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Neumarkt
Dienstag, 21. November 2017 5

Porträt

Sie wecken zum Chinesenfasching

Sie läuten den Unsinnigen Donnerstag schon in den Nachtstunden ein: die Gruppe des Weckrufs ist seit 1954 mit dabei.

  • Wer später einmal beim Weckruf mitmachen will, sollte sich früh üben, wie hier die Kleinen des Kindergartens. Fotos: ufb
  • Mit 73 Jahren war Hans Flierl der Senior des Weckrufs. Foto: ufb

DIETFURT.Mit dem Festzug am Unsinnigen Donnerstag bekam Dietfurt erneut die Bestätigung, dass es mit dem Chinesenfasching eine Hochburg der närrischen Zeit ist. Beim Zug brachten sich wieder viele Vereine und Gruppen farbenprächtig und mit tollen Ideen ein. Sie fanden bei Tausenden Zuschauern Bewunderung und erhielten immer wieder Beifall.

Eine Gruppe, die beim Gaudiwurm nicht mitwirkte, vom Dietfurter Faschingsgeschehen aber nicht wegzudenken ist, das ist der Weckruf. Weil sich seine Aktivitäten nachts abspielen und somit für viele nicht sichtbar sind, verdient er es, einmal näher beleuchtet zu werden.

Die Gruppe besteht seit 1954 und wurde im Jahr der ersten Kaiserkrönung gegründet. Damals waren es nur zehn Mann, die die Bevölkerung weckten, um den Amtsantritt von Kaiser Ma-Ler-Gi nicht zu verschlafen. Nachdem der nächtliche „Musik-Zug“ durch alle Straßen gut ankam, war dies ein Grund, ihn in den folgenden Jahren zu wiederholen, allerdings nicht in Chinesen-Gewändern, wie man vermuten könnte, sondern als „China-Clowns“. Nach und nach wuchs die Gruppe. Um nicht überhört zu werden, legte sie sich im Laufe der Zeit richtig Lärmwerkzeuge zu, beispielsweise Ratschen, Sirenen und Kanonen, mit denen sie die Schlafenden im wahrsten Sinne des Wortes aus den Betten hoben.

Früher ging es erst um 4 Uhr los

Ursprünglich war der Weggang morgens um 4 Uhr bei dem unvergesslichen Hans Geyer (1976 wurde er Kaiser), der zu den Weckruf-Gründern gehörte. Er schminkte sämtlichen Teilnehmern die Gesichter so vielfältig, dass man die Geschminkten kaum wiedererkannte. Da Dietfurt immer größer und damit auch die Wegstrecke länger wurde, verlegte man schließlich die Abmarschzeit auf 2 Uhr vor. Zudem wurde das Gasthaus Herler (Lukas) zum Ausgangspunkt erwählt.

Die umfangreiche Berichterstattung unserer Zeitung zum Chinesenfasching findet sich hier.

Die „Kommandeure“ des Weckrufes sind seit vier Jahren Stefan Baumer und Andreas Werner. Deren Vorgänger waren Erich Moser und Christian Linz. Heuer bestand die Weckrufgruppe aus 40 Personen, 29 mit Lärmwerkzeugen unterschiedlicher Art und elf Musikanten, zu letzteren gehörte mit Regina Donauer auch eine Frau. Die Klarinettistin ist die einzige Weiblichkeit, die sich bisher in den Weckruf einbrachte und sich in dieser Gruppe schon seit über zwei Jahrzehnten wohlfühlt. Der am weitest angereiste Teilnehmer war Christ Steffen aus Kiel. „Sagen sie zu mir einfach ,Der Fischkopf’. Ich komme seit 15 Jahren am Unsinnigen nach Dietfurt, weil es bei uns so etwas nicht gibt.“ Seit vier Jahren geht er beim Weckruf mit.

Die Jüngsten waren heuer Florian Bachhuber und Fabian Graf. Der älteste Johann Flierl. Der Vollblutmusikant war früher schon längere Zeit dabei, legte dann eine mehrjährige Pause ein und machte heuer wieder mit. „In mir hat so gekribbelt, dass ich mit meiner Posaune unbedingt wieder mit marschieren wollte.“ Immerhin musste 9,4 Kilometer marschiert werden.

Auf der Strecke wurde bei 50 Personen Halt gemacht, denen die Musikanten ein Ständchen spielten. In fünf Häusern, dazu gehörte auch die Residenz von Kaiser Fu-Gao-Di, gab es Kaffee, Kuchen, Krapfen oder heiße Würste, um sich für den weiteren Weg zu stärken. Kurz nach sieben Uhr kamen die Weckrufer in die Innenstadt, um sich auch hier bemerkbar zu machen. Von hier ging es zum Kindergarten am Kreuzberg, wo auch die Kinder vom Waldkindergarten warteten, um den Weckruf zu erleben.

Kinder verliehen Orden

Die Buben und Mädls waren gut vorbereitet. Gemeinsam mit den Musikanten sangen sie die Chinesenhymne und hatten Spaß an einer Polonaise durch die Turnhalle. Besondere Freude kam auf, als alle Kindern den Weckruflern selber gefertigte Orden überreichten. Diese wiederum bedankten sich mit Krapfen, die sie von einer örtlichen Bäckerei bekommen hatten.

Weitere Stationen waren die Mittelschule und das Caritas-Seniorenheim. Auch hier wurde die Weckrufkolonne mit Freude empfangen. Erst in den Vormittagsstunden löste sich die Gruppe auf. Die meisten der Weckrufler beteiligten sich am Nachmittag in anderer Weise am Festzug und waren dann in der Nacht auch noch unterwegs. Somit wurde für sie, wie schon seit vielen Jahren, der Unsinnige zum längsten Tag des Jahres.(ufb)

Mit 73 Jahren war Hans Flierl der Senior des Weckrufs.

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