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Region Nürnberg
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Wirtschaft

Kleine Rösterei will wachsen

Die Rösttrommel hat einen Branchenpreis erhalten. Oberste Priorität hat für die Kaffeeliebhaber nun die Standortsuche.
von Thomas Tijang

Matthias Heyder ist einer der vier Geschäftsführer der Rösttrommel. 2010 wurde das Unternehmen gegründet. Foto: Tijang

Nürnberg.Ist von einzelnen Terroirs und Varietäten die Rede, gilt der erste Gedanke zunächst dem Wein. Tatsächlich ist, wie bei der Nürnberger Kaffeerösterei Rösttrommel, zunehmend von Anbaugebieten für Kaffeebohnen die Rede. Seit Jahren wächst bundesweit die Zahl kleiner Röstereien auf derzeit etwa 600. In Mittelfranken dürften es bereits etwa 20 sein. Sie haben sich auf individuelle gegenüber der Industrie deutlich langsamere Röstverfahren spezialisiert. Außerdem versuchen sie, Kaffee- und Espressobohnen zu rösten, die statt auf Kontinuität auf Individualität setzen. „Unsere Produkte sind handgemachte Naturprodukte“, erklärt Geschäftsführer Matthias Heyder.

Auszeichnung für Rösterei

Dafür wurde das Unternehmen vom Branchenmagazin Crema zum „Röster des Jahres 2017“ gekürt. Das habe im Wesentlichen dem Image gutgetan, freut sich Heyder. Gerade Firmenkunden, die für rund 40 Prozent des Geschäfts sorgen, würden sich in ihrer Entscheidung bestätigt sehen.

Ein großer Unterschied zu den Röstverfahren der Branchenriesen: Die rösten mit bis zu 500 Grad und sind in maximal drei Minuten fertig, sagt Heyder. Der 45-Kilo-Röster der Rösttrommel, dem man im Cafebetrieb Auf AEG im Betrieb zuschauen kann, arbeitet bei 200 Grad und lässt sich fast eine halbe Stunde Zeit.

Die Nürnberger Rösttrommel wurde 2010 von Stefan Schwarz und Michael Heyder in der Äußeren Laufer Gasse gegründet. Ein halbes Jahr später stieß Bruder Matthias hinzu. Die mittlerweile vier Geschäftsführer beschäftigen aktuell 40 Mitarbeiter, davon die Hälfte in Teilzeit. Mittlerweile gibt es drei Rösttrommel-Cafes, zwei in Nürnberg und eines in Erlangen.

Kleinsternten werden verarbeitet
Das Sortiment ist einem ständigen Wechsel unterzogen. Das Kernprogramm an Espressobohnen umfasst nur bis zu acht verschiedene Sorten. Dazu kommen weitere Röstungen, die oft nur für ein paar Monate zu bekommen sind. Hierbei handelt es sich um sogenannte Microlots, also saisonale Kleinsternten, die über die spezialisierten Kaffeebörsen in Hamburg, Amsterdam oder London eingekauft werden. Die kleinen Ernten lassen sich bis zur Kaffeeplantage in Afrika, Südamerika oder Indien zurückverfolgen. Heyder lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Lust und Entdeckungsfreude an Spezialitäten nach wie vor der größte Antrieb der Kaffeefreaks ist.

„Unser Sortiment funktioniert über Qualität“, sagt Heyder etwa mit Blick auf die seltenen Kaffee-Perlbohnen aus Tansania oder die Varietät Catuai von der Farm „Cerro de Jesus“, die auf dem höchsten Berg der Region Jalapa in Nicaragua Kaffee anbaut wird. So lasse sich die „Vielfalt entdecken, die Kaffee bieten kann“. Ohne Chemie gewachsen, von Hand gepflückt, aufwändiger eingekauft und später per Hand geröstet – das habe seinen Preis. Der günstigste Rösttrommel-Preis für ein Kilo beginnt bei 23 Euro, der Premiumbereich liegt bei 40 Euro bis 50 Euro.

In dieser Qualitätsklasse brauche es laut Heyder keine Sozialsiegel. Die Farmer und Kooperativen würden von sich aus in diesem Segment auf einen nachhaltigen oder gar ökologischen Anbau mit untypisch hohen Sozialstandards sorgen. Allerdings hat sich die Rösttrommel in diesem Jahr für den Biomarkt zertifizieren lassen.

Pro Jahr werden gut 55 Tonnen bis 60 Tonnen Spezialitäten-Kaffeeernten aus der ganzen Welt geröstet, mit steigender Tendenz. Der Umsatz wird in diesem Jahr um acht Prozent auf 1,8 Millionen Euro steigen, so Heyder.

Das nächste Großprojekt ist ein neuer Standort. Bislang verlief die Suche ergebnislos, trotzdem will die Rösttrommel bis 2019 die neuen Flächen in Betrieb nehmen. Denn Auf AEG ist der Platz zum Lagern, Rösten, Verpacken und Versenden in Mehrwegbehältern zu knapp geworden. Gerade vor Weihnachten greifen gern auch Firmen auf ein regionales Produkt zurück. Dazu kommen diverse Kaffee- und Barista-Seminare. Deshalb platze man Auf AEG aus allen Nähten.

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