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Region Nürnberg
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Multimedia

Nürnberg ist mit Web Week voll digital

Bis Montag dreht sich in der Frankenmetropole noch alles um die Trends, Chancen und Innovationen der digitalen Welt.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

Sie setzen auf digitale Leuchtturmprojekte aus der Region oder für die Region (v.l.): Sponsor Michael Oschmann von der Firma Sellwerk, Organisator Ingo Di Bella und Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas. Foto: ntt

Nürnberg.Die vierte Nürnberg Web Week ist „ein Leuchtturm“, ist sich Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas sicher. „Sie bringt StartUps und die Gründerszene zum Leuchten.“ Wer sich mit dem Thema beschäftigt, müsse nicht nach Berlin, dem Mekka für Internetfirmen, fahren. Nürnberg ist „nach dem Strukturwandel“, dem Niedergang einstiger Großfirmen, wie Grundig, AEG oder Triumpf Adler, gut aufgestellt. „Knapp zehn Prozent der Beschäftigten arbeiten heute hier im IT- und Kommunikationssektor.“

Bis zum Montag sollen die vielen kleinen und großen Unternehmen und Initiativen „sichtbar gemacht und vernetzt werden“. Gerade in Jungunternehmen sieht Fraas auch „Innovationstreiber mit kreativen Köpfen und Querköpfen mit schrägen Ideen“. Die schmeißen Ideen, die heute noch als normal gelten, über den Haufen. „Von manch kleinem Betrieb können große Unternehmen lernen.“ Erinnert sei in diesem Zusammenhang, dass die Smartphone-Welle ausgelöst vom iPhone noch keine zehn Jahre alt ist.

Programmieren für Kinder

Michael Oschmann, Chef des Nürnberger Vertriebsdienstleisters Sellwerk, und zugleich Miteigentümer der Nürnberger Gelbe Seiten-Gruppe Müller Medien, will etwa das „traditionelle Geschäft mit neuen Medien verknüpfen“. Für seine Kunden hole er die Anwendungsmöglichkeiten „von Google und Facebook in die Region“.

Organisator Ingo Di Bella sieht einerseits die Unternehmen „in der Pflicht“, zu Veranstaltungen rund um die Möglichkeiten von Social-Media-Diensten wie Facebook, WhatsApp & Co. zu besuchen. „Eine eigene Website ist old school“, die müsse heute quasi jeder Betrieb, vom kleinen Laden um die Ecke bis zum großen Konzern, haben. Gleiches gilt für ihn für die Themenangebote zu Applikation für Smartphone oder Tablet. Viele solcher App-Entwickler sind dabei und zeigen was möglich ist.

Aber auch für Endverbraucher ist die Web Week ein Thema. Für Kinder gab es bereits einen Kurs, spielerisch Programmieren zu lernen. Das zeigt, wohin die Reise geht. Di Bella ist sich sicher, dass der Trend, „immer online und erreichbar zu sein, immer mehr zum Standard wird“. Das Thema werde alle Generationen durchdringen, auch wenn Jugendliche ihre Online-Präsenz anders als ihre Eltern oder Großeltern nutzen: „Das Smartphone ist die Luft zum Atmen.“

Auch die Grenzen, welche Daten Verbraucher im Netz freigeben, werden immer weiter. Dafür wird auf der Web Week der Aspekt des „Verfallsdatums für Daten im Netz“ diskutiert. Das Fotoportal Snapchat, das Bilder nur für begrenzte Zeit online verfügbar hält und dann aus dem Netz nimmt – wenn gleich auch nicht komplett löscht – zeigt einen möglichen Weg. Aus den USA ist bekannt, dass selbst ein öffentliches Portal über persönliche Geschlechtskrankheiten mittlerweile alles andere als ein Tabuthema ist.

Wer regionale Leuchttürme der digitalen Welt sucht, dem fallen zunächst Firmen wie das Reiseportal Hotel.de, das Immobilienportal Immowelt.de oder das Netzwerk StayFriends.de ein. Gründermanager Dr. Carsten Rudolph vom Netzwerk BayStartUp kann aber die Frage nach einem fränkischen SAP oder Facebook nicht mehr hören: „SAP ist auch fast 50 Jahre alt und hat Jahrzehnte gebraucht, um zur weltweiten Marke zu werden.“

Online-Bestellungen im Laden

Auf der Web Week-Abendveranstaltung mit StartUps aus ganz Nordbayern ist ihm etwa Infinia Retail aufgefallen. Deren Software bringt Kassensystem und Warenwirtschaftssystem kleinerer Händler auf ein Tablet. „Ich halte das für genial“, schwärmt Rudolph. Denn ist ein Produkt etwa in passender Größe oder Farbe nicht mehr im Laden, kann der Verkäufer einfach im Lager oder anderen Standorten nachschauen. Der Kunde muss aber nicht noch einmal ins Internet zum Bestellen, sondern kann gleich vor Ort ordern. So kann man erstmals „Online-Bestellungen im Laden bar bezahlen oder umgekehrt Waren im Laden per Paypal begleichen.“

Vielversprechend ist auch das Zentrale Fundbüro als Online-Angebot der gleichnamigen Firma. Oder das Social Media Angebot von Dress and Friends, eine Art Facebook für Modefans. Das Unternehmen Sunhill Technologies aus Bubenreuth bei Erlangen, das das Bezahlen an der Parkuhr per App ermöglicht, wurde im letzten Jahr immerhin für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft.

Auch Rudolph hofft, dass sich mehr Unternehmen die Ideen der Jungunternehmen anschauen. „Es gibt an vielen Stellen viel Potenzial.“ Und für viele Nürnberger Betriebe „könnte und kann es sich lohnen“, bei einem ausgefallenen Konzept mit einzusteigen. Rudolph erinnert an den amerikanischen Konzern Microsoft mit seinem allgegenwärtigen Officepaket. Auch die haben sich PowerPoint und Excel durch Übernahme gesichert.

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