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Region Nürnberg
Samstag, 25. März 2017 16° 3

Mahnung

Bayerischer Landtag gedenkt der NS-Opfer

In Nürnberg gedachten Politiker in der früheren Nazi-Kongresshalle am Dutzendteich der Millionen von Opfern - mit getragener Musik statt langer Reden.

Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände Foto: Karmann/dpa

Nürnberg.Gedenken an einem historisch belasteten Ort: In der einst von Nazis errichteten Kongresshalle am Dutzendteich hat der Landtag am Donnerstag den Millionen von Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Die Kongresshalle ist Teil des früheren Reichsparteitagsgeländes, auf dem das Hitler-Regime von 1933 bis 1938 seine propagandistischen Massenaufmärsche inszenierte.

Warnung vor Rechtsextremismus

Bayerische Politiker warnten bei dem Gedenkakt im Musiksaal des Monumentalbaus zugleich vor rechtsextremen Terror unserer Tage. Allein in Nürnberg seien in den vergangenen Jahren drei Mitbürger ums Leben gekommen – weil sie aus einem anderen Land stammten, erinnerte der CSU-Politiker Karl Freller an die Ermordung der NSU-Opfer Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru und Ismail Yasar.

Insgesamt beschränkten sich die Politiker aber auf wenige Worte und ließen Musiker mit ihren Mitteln an das Grauen des Nazi-Regimes erinnern. Den Höhepunkt bildete dabei die Uraufführung der Komposition des israelischen Dirigenten, Issak Tavior, „In the blood, live“, gespielt von den Nürnberger Symphonikern. Die Violin-Solistin Mirella Goldstein spielte das jüdische Totengebet „Kaddish“ von Maurice Ravel.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm erinnerte daran, dass Nürnberg nicht nur Zentrum der Nazi-Propaganda war. Mit der Verabschiedung der „Nürnberger Rassegesetze“ sei in der einstigen „Führerstadt“ auch der Grundstein für die Massenvernichtung der Juden gelegt worden. „Damals begannen die Deutschen das hinzunehmen, was dann zum Hinnehmen immer schlimmerer Dinge führte“, sagte sie. „Und am Ende standen die Vernichtungslager wie Auschwitz. Sie markierten den Bruch mit allen Geboten der Menschlichkeit“.

„Mahnung an die Zukunft“

Freller, der auch Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist, warnte davor, in diesem Gedenkakt nur die Erinnerung an eine dunkle Vergangenheit zu sehen. Wie die NSU-Morde zeigten, könne der „Ungeist mörderischer Menschenverachtung immer wieder aufkeimen“. Deshalb seien solche Gedenkveranstaltungen „kein Verharren im Gestern, sondern eine Mahnung an die Zukunft“.

An dem alljährlich stattfinden Gedenkakt des Landtags nahmen neben KZ-Überlebenden wie dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer, auch Schüler aus fünf bayerischen Schulen teil. An der musikalischen Gestaltung des Gedenkaktes beteiligten sich zahlreiche israelische Musiker. Neben den Mitgliedern des „Tivon Chamber Choir“ hatte der Landtag auch den „Jerusalem Oratorio Chamber Choir“ nach Nürnberg eingeladen. (dpa)

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