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Region Nürnberg
Montag, 25. September 2017 20° 4

Action

90 000 Gäste sahen kühne Sprünge

Wenn Mountainbiker durch die Luft fliegen, zieht das die Massen an. Der „Red Bull District Ride“ hat einen Rekord erreicht.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

Mehr als 90 000 Zuschauer sahen am Samstag in Nürnberg den Sprung vom polnischen Freestyle-Mountainbiker Szymon Godziek. Am Ende reichte es für den Polen für Platz 3. Foto: Karmann

Nürnberg.Dieses Spektakel will sich niemand entgehen lassen. Auf dem Hauptmarkt drängen sich am Samstag zum großen Finale die Menschen dicht an dicht. „Papa, ich kann nichts sehen. Kannst Du mich auf den Arm nehmen?“, fragt Carla und Papa Joan hebt das Töchterchen ein Stockwerk höher auf die Schultern. Von dort oben hat die Kleine den Hauptmarkt besser im Blick.

Diese Zuschauer haben sich einen Logenplatz gesichert und bejubeln den kanadische Mountainbiker Anthony Messere. Foto: Stein

Keine Köpfe stören die Sicht, wenn die 20 weltbesten Mountainbike-Fahrer über die 14 Meter hohe Rampe donnern und anschließend zum allerletzten Sprung ansetzen. Die Flüge vor der grandiosen Kulisse will sich offensichtlich niemand in Nürnberg entgehen lassen. Kinder erklimmen in Kohorten den Schönen Brunnen, um einen besseren Blick auf das wilde Treiben zu haben. Andere haben sich einen Logenplatz in einem der Häuser am Hauptmarkt gesichert und schauen den halsbrecherischen Aktionen fasziniert vom Fensterplatz zu.

Suche nach dem besten Platz

Die meiste Zeit dürften sich die Besucher auf dem Hauptmarkt wie beim „Public Viewing“ gefühlt haben. Über eine große Videoleinwand können sie verfolgen, wie sich die Fahrer von den Mauern der Kaiserburg in den Parcours stürzen. Keine Sekunden werden die Fahrer auf ihrer atemberaubenden Fahrt von den Kameras aus den Augen gelassen. Moderatoren kommentieren aufgeregt das Geschehen. Musik dröhnt aus den Boxen, um die Stimmung anzuheizen.

Viele Zuschauer filmten die Sprünge mit den Handykameras. Foto: Pelke

Immer mehr Kinder werden auf Schultern gehoben. „Das Spektakel ist schon der Hammer“, sagt selbst Alex, der langsam unter dem Gewicht der Tochter auf den Schultern zu leiden beginnt. Nebenan thront Phil hoch über dem Kopf des Papas. „Einen besseren Vater-Sohn-Ausflug gibt es einfach nicht“, freut sich Stefan und strahlt mit dem Sohnemann um die Wette. Derweil sind Anna und Elisabeth noch auf der Suche nach einem guten Ausguck. „Wir sehen hier nur die Hälfte. Wir versuchen jetzt auf das Gitter beim Schönen Brunnen zu klettern“, sagt Anna und verschwindet mit der Freundin in der Menge. Derweil hat die Nürnberger Polizei alle Hände voll zu tun, die zunehmenden Massen sicher durch die Altstadt zu schleusen. Zeitweise muss der wichtigste Zugangsweg zur Veranstaltung, der über die Museumsbrücke zum Rathaus führt, aus Platzgründen gesperrt werden. Davon bekommen die Fahrer unter ihren Helmen nichts mit.

Red Bull District Ride 2017

  • Ergebnis:

    Nicholi Rogatkin holt sich vor Emil Johansson und Szymon Godziek den Sieg beim „Red Bull District Ride 2017“.

  • Weltneuheit:

    Beeindrucken kann Nicholi Rogatkin die Besucher und die Preisrichter besonders durch einen sensationellen Trick, bei dem er sich viermal um die eigene Achse in der Luft dreht. Mit dem 1440-Grad hat der Amerikaner bereits am Freitagabend den „Best Trick Contest“ gewonnen. Den spektakulären Trick hat noch niemand zuvor auf der Welt gestanden.

  • Lokalmatador:

    Ein ganz spezielles Wochenende ist es auch für den 19-jährigen Erik Fedko aus der Nähe von Dortmund gewesen, der mit zwei beeindruckenden Läufen als einziger Deutscher im Finale auf dem fünften Platz landete.

Kulisse ist einzigartig

Zum ersten Mal brandet tosender Applaus auf, als der deutsche Teilnehmer mit seinem Fahrrad am Balkon des Rathauses erscheint. Telefone werden gezückt, um die wilde Fahrt zu filmen. Mit einem Affenzahn rauscht der 19-jährige Erik Fedko auf die Sprungschanze zu. Staunende Kinderaugen auf den Schultern nicht weniger staunender Eltern verfolgen den wilden Flug bis zur sicheren Landung. Danach jubelt die Menge erneut. Bis der nächste Fahrer sich auf den Weg macht und sich alle Augen auf dem Hauptmarkt wieder auf die Leinwand konzentrieren.

Vor dem Sprung stürzen sich die Freestyle-Mountainbiker eine steile Rampe hinab. Dieses Foto entstand beim Training. Foto: Karmann

Bei der Fahrt eines amerikanischen Mountainbike-Cracks halten alle den Atem an. So hoch, so wild hat keiner den schwierigen Parcours vor der einzigartigen Kulisse gemeistert. Am Ende wird Nicholi Rogatkin zum Champion gekürt. Nach diesem Tag werden nicht nur die Fahrer einen Muskelkater haben. Der ein oder andere Vater wird ebenfalls über Schulterschmerzen klagen. Und eine kleine Massage benötigen. Aber dafür kann man sagen. Man ist mit eigenen Augen dabei gewesen. Und hat gemeinsam den Atem angehalten.

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