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Region Nürnberg
Montag, 11. Dezember 2017 3

Porträt

Die alten Straßenbahnen sind sein Leben

Nach 47 Jahren übergibt Kurt Gottschalk die Leitung des Historischen Straßenbahndepots in Nürnberg.

Niklas Schwarzmann (links) ist der neue Betreuer des Historischen Straßenbahndepots St. Peter. Kurt Gottschalk überreicht ihm symbolisch den Schlüssel für das Schatzkästlein der VAG. Foto: Andreas Neuer

Nürnberg.Kurt Gottschalk ist seit 47 Jahren Mitarbeiter der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg, seit 1976 Mitglied im Verein der Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn und seit 21 Jahren betreut er das Historische Straßenbahndepot St.Peter. Jetzt geht er in den Ruhestand. Doch nicht, ohne noch einmal aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz rund um Busse und Bahnen in Nürnberg zu berichten und seinen Nachfolger Niklas Schwarzmann vorzustellen.

Bereits Kurt Gottschalks Vater war Busfahrer gewesen – und Klein-Kurt mit einer Monatskarte sein ständiger Begleiter. „Mir war immer klar, dass ich auch mal einen Bus oder eine Straßenbahn durch Nürnberg lenken wollte“, erinnert sich der heute 63-Jährige. Doch das ging erst nach einer Berufsausbildung, die er in der ehemaligen Straßenbahn-Lehrwerkstatt der VAG in der Fuchsstraße absolvierte. Im Anschluss arbeitete er kurz als Mechaniker unter anderem in der Straßenbahn-Hauptwerkstatt, bevor er im Herbst 1975 endlich in den Fahrdienst wechseln durfte.

Die Geschichte live miterlebt

„Damals war das Straßenbahnnetz noch viel größer. Ich dürfte einer der letzten Fahrer sein, die noch im Regelbetrieb bis nach Schweinau, bis zur Bauernfeindstraße und sogar bis nach Fürth mit der Straßenbahn gefahren sind“, erzählt der Vollblutfahrer.

Gut 20 Jahre war er im Großraum Nürnberg als Bus-, Straßenbahn- und Oldtimerfahrer unterwegs und hat sich damit ausreichend für die nächste Sprosse auf seiner Karriereleiter qualifiziert. 1996 übernahm Gottschalk die Betreuung des Historischen Straßenbahndepots St. Peter – eine Aufgabe, die ihm wie auf den Leib geschneidert war.

„Ein bisschen Oldtimer fahren darf ich auch künftig noch.“

Kurt Gottschalk

Sein erster großer Coup: die Organisation eines Wagen-Korsos durch die Stadt anlässlich 100 Jahre elektrische Straßenbahn in Nürnberg. Dabei fuhr er noch selbst den Zeppelinwagen 144. Ein Jahrzehnt später, beim nächsten großen Korso zu 125 Jahren Nahverkehr in Nürnberg lenkte sein Sohn den Wagen 144. „Das war kurios und toll“, erinnert sich der stolze Vater, dessen zweiter Sohn in der Straßenbahnwerkstatt in seine Fußstapfen getreten ist. „Im Übrigen: Manche Fahrzeuge verfolgen mich regelrecht! An dem Triebwagen 250 aus dem Jahr 1959 habe ich während meiner Zeit in der Werkstatt schon rumgeschraubt, dann habe ich ihn im Regelbetrieb gefahren und schließlich als Oldtimer im Museum gehegt und gepflegt.“

Gemeinsam mit den Freunden der Nürnberg-Fürther Straßenbahn, wo Kurt Gottschalk seit 1998 im Vereinsvorstand ist, und der VAG hat er das Historische Straßenbahndepot St. Peter zu einem Schatzkästchen des Nürnberger Nahverkehrs ausgebaut.

Besucher können die historischen Wagen besichtigen. Foto: Andreas Neuer

Es macht Busse und Bahnen erlebbar und zeigt die umfangreiche Leistung, die hinter dem täglichen Mobilitätsangebot der VAG steckt. „St. Peter sollte immer eine Anlaufstelle für unsere Fahrgäste sein“, sagt Gottschalk. Ein guter und engagierter Umgang mit den Fahrgästen sei ihm immer das Wichtigste gewesen. Diese Denke habe er von seinem Vater übernommen – und er gebe sie an die Jungen weiter, die im Verein und bei der VAG nachwachsen. Das lohne sich, sagt der 63-Jährige und erzählt von einer besonderen Begebenheit: „Ich hatte mal an Heiligabend Dienst und da hat mir ein Kind mit seinen Eltern ein selbst gebasteltes Geschenk gebracht, weil wir VAG-Fahrer sie immer so zuverlässig chauffieren. Das vergesse ich nie.“ Doch Kurt Gottschalk bleibt der VAG auch im Ruhestand erhalten: „Ein bisschen Oldtimer fahren darf ich auch künftig noch“, sagt er grinsend.

Mit Bus und Bahn aufgewachsen

Froh darüber ist sein Nachfolger Niklas Schwarzmann. Als Südstadtkind ist er ohne Auto aufgewachsen und somit schon seit frühester Kindheit mit Bussen und Bahnen mobil. Seit 1994 ist er aktives Mitglied bei den Freunden der Nürnberg-Fürther Straßenbahn. So reifte in ihm frühzeitig der Wunsch, einmal für die VAG zu arbeiten. Seit 2000 war er als Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrer sowie als Verkehrsmeister im Einsatz, bis die Stelle als Betreuer des Historischen Straßenbahndepots neu ausgeschrieben wurde: „Da musste ich einfach meinen Hut in den Ring werfen.“ Als langjähriges Vereinsmitglied, Oldtimerfahrer und VAG-Mitarbeiter liegen ihm der Fortbestand des Historischen Straßenbahndepots und der Oldtimerfahrzeuge am Herzen. „Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat“, sagt der 38-Jährige.

„Ich freue mich auf alles, was da kommen mag.“

Niklas Schwarzmann

Seine erste Bewährungsprobe hat Niklas Schwarzmann an diesem Wochenende, 2. und 3. Dezember, wenn er zum ersten Mal das Historische Straßenbahndepot St. Peter um 10 Uhr für die Besucher auf- und um 17.30 Uhr wieder zuschließt. Die beliebten Glühweinfahrten sind heuer bereits nahezu ausverkauft. „Seit wir sie auch über Facebook vermarkten, gehen sie weg wie die warmen Semmeln“, erklärt Schwarzmann. Das Historische Straßenbahndepot behutsam in eine digitalisierte Welt zu geleiten, dürfte eine der Aufgaben des neuen Depot-Betreuers sein. „Ich freue mich auf alles, was da kommen mag.“

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