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Region Nürnberg
Freitag, 19. Januar 2018 5

Kulinarisch

„Gscheitgut“ geht auch ohne Schäuferle

Ein neues Kochbuch will beweisen, dass die fränkische Küche auch vegetarisch sein kann. Zudem gibt es mehr als nur Rezepte.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

Corinna Brauer mit dem neuesten Werk in der Reihe der „Gscheitgut“-Kochbücher Fotos: Michael Müller Verlag

Nürnberg.Franken ist Weltmeister. Hier gibt es gemessen an der Einwohnerzahl die meisten Bäckereien, Brauereien und Metzgereien auf der Welt. Damit dies so bleibt, hat Corinna Brauer die „Gscheitgut“-Kochbücher ins Leben gerufen. Die Idee hinter der Buchreihe ist so einfach. Wenn mehr Franken mehr wert auf regionale Produkte legen, können mehr Gasthäuser und Landwirte überleben und die Kulturlandschaft erhalten. Jetzt hat sich Brauer in einem neuen „Gscheitgut“-Kochbuch der vegetarischen Küche in der Fränkische Schweiz angenommen.

„Wir stellen in dem neuen Buch genau 16 Gasthöfe vor, die Vegetarier wirklich erst nehmen“, erklärt Corinna Brauer. Dabei gehe es Brauer nicht darum, das Volk der Schäuferle-Liebhaber und Bratwurst-Anbeter vom Fleischkonsum zu kurieren. „Wir erheben keinen Zeigefinger. Wir wollen zeigen, dass sich die Fränkische Schweiz kulinarisch öffnet“, sagt Brauer und erinnert daran, dass in Franken früher nur am Sonntag ein Braten auf den Tisch gekommen ist.

Fleisch kam selten auf den Tisch

„Die fränkische Küche kennt unglaublich viele Gemüserezepte und Mehlspeisen. Arme-Leute-Essen wie Käseauflauf, Gangene Klöß, Versoffene Jungfern oder Arme Ritter sind heute ein Genuss“, sagt die Herausgeberin der Kochbuchreihe.

Auch mit ihrem neuen Kochbuch will Brauer die fränkische Genussregion mit ihrer Vielfalt an kleinen Bierkellern, bürgerlichen Wirtshäusern und fleißigen Lebensmittelproduzenten stärken. Neben den Rezeptvorschlägen enthalten die „Gscheitgut“-Kochbücher deshalb Hintergrundreportagen über regionale Hersteller und Produzenten aus der Fränkischen Schweiz. Ihnen allen will Brauer damit mehr Kundschaft in die Arme treiben.

Weitere Infos zum Buch lesen Sie hier:

Weitere Infos zum Buch

  • Verlag:

    Die Reihe der „Gscheitgut“-Kochbücher erscheint im Erlangener Michael Müller Verlag.

  • Inhalt:

    Das Reise-Kochbuch enthält Hintergrundreportagen zu den typischen Produkten der Region, Einkehrtipps und Rezepte.

  • Daten:

    Das Buch kostet 24,90 Euro, Seiten 357, ISBN-13: 9783956545535

  • Internet:

    www.gscheitgut.de

„Diesmal sind wir im fränkischen Käseparadies in Ebermannstadt, wo der in Frankreich leider besser als in Franken bekannte CréMonté-Blauschimmelkäse hergestellt wird. Außerdem zeigen wir, wie ein Bio-Gemüsebauer mit dem Anbau der Süßholz-Wurzel sogar Starköche wie Alexander Herrmann begeistert“, erzählt Brauer.

Star des Kochbuches sind freilich die rund 150 Rezepte, die in großen Bildern verführerisch präsentiert werden. Auf den farbigen Fotos wirken Kreationen wie „Gedünsteter Fenchel in Röstzwiebelcreme“ von Manfred Kuscher vom „Gwexhaus“ wie Kunstwerke. Auch die „Rotkohlsuppe mit Zimt-Grissini“ von Marcus Müller vom Landgasthof Lahner in Veilbronn dürfte Genießer von den Socken hauen.

Es gibt Tipps zum Nachkochen

Neben den Zutaten verraten die Köche obendrein Küchengeheimnisse und geben wertvolle Profi-Tipps, damit das Nachkochen nach dem ein oder anderen Versuch daheim gelingt. Selbst versierte Hobby-Köche dürften sich allerdings anstrengen müssen, um aufwendige Gerichte wie „Wirsing-Cannelloni“ auf Anhieb so schön wie im Hotelgasthof „Alter Brunnen“ in Marloffstein hinzubekommen.

Bei den „Gscheitgut“-Kochbüchern geht es um mehr als den puren Genuss und die reinen Gaumenfreuden. „Wenn die Franken beim Essengehen weiterhin zu geizig sind, wird die fränkische Wirtshauskultur aussterben“, warnt Corinna Brauer. „Vielen guten Gasthöfen geht es nicht gut in der Fränkischen Schweiz.“ Wirte kämpften mit dem Brandschutz, Köche beklagten den Personalmangel. „Alle sind am Limit.“ Der Ausweg liegt für Brauer in regionalen Produkten und der damit erhofften Stärkung der regionalen Wertschöpfungskette.

Brauer freut sich auch, dass die Gastwirte ihre Idee tatsächlich unterstützen und die Rezepte nicht nur als Gag für das Kochbuch kreiert haben. Sogar Brauerei-Gasthöfe, die einst auf dem Fleischwurst-Äquator daheim waren, hätten mitgemacht. „In diesem Sommer ist das Sellerieschnitzel mit Birnen-Chutney im Brauerei-Gasthof Hartmann in Würgau laut Aussage der Wirtsleute der Renner gewesen“, freut sich Brauer, der ein Kochbuch gelungen ist, das zum Nachkochen und zum Nachdenken einlädt.

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