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Region Nürnberg
Dienstag, 21. November 2017 5

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Die Zeit der gelben Häuschen ist vorbei

.Der Rückgang der öffentlichen Telefone in Nürnberg ist rasant. In den letzten vier Jahren hat sich deren Zahl halbiert.
von unserem Nürnberg-

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Diese Telefonzelle ist inzwischen nur noch eine Zelle. Das Telefon fehlt. Foto: Pelke

NÜRNBERG..Der Rückgang der öffentlichen Telefone in Nürnberg ist rasant. In den letzten vier Jahren hat sich deren Zahl halbiert. Aktuell gibt es nur noch knapp 150 davon. Oft sind sie nicht mehr gelb. Und oft sind sie gar keine Häuschen mehr. Häufig bieten die letzten Telefonzellen den Menschen nur noch einen kleines Dach über dem Kopf. Aber wer ganz genau hinsieht, der findet sie noch, die Telefonhäuschen in der Stadt. Auch wenn deren Verbreitung rasant sinkt. „Die Zahl der öffentlichen Telefonzellen geht seit Jahren zurück“, bestätigt Claus Fleischmann, der Leiter der städtischen Liegenschaftsamtes in Nürnberg.

Ein Blick auf die Statistiken verrät, dass der Rückgang dramatisch ist. Waren es im Jahr 2013 noch knapp 300 so gibt es laut Fleischmann vom Liegenschaftsamt aktuell nur noch 146 öffentliche Münzfernsprecher auf den Straßen und Plätzen in der Frankenmetropole. „Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Hausanschluss und dem Siegeszug des Handys abgenommen“, erklärt auch Markus Jodl, Sprecher der Deutschen Telekom.

Kaum noch Notwendigkeit

Rein rechnerisch gesehen habe jeder Deutsche mittlerweile mindestens einen Hausanschluss und ein Handy. „Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen hat dementsprechend abgenommen“, ist sich der Sprecher der ehemaligen Bundespost sicher. Heute gibt es deutschlandweit noch knapp 20000 Telefonzellen, die die Deutsche Telekom betreibt. An Sonderstandorten wie Flughäfen oder Bahnhöfen sei die Nutzung der öffentlichen Telefone trotz des Siegeszuges des Mobiltelefons nach wie vor hoch.

Wer sich über den rasanten Rückgang der öffentlichen Fernsprecher ärgert, dem ruft die Telekom die hohen Kosten für den Unterhalt ins Gedächtnis. Eine einzige Telefonzelle verursache durch Strom, Standortmiete und Wartung hohe Kosten. Allein die Standortmiete eines Telefonhäuschens in der Nürnberger Altstadt schlage pro Jahr laut Claus Fleischmann vom Liegenschaftsamt mit einer Miete von rund 200 Euro zu Buche. Außerhalb der City werden jährlich immerhin noch rund 100 Euro fällig.

Durch die hohen Kosten und die geringe Nutzung entsteht ein Teufelskreis, der das Aussterben der Telefonhäuschen offensichtlich noch beschleunigt. Die Telekom dürfe Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro pro Monat stehen, erklärt Firmensprecher Markus Jodl.

Sich im Sinkflug befindende Umsätze seien „ein klares Indiz“ dafür, dass „der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung“ an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht. „Der Kunde ist der Architekt des Telefonzellen-Netzes“, ist sich Jodl von der Deutschen Telekom sicher. Wenn die Gemeinde trotzdem an einem Standort einer öffentlichen Telefonzelle festhalten möchte, schlage die Telekom eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon vor. Diese funktionieren nicht mit mehr mit Münzen sondern nur noch mit Telefon- oder Kreditkarten. Das bargeldlose Bezahlen soll vor Vandalismus schützen. Dieser minimalistischen Telefone, die nicht viel mehr sind als Hörer mit Wählscheibe an einer Stele, haben mit einer klassischen Telefonzelle fast nichts mehr am Hut. Selbst ein kleines Mini-Dach hat man sich über diesem Billigheimer unter den Telefonhäuschen gespart. Vorbei scheinen die luxuriösen Zeiten der rundum verglasten Telefonzellen, die nicht nur Schutz vor Nässe, Regen und Wind boten. Darin war man beim Telefonieren auch vor neugierigen Ohren sicher. Häufig lagen darin sogar noch die aktuellen Telefonbücher neben dem klobigen Hörer aus.

Aus der Not eine Tugend machen

Die Telekom versucht derweil aus der Not eine Tugend zu machen. Telefon-Nostalgiker können die ausrangierten Telefonhäuschen erwerben. Das Glashaus ist freilich nicht ganz billig. Je nach Typ und Zustand kostet eine solche Telefonzelle mindestens stolze 600 Euro. Die Kosten für den Transport müsse der Käufer laut Telekom sogar selbst übernehmen. Obendrein seien die gelben Klassiker unter den Telefonhäuschen dummerweise auch noch ausverkauft. Fänden sich nach dem Niedergang der Telefonzellen nicht genügend zahlungswillige Liebhaber für die alten Telefonstationen, würden diese früher oder später endgültig auf dem Schrottplatz enden.

Telefonzellen können auch anderen Nutzungsformen zugeführt werden wie diese hier, die als Mini-Bücherei dient. Foto: Rumpenhorst

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