden – doch sicher habe er sich in Peru immer gefühlt. Nur bei einer Ausnahme sei selbst ihm Bange geworden: Eine Busfahrt entpuppte sich als 72-stündige Anden-Tour über Bergstraßen, die direkt an hunderte Meter tiefen Schluchten vorbeiführen.

Wer für die Projekte in Peru spenden will, kann das auf das Konto „Waisenhaus Puno/Medizinisches Zentrum“ tun, IBAN DE53 7606 9553 0103 3042 48 oder DE48 7605 2080 0008 3367 37.  Laut Lukas gehen alle Spenden zu den Projekten, es gibt keine Verwaltungskosten.

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