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Region Nürnberg
Montag, 20. November 2017 5

Ausstellung

Der Raubkunst auf die Spur gekommen

Das Germanische Nationalmuseum hat seine Bestände durchforstet. Gesucht wurden Gegenstände, die es in der NS-Zeit unrechtmäßig erworben hat.
Von unserem Nürnberg-

  • Die Ausstellung „Gekauft – Getauscht – Geraubt?“ ist ab heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Fotos: Pelke/GNM, Monika Runge
  • Timo Saalmann hat sich auf Spurensuche in die Kunstwelt zwischen 1933 und 1945 begeben.
  • Amor als Löwenbändiger (um 1550) befindet sich seit 1939 im Germanischen Nationalmuseum.

NÜRNBERG.Mit einem Detektiv will Timo Saalmann seine Arbeit in den Archiven des Germanischen Nationalmuseums nicht vergleichen. Geduld und Hartnäckigkeit braucht der Kunstexperte für seine Arbeit trotzdem. Seit drei Jahren untersucht Saalmann die Erwerbungen, die das Germanischen Nationalmuseum zwischen den Jahren 1933 und 1945 gemacht hat.

Rund 1400 Objekte habe das Museum in der Zeit der Nazi-Herrschaft gekauft, erklärt Saalmann. Davon seien rund 500 Gegenstände unverdächtig. Bei knapp 900 Objekten haben sich die Provenienzforscher die oft verzweigte Geschichte der Kunstobjekte näher anschauen müssen. Die Recherchen zur Vorgeschichte sind kompliziert. Die ursprünglichen Besitzverhältnisse oft unklar. Drei Wochen dauere die Spurensuche pro Objekt im Schnitt.

Wie unterschiedlich die Forschung nach der Provenienz eines Werkes verlaufen kann, zeigt die kleine aber feine Ausstellung „Gekauft – Getauscht – Geraubt?“, die ab heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen ist. Darin werden zehn Beispiele aus der spannenden Arbeit der „Kunst-Detektive“ erzählt.

Timo Saalmann hat sich besonders um Julius Böhler gekümmert. Das Germanische habe zu den treuen Kunden des Münchner Kunsthändlers gehört. Bei einer Auktion im Jahr 1938 hat das Nationalmuseum die kleine Bronzefigur „Amor als Löwenbändiger“, die um 1550 in Nürnberg entstanden ist, bei Böhler in München erstanden. Sofort haben alle Alarmglocken bei Saalmann geklingelt. Allein die Jahreszahl kurz vor Ausbruch des Krieges muss Alarmzeichen genug gewesen sein.

Saalmann macht sich auf die Suche. Bis er schließlich im Deutschen Kunstarchiv die Geschäftsbücher von Julius Böhler tatsächlich aufspüren kann. Aus den Unterlagen sei eindeutig hervorgegangen, erklärt Saalmann, dass dem Kunsthändler der kleine Bronze-Amor bereits seit 1927 gehörte. „Der Amor kam also rechtmäßig in die Sammlung“, bringt Saalmann die Recherche zur Provenienz dieses Objektes auf den Punkt.

In der aktuellen Ausstellung wird auch ein Beispiel aus Nürnberg vorgestellt. Wiederum im Jahr 1938 wurde der jüdische Unternehmer aus Nürnberg, Igo Levi, für mehrere Wochen inhaftiert und seine bedeutende Fayence-Sammlung beschlagnahmt. Der damalige Direktor des Nationalmuseums, Heinrich Kohlhaußen, wollte die Kollektion kaufen. Die Ausstellung zeigt, dass es dazu nicht gekommen ist. Stattdessen wurde die wertvolle Sammlung versteigert. Durch den Erlös konnte Levi seine Flucht aus Nazi-Deutschland finanzieren.

Levi überlebte und erhielt nach der Befreiung rund 100 Objekte aus seiner Sammlung zurück. In den Beständen haben die Provenienzforscher allerdings noch drei Fayencen entdeckt. Hat das Museum geschummelt und diese drei Gegenständen (es handelt sich dabei um einen Teller, ein Milchkännchen und eine Zuckerdose) unterschlagen? Letztendlich haben die „Kunst-Detektive“ durch Briefe belegen können, dass Igo Levi die Objekte dem Museum in den 50er Jahren aus freien Stücken geschenkt hat.

Die Ermittler haben freilich auch Fälle aufgedeckt, bei denen sich das Museum zu Unrecht in dem Besitz befand. Wie bei dem kleinen Porzellanhusar einer Bankiersfamilie aus Hamburg. Als Emma Budge 1937 kurz vor ihrem 85. Geburtstag kinderlos verstarb, wurde ihr Besitz versteigert. Der Erlös floss allerdings auf ein Sperrkonto. Das Nationalmuseum hatte über Zwischenhändler seinerzeit vier Objekte aus dieser Kollektion erworben.

Diese waren bereits an die Erben zurückgegeben worden. Im Laufe der neuen Recherchen sei nun der Husar aus Porzellan ans Licht befördert worden. Mit den Nachkommen sei verhandelt worden. „Glücklicherweise konnten wir uns mit den Erben einigen“, erklärt der Museumsdirektor.

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