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Region Nürnberg
Freitag, 24. November 2017 10° 4

Tiergarten

Mobiltelefone bedrohen die Gorillas

Die Gier nach Rohstoffen zerstört Lebensraum. Der Nürnberger Zoo will bei seinem Sommerfest darauf aufmerksam machen.
Von Katrin Böhm

Zoopädagoge Dienemann hat seine schon dabei – Besucher sollen ihre ausrangierten Handys auch mitbringen. Aus ihnen kann Coltan recycelt werden – so wird der Lebensraum der Gorillas geschützt.. Foto: Böhm

Nürnberg.Es passiert nicht rund um die Uhr, aber es ist ein Problem: Zoobesucher werfen ihren Müll achtlos weg. Ein Pinguin im Tiergarten starb, weil ein Gast eine Kippe ins Gehege geworfen und das Tier den Zigarettenstummel gefressen hatte. Einem Tiger musste per Blasrohr ein Brechmittel injiziert werden, weil er ein Kuscheltier verspeist hatte, das ihm jemand zugeworfen hatte. Auch außerhalb der Zoomauern ist das Verhalten der Menschen ein Problem – immer wieder landen Plastik oder sonstige Abfälle auf den Wiesen des Tiergartens und gelangen so ins Futter. Eine Katastrophe für die Tiere.

Vorfälle wie diese sind mit ein Grund dafür, dass das Sommerfest des Tiergartens am Sonntag ab 10 Uhr (die meisten Aktionen enden um 14 oder 15 Uhr) unter dem Titel „Perspektivenwechsel – der Natur zuliebe“ steht. Es geht aber nicht nur um Müll und Müllvermeidung, sondern auch um Rohstoffe – und die Bedrohung von Tieren dadurch, dass Menschen diese ohne Rücksicht auf Verluste abbauen. Beispiel Coltan.

Fell von Löwen und Tigern streicheln

Für Handys etwa werden Titan und Cobalt benötigt, sagt Zoopädagoge Christian Dienemann – und das wird aus Coltan gewonnen. Coltan wird vor allem im Kongo abgebaut – hier leben Gorillas. Durch den – häufig nicht legalen – Abbau von Coltan wird ihr Lebensraum zerstört. Der Tiergarten will am Sonntag einen Beitrag leisten, Rohstoffe zu sammeln: Besucher sollen ihre alten Handys mitbringen und beim Affenhaus abgeben, damit aus diesen das Coltan recycelt werden kann.

Eine besondere Aktion ist in diesem Jahr dem Fell von Tieren gewidmet – auf der Raubtierwiese können Besucher von 11 bis 15 Uhr Felle von Tigern, Löwen oder Luchsen streicheln und vergleichen – die Felle stammen von verstorbenen Zootieren.

Natürlich gibt es auch klassische Sommerfest-Aktionen: Bei der Freilichtbühne haben die NaturFreunde Bayern eine Kletterwand aufgestellt, das Tucherland ist mit einer Hüpfburg zu Gast. Am Naturerlebnisgarten können kleine und große Besucher Schafe füttern und im Bionicum und im Naturkundehaus wird gebastelt – zum einen Spielzeug für die Zootiere, zum anderen Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten aus Bambusrohren.

Die, so verrät Dienemann, sind bei Ohrwürmern besonders beliebt. Besuchern, denen vor den kleinen Tierchen graust, rät er zum Perspektivenwechsel: „Die sind super – denn sie sind richtige Blattlausvernichter.“

Viele Souvenirs sind verboten

Und auch Kinder lassen sich schnell für die Tierchen gewinnen – sie können an den Zangen ganz schnell unterscheiden, ob ihnen ein Männchen (gebogene Zange) oder ein Weibchen (kurze, gerade Zange) vor die Füße krabbelt.

Passend zur Urlaubszeit ist auch das Zollamt Nürnberg vor Ort – es informiert am Alten Flusspferdhaus über verbotene Souvenirs. Am selben Ort können sich Besucher auch über die Problematik von Mikroplastik im Meer schlau machen und beim LBV aus Tetrapaks Geldbeutel basteln.

Am alten Delfinarium wird ohne Kunststoff gebastelt und daneben kann beim Aktionsstand der Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Müll gefischt werden.

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Benefiz-Konzert im Tiergarten

  • Lagune:

    Zum zweiten Mal gibt das „Martina Eisenreich Quartett“ ein Benefizkonzert in der Delfinlagune im Tiergarten – und zwar heute um 20 Uhr. Unter dem Motto „Wohlklänge für den Artenschutz“ gestalten die Musiker ein Konzert mit Schlagwerk, Violine, Gitarre und Kontrabass. Das „Martina Eisenreich Quartett“ ist bekannt für frische, unvermittelte Spielfreude, virtuose Leichtigkeit und Klangvielfalt.

  • Erlös:

    Die Einnahmen kommen der Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha zu Gute. Mit dem Erlös finanziert die Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha den Schutz bedrohter Tierarten. Der Auftritt des „Martina Eisenreich Quartetts“ ist zugleich das Eröffnungskonzert der Yaqu Pacha-Artenschutztage im Tiergarten.

  • Eintritt:

    Tickets für das Konzert kosten 20, ermäßigt 12 Euro .

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