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Region Nürnberg
Freitag, 19. Januar 2018 3

Gesundheit

Große Pläne – trotz Kostendruck

Am Klinikum Nürnberg werden in diesem Jahr zwei psychiatrische Tageskliniken eröffnet. Weitere Gebäude sollen folgen.
Von Katrin Böhm

Das Strategiekonzept „Klinikum 2034“ sieht viele neue Gebäude vor. Zumindest ein Bild von den ambitionierten Zukunftsplänen gibt es bereits. Foto: Böhm

Nürnberg.Das Klinikum Nürnberg kämpft gegen den steigenden Kostendruck – und will es sich dennoch nicht nehmen lassen, sich weiterzuentwickeln. Neue Gebäude, neue medizinische Verfahren, neue Einrichtungen – als „Maximalversorger“ sieht sich das Klinikum dazu geradezu in der Pflicht.

Auch wenn der Jahresabschluss 2015 bei einem Gesamtumsatz von 550 Millionen Euro voraussichtlich mit einem Minus im einstelligen Millionenbereich enden wird. Das Problem: Medizinische Notwendigkeit und eine vernünftige Krankenhausfinanzierung klaffen meilenweit auseinander – darauf wiesen in einem Pressegespräch im Vorfeld des Jahresempfangs am Mittwochnachmittag Dr. Alfred Estelmann, Vorstand des Klinikums, und Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Dr. Günter Niklewski hin.

Für einen wichtigen Aspekt in der Versorgung wurde im vergangenen Jahr Richtfest gefeiert – im Spätsommer 2016 sollen die Tageskliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie eröffnet werden. Auch der Erweiterungsbau des Herz-Kreislaufzentrums am Klinikum Süd soll dann an den Start gehen.

Spagat beim Personal

Investiert hat das Klinikum im vergangenen Jahr auch in die Sterilgutversorgung, hier wurden für eine Million Euro die Geräte erneuert – und Folgekosten kommen auch noch dazu. „Zusätzliche Sicherheit ist gut, aber sie hat auch ihren Preis“, so Estelmann. Auch das eigene Institut für Krankenhaushygiene oder Strahlenphysik seien Strukturmerkmale, „die andere gar nicht vorhalten“, die aber Geld kosten.

Um Kosten aufzufangen, müsse das Klinikum über „Leistungsverdichtung“ beim Personal nachdenken. Denn das Personal soll nach Wunsch des Klinikums auch gut bezahlt werden – damit sich weiterhin junge Leute für einen Beruf am Klinikum interessieren. Das wiederum bedeutet: Einerseits soll Zeit für die Patienten sein – im vergangenen Jahr waren es stationär gut 100 000 – , andererseits soll das Personal mehr Patienten versorgen.

„Man muss an solche Themen ran, das ist nicht nur ein Problem in unserem Haus“, so Estelmann. Das Klinikum gebe ohnehin fünf Millionen Euro mehr für Personal aus als es bezahlt bekomme. Andere Wege, Kosten einzusparen, wie etwa bei den Lieferanten, seien „leider schon ziemlich ausgelutscht“.

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten blickt das Klinikum nicht nur diesem, sondern auch den nächsten Jahren mit viel Engagement entgegen: Das Strategiekonzept „Klinikum 2034“ soll auch 2016 weiterentwickelt werden – derzeit sieht es viele neue bauliche Entwicklungen vor, mit einer ersten Grundsteinlegung rechnet man allerdings erst in zehn Jahren. Bis dahin soll mit allen Beteiligten am Masterplan gearbeitet werden.

Privatuniversität gehört zum Masterplan

Dazu gehört für den Ärztlichen Direktor auch die seit 2014 am Klinikum angesiedelte medizinische Privatuniversität Paracelsus, an der jährlich 50 Studienplätze besetzt werden. Dadurch komme das Klinikum an Leute heran, „die ganz nah an der Forschung dran sind“.

Das Klinikum und die Senioren

  • Wandel:

    Die Patienten im Klinikum werden immer älter – und bringen damit immer mehr alters-assoziierte Erkrankungen mit, häufig viele verschiedene, die theoretisch in vielen einzelnen Abteilungen behandelt werden müssten. Für das Klinikum bedeutet das praktisch: Es muss seine Struktur ändern, die Grenzen zwischen den einzelnen Abteilungen verwischen zusehends. Es wird auf Zuruf entschieden, wo ein Patient am besten aufgehoben ist. „Dass alle an einem Tisch sitzen, ist bei alten Menschen sehr wichtig“, sagt Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Dr. Günter Niklewski. „Manche Patienten kommen mit 18 verschiedenen Tabletten zu uns, die sich auch nicht unbedingt miteinander vertragen. Da müssen wir sehen, wie wir das optimieren. Wenn alte Menschen verwirrt sind, ist das nämlich oft nur eine Nebenwirkung einer Tablette.“ Das neue System habe das Klinikum alleine auf die Beine gestellt, „aber auch hier wird nicht gegenfinanziert“.

  • Neue Methode bei Schlaganfall:

    Dank einer neuen Methode kann bei derzeit gut zehn Prozent der Schlaganfall-Patienten das Gerinnsel in der Halsschlagader mit einem Katheter über die Leiste herausgezogen werden. Wenn alles gut läuft, bedeutet das für diese Patienten: keine Lähmung, keine Behinderung. „Die können fast am nächsten Tag nach Hause gehen“, so Niklewski. Da Schlaganfälle häufig nachts auftreten, muss die komplette Mannschaft, die für einen derartigen Eingriff nötig ist, 24 Stunden einsatzbereit sein. Das bedeutet: hohe Kosten.

  • Palliativmedizin:

    2015 wurde erweitert, derzeit gibt es 21 Plätze am Klinikum Nord. Das Klinikum Süd wird neuerdings über einen mobilen palliativ-medizinischen Dienst versorgt – das Personal kommt auf die Stationen und arbeitet in Bezug auf eine Verlegung eng mit den zwei Nürnberger Hospizen zusammen.

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