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Region Nürnberg
Samstag, 29. April 2017 6

Kino

Hier rücken die Kulturen zusammen

Das türkisch-deutsche Filmfestival findet in Nürnberg zum 22. Mal statt. Jürgen Jürges und Ara Güler erhalten den Ehrenpreis.

Präsident der Jury im Wettbewerb Spielfilme ist der Filmemacher, Autor und Hochschullehrer Edgar Reitz. Foto: Karmann

Nürnberg.Das Filmfestival Türkei – Deutschland ehrt bei der 22. Auflage von 4. bis 12. März zwei herausragende Künstler, die mit ihrem künstlerischen Schaffen die visuelle Ästhetik der internationalen Foto-Kinokunst über mehrere Generationen hinweg nachhaltig beeinflusst haben.

Ara Güler erhält den Ehrenpreis des Festivals für seine tragende Rolle in der Internationalisierung des Kunstverständnisses der Türkei nach den 50er Jahren. Seine individuelle Perspektive, in der immer wieder der Mensch in den Mittelpunkt rückt, seine Kunst in der Darstellung von Menschen aus aller Welt, als ob sie unsere Nachbarn wären, „ebnete nicht nur den türkischen Kinokünstlern den Weg zu einem Selbstverständnis der Internationalität und Interkulturalität“, heißt es in einer Pressemitteilung. Güler sei die Referenz der visuellen Ästhetik der kulturellen Brücken, des Humanismus und der Individualität. „Die bildhafte Intensität vieler uns bekannter Kino-Werke haben wir seinem Lebenswerk, der „école Ara Güler“, zu verdanken.“

Garant von sensibler Qualität in Bild, Licht, Raum und Perspektive

Jürgen Jürges erhält den Ehrenpreis des Festivals für seine „ganz außerordentliche cinéastische Kontinuität“ und sein Engagement im türkischen Kino in Zusammenarbeit mit den renommierten Regisseuren des Landes.

Nicht nur für die türkischen Regisseure sei er stets der Garant von sensibler Qualität in Bild, Licht, Raum und Perspektive gewesen. Mit seiner Souveränität in der Kameraarbeit, die in Hollywood richtigerweise mit „Director of Photography“ respektiert werde, sei er die ideale Hand und das Auge seiner Regisseure gewesen. „Er trug wesentlich bei zur Vermittlung des deutschen Films in der internationalen Kinowelt.“ In der Türkei habe der Begriff „Made in Germany“ seinen Einzug ins türkische Kino erst mit Jürgen Jürges gehalten. „Auf seine einfühlsame Kameraarbeit, die stets mit dem höchsten Anspruch an visuelle Qualität verbunden ist – ob im deutschen oder türkischen Film – war und ist immer Verlass.“ Jürgen Jürges und Ara Güler werden ihre Preise bei der Eröffnungsveranstaltung am 4. März persönlich entgegennehmen.

Bei dem Festival werden in der Kategorie Spielfilme der beste Film, die beste Darstellerin und der beste Darsteller prämiert, in der Kategorie Kurzfilme werden drei Plätze vergeben. Außerdem gibt es den Publikumspreis und den Öngören Preis für Demokratie und Menschenrechte.

Mahmut Tali Öngören (1931 bis 1999) war Journalist, Drehbuchautor und Mitbegründer des türkischen staatlichen Fernsehens TRT. Neben dem Film hatte er sich den Menschenrechten verschrieben: So war er Mitbegründer der ersten Kinemathek der Türkei, des Internationalen Filmfestivals Ankara, des Menschenrechtsvereins, der Menschenrechtsstiftung und der Türkischen Menschenrechtsorganisation TIHAK. Der mit 1000 Euro dotierte Preis wird an einen Regisseur verliehen.

Jury-Präsident ist Edgar Reitz

Präsident der Jury im Wettbewerb Spielfilme des Festivals ist der Filmemacher, Autor und Hochschullehrer Edgar Reitz. Zu seinen wichtigsten Filmen zählen: Cardillac, Die Reise nach Wien, Der Schneider von Ulm und die weltbekannte Heimat-Trilogie, die sich aus 31 abendfüllenden Einzelfilmen zu einem Jahrhundert-Epos zusammensetzt und mit über 54 Stunden Spieldauer zu den umfangreichsten erzählerischen Filmwerken der Filmgeschichte zählt. 2006 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Die Jury für den Kurzfilm-Wettbewerb leitet Tevfik Baser. Der Filmemacher, Fotograf und Hochschullehrer studierte unter anderem in Hamburg. Filme von ihm wurden in Cannes und auf der Berlinale gezeigt. Sein Drehbuch „Zeit der Wünsche“ erhielt den Adolf Grimme Preis. Seit 2003 lehrt er an der Kadir Has Universität.

Das Festival wird am 4. März um 19 Uhr in der Nürnberger Tafelhalle eröffnet mit den Filmen „Das Ende eines Helden“ von Ara Güler und „Ara Güler – Eine Istanbuler Legende von Osman Okkan“. Am 6. März beginnt um 19.45 Uhr eine Podiumsdiskussion im Festsaal zum NSU-Prozess. Die Preise werden am 11. März verliehen. Restkarten für den Eröffnungsabend sind noch erhältlich unter Tel. (09 11) 2 31-4000.

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Die Preisträger

  • Jürgen Jürges:

    Er wurde am 12. Dezember 1940 in Hannover geboren, machte eine Diplom-Ausbildung an einer Fotofachschule in Berlin und war bis 1963 Kameravolontär bei der „art film GmbH“ des Regisseurs Hans-Jürgen Pohland. Danach war er Kameraassistent, ab 1970 arbeitete er als Chefkameramann für etliche Dokumentar-, vor allem aber Spielfilme. Er gewann mehrere deutsche Filmpreise und weitere Auszeichnungen für seine Kameraarbeiten, zuletzt im März 2016 den „16. Marburger Kamerapreis für herausragende Bildgestaltung im Film“.

  • Ara Güler:

    Der Sohn einer armenischen Apothekerfamilie wurde 1928 in Istanbul geboren. Seit Kindheitstagen ist er vom Kino fasziniert. Seine Karriere als Fotojournalist begann 1950 bei der Zeitung „Yeni Istanbul“. Danach arbeitete er als Nahostkorrespondent für internationale Magazine wie „Time Life“ oder „Stern“ und wurde Mitglied der Agentur „Magnum Photos“. Prominente wie Alfred Hitchcock, Maria Callas, Indira Gandhi, Pablo Picasso oder Salvador Dali gehörten zu seiner Klientel. Aber seine große Liebe galt immer der Metropole und den Menschen am Bosporus.

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