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Region Nürnberg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Bahn

Einmal im Jahr wurde Krieg geprobt

Das Nürnberger DB-Museum lädt in einen geheimen Bunker ein. Am Wochenende dürfen Besucher die Bahn-Befehlsstelle besichtigen.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

  • Schlafplätze im Bunker –nicht gerade sehr romantisch. Fotos: Pelke
  • Museumsdirektor Oliver Götze
  • Die Umkleidekabine

NÜRNBERG.Geheimsache Bahnbunker: Bis nach dem Fall der Mauer durfte die Öffentlichkeit von dem Bunker unter dem Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg nichts wissen. Im Ernstfall hätten Offiziere der Bundeswehr hier das Sagen gehabt. Von den Telefonen in der abgeschotteten Kommandozentrale unter dem DB-Museum wäre im Kriegsfall der Bahnverkehr zwischen Bamberg und Regensburg gesteuert worden.

Hinter den schweren Türen im Bauch des Museums verstecken sich 28 Räume. „Von hier aus wäre im Ernstfall den Bahnverkehr in ganz Nordbayern kontrolliert worden“, erklärt Museumsdirektor Oliver Götze und zeigt auf die zahlreichen Telefone mit den Wählscheiben. In der Warnzentrale hängen alte Karten. Darauf sind alle Bahnstrecken in der Republik verzeichnet. Per Knopfdruck gibt es Direktleitungen in die Befehlsleitstellen von Aschaffenburg bis Augsburg. „Das ist ein echtes Relikt des Kalten Krieges. Das ist hier alles noch wie direkt nach der Wende“, schwärmt der Museumsdirektor und zeigt auf den Schreibtisch, auf dem alte Warnzettel für den Ernstfall bereit liegen. Die Zeit scheint in dem Bunker stehen geblieben zu sein.

Ursprünglich ist der Bunker bereits im Jahr 1938 für den Zweiten Weltkrieg gebaut worden. In den 70er Jahren ist die alte „Reichsbahn-Befehlsstelle“ für die Anforderungen des drohenden Nuklearkonfliktes zwischen den Ländern des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato und den sowjetischen Ostblockstaaten des Warschauer Paktes umgerüstet worden. „Danach bot der Bunker sogar Schutz gegen Angriffe mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen“, erklärt Götze. 65 Menschen hätten in den 28 Räumen arbeiten können. Im Zweischichtbetrieb hätten die Bahner im Bunker versucht, im Kriegsfall den Bahnverkehr über der Erde am Leben zu erhalten. Vom Nürnberger Bahnbunker hätten die Mitarbeiter nicht nur alle Fahrpläne und Züge kontrolliert. Aus der bombensicheren Bahnzentrale wären auch alle Bahnhöfe, Brücken und Gleise überwacht worden. Im Ernstfall hätte die Bundeswehr in den unterirdischen Katakomben des DB-Museums das Kommando übernommen. Schließlich lagen auch die großen Truppenübungsplätze in Hohenfels, Hammelburg, Grafenwöhr und Wildflecken in dem Zuständigkeitsbereich der alten Bahn-Befehlsstelle. Bis zuletzt ist in dem Bunker der Kriegsfall durchgespielt worden. Einmal im Jahr ist der „Dritte Weltkrieg“ im Nürnberger Bahnbunker geprobt worden. Die letzte Übung fand 1989 statt.

Bis vor wenigen Jahren ist der Bunker unter dem DB-Museum eine große Geheimsache gewesen. Sogar die Museumsdirektoren brauchten eine Erlaubnis vom Verkehrsministerium, um einen Fuß in den eigenen Bunker setzen zu dürfen. Bis zum Jahr 2005 blieb der Bunker unter militärischem Oberkommando. Heute gehört der Bunker zum Museum. Langfristig will das bekannte Eisenbahnmuseum seinen Besuchern die versteckten Bunkeranlagen verstärkt zugänglich machen. „Den Bunker wollen wir bewahren und demnächst verstärkt unseren Besuchern zugänglich machen“, betont Museumsdirektor Götze und verweist auf eine neue Dauerausstellung, die sich ab dem nächsten Jahr den beiden deutschen Eisenbahnen dies- und jenseits der Mauer widmen wird. „Die Nürnberger Befehlsleitstelle unter dem DB-Museum ist die einzig original erhaltene Bahn-Befehlsstelle in Deutschland“, freut sich Museumsdirektor Götze.

Derzeit können nur kleinere Gruppen nach vorheriger Anmeldung in den bizarren Kommandokeller. Im Ernstfall hätten die Menschen hier zwölf Tage überleben können.

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