mz_logo

Region Nürnberg
Sonntag, 19. November 2017 3

Sportevent

Marathon in der guten Stube

Beim „Indoor Marathon“ in der Landesgewerbeanstalt in Nürnberg liefen rund 350 Teilnehmer über endlose Flure und Gänge.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

  • 55 Runden haben die Läufer im Gebäude der Landesgewerbeanstalt zu bewältigen. Fotos: Pelke
  • Moderator Markus Othmer feuert die Läufer an.
  • Katja und Hanna vom Sportverein des Klinikums Nürnberg haben ihre Runden schon hinter sich.

Nürnberg.Hier werden Matratzen auf ihre Sprungkraft geprüft, dort werden Beine auf ihre Ausdauerkraft getestet. Beim „13. Indoor Marathon“ sind am Sonntag rund 350 Läufer durch die heiligen Fluren und endlosen Gänge der Landesgewerbeanstalt im Schatten des Fernsehturmes in Nürnberg gerannt. Nicht alle haben die volle Distanz am Ende geschafft. Eine Goldmedaille haben trotzdem alle bekommen. Der olympische Gedanke steht bei dieser einzigartigen Laufveranstaltung im Vordergrund.

Der Regen bleibt draußen

Heidi Teumer hat für jeden Teilnehmer eine Goldmedaille.

Schmuddelwetter draußen, Sambaparty drinnen: Beim „13. Indoor Marathon“ in Nürnberg spielt das Wetter keine Rolle. Die Gaudi spielt dafür eindeutig die erste Geige. Mit ihren Trommeln sorgt die Sambagruppe „Ritmo Candela“ für Partystimmung. Gleichzeitig peitscht der Rhythmus die Teilnehmer in den kurzen Hosen nach vorne. Die sportliche Herausforderung hat es in sich. Ab 11 Uhr sind die Athleten auf der klassischen Marathondistanz unterwegs. Zurückgelegt werden müssen genau 42,195 Kilometer. Gerannt wird nicht von der griechischen Hafenstadt nach Athen. Beim „Nürnberger Indoor Marathon“ müssen die Teilnehmer immer im Kreis durch die Gänge des Prüfzentrums vom TÜV Rheinland in der Tillystraße rennen.

Der Parcours hat es trotzdem in sich. „Unser Gebäude ist so groß wie das ,Empire State Building`. Allerdings liegt unser ,Empire State Building` in Nürnberg auf der Seite und wächst nicht in den Himmel“, sagt TÜV-Mitarbeiterin Heidi Teumer stolz und verweist auf bis zu 350 Meter lange Gänge und Flure. Sogar eine kleine Treppe müssten die Läufer insgesamt 55 Mal erklimmen. Am Ende des schweißtreibenden Sonntages werden sie beim Treppenrennen allein auf diese Weise über 450 Höhenmeter bezwungen haben.

Alle packen mit an

„Unser Kollege Thomas hatte vor 13 Jahren die Idee zu diesem Marathon gehabt. Seitdem helfen die Mitarbeiter jedes Jahr mit, dass alles klappt und wie am Schnürchen funktioniert“, erzählt Teumer und zeigt auf einen großen Korb, in dem unzählige Medaillen golden glänzen. „Bei uns bekommt jeder Teilnehmer eine Goldmedaille“, sagt Teumer und strahlt.

Nebenan kommentiert der bekannte Sportmoderator Markus Othmer das Treiben. „Hier kommt ein Mitfavorit auf den Titel“, ruft Othmer durchs Mikrofon während Marcel Staudacher mit der Startnummer 5 an der Start- und Ziellinie vorbeiläuft. Staudacher ist für das Klinikum Nürnberg am Start. Häufig ist der Läufer aus Nürnberg schon auf dem Treppchen des „Indoor Marathons“ gestanden. Sogar für ganz oben hat es für ihn schon gereicht. Auch in diesem Jahr liegt der Nürnberger nach 13 Runden in aussichtsreicher Position auf Platz 3.

Ein Video vom „13. Indoor Marathon“ finden Sie hier:

Einen Augenblick später klatscht Othmer den Läufer mit der Nummer 77 ab. „Das ist Friedrich Hinkel, mit 77 Jahren heute unser ältester Teilnehmer im Feld“, sagt Othmer voller Anerkennung und die vielen Zuschauer am trockenen Streckenrand jubeln. Derweil stärken sich Hanna und Katja mit einem isotonischen Sportgetränk an der Marathonbar. „Wir haben unsere sieben Runden schon hinter uns. Wir trainieren für unseren Silvesterlauf, den wir vom Verein des Klinikums Nürnberg heuer wieder veranstalten.“ Dann taucht Marcel Staudacher wieder auf. Aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht reißt sich der Mitfavorit plötzlich frustriert die Startnummer von der Brust. „Der Oberschenkel zwickt, ich steige aus“, sagt Staudacher und lässt sich von Sportfan Othmer trösten.

Spaß steht im Vordergrund

Angelas Marathonteam geht in der Staffel an den Start.

Derweil bereitet sich Peter Weber auf seinen Einsatz noch vor. „Ich habe mit 40 Jahren mit dem Laufen angefangen“, sagt Weber und dehnt sanft seine durchtrainierten Muskeln. „Jetzt bin ich 56 und habe schon 17 Marathons hinter mir“, freut sich der Nürnberger, der noch keinen „Indoor Marathon“ verpasst hat. „Die Atmosphäre ist einzigartig. Die Zuschauer stehen direkt an der Strecke. Die Sambaband trommelt und feuert dich an.“ Nur bei den Treppenstufen dürfe man nicht aus dem Tritt kommen.

Auf Rekorde habe er es heuer freilich nicht abgesehen. „Wir laufen in der Staffel. Bei uns steht heuer vor allem die Gaudi im Vordergrund“, sagt Weber und rückt sein Trikot im Lederhosen-Look zurecht. Dann muss er los. Sieben Runden muss er schaffen. Rauf und runter durch die endlosen Fluren des gigantischen Prüfzentrums. Am Ende wird auch er erschöpft aber glücklich mit einer um den Hals baumelnden Goldmedaille wieder nach Hause gehen.

Gut zu wissen

  • Idee:

    Vor 13 Jahren hatte ein Mitarbeiter der Landesgewerbeanstalt (LGA) in Nürnberg die Idee zu dieser besonderen Sportveranstaltung in dem riesigen Industriegebäude.

  • Strecke:

    Die 42,195 Kilometer gehen vorbei an Spielzeug- oder Möbelprüfungen. Sogar ein kleines Treppenhaus müssen die Teilnehmer pro Runde überwinden. Insgesamt müssen bei dem Rundparcours für die gesamte Distanz genau 55 Runden überwunden werden.

  • Teilnehmer:

    Beim „13. Indoor Marathon“ sind am Sonntag rund 120 Einzelläufer und über 30 Staffeln an den Start gegangen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht