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Region Nürnberg
Sonntag, 28. August 2016 33° 8

Zukunft

Ein Fahrplan gegen den Klimawandel

Die Stadt hat in einem Fahrplan 170 Ideen gesammelt, wie Nürnberg den Klimawandel bremsen – und die Folgen dämpfen kann. Auch die Bürger machen mit.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

  • In der Nürnberger Fußgängerzone wurden die Bürger über geplante Maßnahmen informiert. Fotos: Pelke
  • Peter Pluschke ist der Umweltreferent der Stadt Nürnberg. Foto: Pelke
  • Rolf Engelmann hat sein eigenes Schild mitgebracht. Foto: Pelke

Nürnberg.Die Stadt will vorbereitet sein, wenn der Klimawandel auch bei ihr an die Tür klopft. „Wir machen das Klima!“ heißt deshalb die Kampagne, mit der Nürnberg gewappnet sein will, wenn die Tage heißer und die Regengüsse heftiger werden sollen. Grundlage für die Klimastrategie in der Frankenmetropole soll der neue „Klimafahrplan 2010 bis 2015“ sein. „Wir wollen mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen dem Klimawandel begegnen“, sagt Umweltreferent Peter Pluschke bei der Vorstellung des Klimafahrplans am Mittwoch.

Vorschlag: Parkgebühren anheben

Insgesamt sind 170 Vorschläge erarbeitet worden, wie die Stadt einerseits den Klimawandel bremsen und sich andererseits dem veränderten Klima besser anpassen kann. Beispielsweise schlägt der Klimafahrplan vor, die Preise für den Öffentlichen Nahverkehr zu begrenzen. Auf der anderen Seite sollen die Parkgebühren angehoben werden. „Das Besondere an diesem Klimafahrplan 2010 bis 2050 der Stadt Nürnberg ist, dass er in zwölf Workshops entstanden ist“, erklärt Pluschke. Zahlreiche Experten aus den Bereichen Energie, Wirtschaft und Immobilien hätten an dem Maßnahmenkatalog mitgearbeitet. So wolle man sicherstellen, dass die Vorschläge auch in der Praxis umgesetzt werden können.

„Die klimapolitischen Ziele werden sich nur realisieren lassen, wenn es gelingt, den Energieverbrauch bis 2015 um rund 40 Prozent zu senken“, ist sich Pluschke sicher. Er sieht insbesondere in der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes den Schlüssel zur Energieeinsparung. „Wir wollen auch das Thema Fernwärme voranbringen“, kündigt Pluschke an. Derzeit seien nur 25 Prozent der Haushalte in Nürnberg an das Fernwärme-Netz angeschlossen. Ein massiver Ausbau der Fernwärme sei jedoch teuer und lasse sich deshalb kurzfristig kaum umsetzen. Pluschke plädiert deshalb für den Bau dezentraler Blockheizkraftwerke.

Freilich müsse auch noch der Stadtrat entscheiden, welche Projekte konkret umgesetzt werden sollen. „Ich stelle den Klimafahrplan am Nachmittag im Stadtrat vor“, kündigt Pluschke in der Fußgängerzone an, wo die Stadt auch die Bevölkerung auf den Klimawandel vorbereiten will. Bei der Aktion „Wir machen das Klima“ können sich Passanten als Klimabotschafter ablichten lassen. Bernd Scheuer macht gerne mit. Unter seinem Foto steht seine Botschaft: „Ich stecke mein ganzes Geld in erneuerbare Energien!“ Schon seit 17 Jahren investiere er in Sonnenenergie, um seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, erzählt er.

Rolf Engelmann hat extra ein Schild dabei, um für seine Art des Klimaschutzes zu werben. „Leute fahrt mehr Fahrrad!“, lautet seine Botschaft. Schließlich verursache der motorisierte Verkehr rund 30 Prozent der Treibhausgasemissionen. Pluschke hört gespannt zu und verrät, dass er sich persönlich sogar für eine City-Maut stark mache. „Leider ist der Oberbürgermeister da anderer Meinung“, gibt er zu. Aber immerhin spielten ihm die Maut-Pläne des Bundesverkehrsministers bei seinen City-Maut-Plänen in die Hände.

Überhaupt lohne ein Blick in die Welt. „In Stockholm gilt zum Beispiel im gesamten Stadtgebiet Tempo 30. In Kopenhagen kostet ein Parkticket 50 Euro die Nacht.“ Pluschke weiß, dass er mit solchen Vorschlägen in Nürnberg auf Granit beißen würde. „Veränderungen sind nicht einfach. Auch nicht beim Kampf gegen den Klimawandel, weil sich immer erst in den Köpfen etwas ändern muss“, ist sich Pluschke sicher.

Erfolg bei den Schiffen

Den Kopf in den Sand stecken will er aber trotzdem nicht. Schließlich könne er auch schon Erfolge vorweisen. So würden die rund 500 Kreuzfahrtschiffe, die jährlich in Nürnberg anlegen, ab 2015 mit Strom vom Land versorgt. „Dann müssen die Schiffe nicht mehr ihre stinkenden Stromaggregate die ganze Zeit laufen lassen“, freut sich Pluschke. Angst hat er freilich, dass der Vorschlag nach höheren Parkgebühren aus dem Klimafahrplan die Diskussion in die falsche Richtung lenke und den Blick auf das Gesamtpaket verstelle. Schließlich gelte es, dem Klimawandel mit tausend kleinen Maßnahmen zu begegnen.

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