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Region Nürnberg
Dienstag, 16. Januar 2018 7

Kultur

Besondere Musik zur Stummfilm-Woche

Von Donnerstag bis Sonntag werden in Nürnberg berühmte Klassiker aus den 20er Jahren gezeigt. Ein besonderer Kunstgenuss.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

  • Zum 20. Jubiläum zeigen die StummFilmMusikTage eine Auswahl der besten Kurzfilme von Stan Laurel & Oliver Hardy, in Deutschland bekannt als Dick und Doof. Foto: dpa-Archiv
  • Der Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von Robert Wiene aus dem Jahr 1920 ist ein Klassiker. Auch er wird in Nürnberg gezeigt. Foto: obs/Deutsches Filminstitut DIF
  • Tafelhalle-Leiter Michael Bader, Nürnberger Symphoniker-Intendant Lucius A. Hemmer und der künstlerische Leiter der StummFilmMusikTage, Rolf Schamberger, hoffen wieder auf volle Häuser (v.l.). Foto: Tjiang

Nürnberg.Die Nürnberger StummFilmMusikTage sind auch im 20. Jahr ihres Bestehens eine Art Geheimtipp. Denn auch in Zeiten von Youtube üben Stummfilme wie der deutsche Klassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ auch fast 100 Jahre nach ihrer Produktion eine besondere Faszination aus. „Das Publikum der StummFilmMusikTage ist immer bunt gemischt“, berichtet der künstlerische Leiter, Rolf Schamberger. Der Stummfilm habe wie die Schallplatte eine kleine, aber feine Fangemeinde.

Für Schamberger sind Stummfilme „keine ollen Kamellen“, sondern mit ihren frühen Effekten Vorreiter der heutigen Filmindustrie. Selbst bei aktuellen Comedy-Sendungen fühlt er sich häufig an den frühen französischen Schauspieler Jacques Tati erinnert. „Er wird immer noch – bewusst oder unbewusst – zitiert.“

Das Besondere wird wieder die Musik zum Stummfilm sein, ergänzt der Leiter des Spielorts Tafelhalle, Michael Bader. Das Spektrum reicht von einer orchestralen Begleitung, über Kammermusik und dem Jazzquartett Küspert & Kollegen bis zum DJ D’dread.

Der Intendant der Nürnberger Symphoniker, Lucius A. Hemmer, freut sich auf den bereits ausverkauften Einsatz bei „Die weiße Hölle vom Piz Palü“. Der Naturfilm von 1929 ist für ihn der erste Höhepunkt des Genres. Das Bergsteigerdrama plus Liebesgeschichte wird von 60 Musikern begleitet. „Nur so bekommt das Schneegestöber den guten Hollywoodsound.“

100 Seiten Partitur fürs Orchester

Für Hemmer steht gerade bei diesem Programmpunkt das Orchester gleichberechtigt zum Film. Die neue Filmmusik stammt von dem australischen Komponisten Ashley Irvin und sei hart für die Musiker, die quasi über zwei Stunden „ohne Punkt und Komma“ durchspiele. Das sei so anspruchsvoll und anstrengend, dass die eigentlich übliche Generalprobe unter Leitung von Frank Strobel vom gleichen Tag auf den Vortag vorverlegt wurde.

Anders wäre die über 100 seitige Partitur musikalisch nicht zu schaffen. Für die Aufführung bauen die Symphoniker sogar eine eigene Kinotechnik für die beiden Filmrollen auf 35 Millimeter auf.

Frank Strobel, musikalischer Leiter und Gastdirigent der Staatsphilharmonie, wird für einen besonderen Genuss sorgen: Er zählt zu den weltweit angesehensten Dirigenten für Filmmusik und war früher Chefdirigent des Filmorchesters Babelsberg. Neben vielen Aufführungen historischer Stummfilme und Originalpartituren hat er unter anderem die Filmmusik für die Cyber-Hollywood-Trilogie „Matrix“ eingespielt. Strobel führt vor seinen beiden Auftritten in Film und Musik ein.

Mit dem laut Bader „sehr, sehr sehenswerten“ amerikanischen schwarz-weiß-Streifen „Safety Last“ (Sonntag, Tafelfalle, 18 Uhr) aus dem Jahr 1923 wird sozusagen der Film zum Bild gezeigt: Das Foto, das Schauspieler Harold Lloyd als verliebten Jungen zeigt, der an einer Uhr an einem Wolkenkratzer hängt, kennt jeder. Dazu spielt das Jazzquartett Küspert & Kollegen. Der digital restaurierte Klassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ wird vom Leipziger DJ D’dread alias Dirk Kuntze begleitet, der sich seit Jahren mit der Musik zum Stummfilm beschäftigt. Im Rahmen der StummFilmMusikTage ist sein Beitrag, wie auch der der Jazzkollegen, eine Premiere.

Musikhochschule als ein Partner

Schamberger, der vor 20 Jahren die StummFilmMusikTage in Erlangen begründet hat, sieht sich gut vorbereitet. Vor fünf Jahren ist er mit dem Festival nach Nürnberg umgezogen. „Zwar knirscht es ab und zu in der Organisation, aber mit den beiden Partnern Tafelhalle und Symphonikern sind wir gut aufgestellt.“ Auch die Kooperation mit der Nürnberger Hochschule für Musik, deren Dirigierklasse das Kammerensemble leitet, könnte fortgesetzt werden. Ein Leckerbissen dürfte „Stan Laurel & Oliver Hardy“ (Sonntag, Tafelhalle, 11 Uhr) werden, zu denen die Lokalmatadoren Hilde Pohl und Yogo Pausch aufspielen.

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