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Region Nürnberg
Sonntag, 28. August 2016 33° 1

Handel

Schirm und Zementsack werden zu Taschen

Meike Schüßler verkauft in ihrem Laden in Nürnberg nur Selbstgemachtes – und vermietet auch Platz in ihren Regalen.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

Meike Schüßler erklärt einer Kundin, dass die Umhängetasche aus alten Betonsäcken hergestellt wurde.

Nürnberg.Der kleine Laden in der Nürnberger Weststadt „Ich war einmal“ liegt etwas versteckt, so dass man bei einem Stadtbummel kaum auf ihn aufmerksam wird. Allerdings findet man unter der Überschrift „Handgemacht und Upcycling“ außergewöhnliche und kreative Taschen, Kinderkleidung oder Deko-Artikel.

Das kleine Geschäft hat Meike Schüßler im vergangenen Herbst eröffnet. Auf die Frage nach dem Warum lacht sie nur und entgegnet: „Warum nicht?“. Die zweifache Mutter wollte nach dem letzten Mutterschutz „einfach etwas anderes machen“.

Aus alt mach neu: Das geht auch mit alten Hemden, die als Kissen ein neues Leben vor sich haben. Foto: Tjiang

Anders ist ihr Sortiment allemal. Etwa die ausrangierte Bambusschale, die sie rundherum mit Comic-Seiten beklebt und hinterher lackiert hat. Oder die dünnen Einkaufstaschen aus dem Stoff ausgedienter Regenschirme. Schwimmflügel, einstige Zementsäcke oder Fischfutterbeutel, die nun ebenfalls als Taschen eine neue Lebenszeit vor sich haben. „Ich finde es toll, wenn jemand etwas selber macht.“ Scheinbar ausgediente Alltagsgegenstände werden umgearbeitet und mit neuer Funktion brauchbar – Upcycling statt Wegwerfen oder Recycling.

„Ich schmeiße nicht gern etwas weg“, sagt Schüßler. Sie hat den 16 Quadratmeter großen Laden von ihrem Mann übernommen, der dort einst IT-Services angeboten hatte. Aber sie stellt gleich klar: „Ich bin kein Messi, der unkontrolliert ausrangierte Gegenstände hortet“. Die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau hat aber viele Ideen im Kopf. Aus billigen Plüschtieren, die ihre Schuldigkeit getan haben, baut sie eine Kindergarderobe. Alte Holzbalken und weggeworfene Haken findet man überall.

Kleiderbügel zu vermieten

Massenware bekommt in ihrem Laden hingegen keinen Platz – auch wenn ab und an mal ein Vertreter ihr entsprechende Angebote macht. Dafür vermietet sie gegen eine kleine Monatsgebühr Regalfächer oder Ausstellungsfläche an Kleiderbügel oder im alten Küchenbuffet.

Gut 35 andere Kreative bringen sich so in „Ich war einmal“ ein. Etwa mit dreistöckigen Etagèren aus zusammengestückelten Kaffeetassen und Untertassen sowie Tellern. Oder Ketten, deren runde Elemente aus alten Tetrapacks ausgestanzt wurden. Aus alten Märchenschallplatten sind Schalen entstanden. Aber auch Naturseifen oder Badezusätze aus heimischer Herstellung lassen sich dort entdecken.

Daheim bei Schüßlers wird von Haus aus „fast alles repariert“. Ihre Leidenschaft gilt dabei dem Nähen, auch wenn sie sich nicht festlegen will, worauf sie Lust habe. Auch wenn Meike Schüßler kreative Routine vermeiden will, näht sie nach wie vor aus ausrangierten Hemden Kissen.

Diese Bambusschale hat Meike Schüßler rundherum mit alten Comicstrips beklebt. Foto: Tjiang

Von den 15 Euro je Kissen geht die Hälfte an das Nürnberger Sozialmagazin „Straßenkreuzer“. Außerdem hat sie für die Arbeit des „Straßenkreuzers“ bereits Promi-Hemden in Kissenform versteigert – etwa vom Nürnberger Tatort-Kommissar Andreas Leopold Schadt oder dem Kabarettist Matthias Egersdörfer.

„Ich kann von meinem Laden leben“, sagt Schüßler über ihren Teilzeitjob zufrieden. Allerdings weniger, weil die Umsätze in den Himmel schießen, sondern weil sie nicht viel Geld brauche. Auch privat lebt die Vegetarierin ihren bewussten Konsum aus Handmade oder Upcycling. „Ich repariere alles zehnmal, bevor ich etwas wegwerfe.“ Eingekauft wird deshalb vor allem Qualität, am liebsten Second Hand. Neben dem Verkauf liebt die 39-Jährige den Kontakt zu den „vielen netten Leuten“, die bei ihr einkaufen oder über ihren Laden verkaufen.

Die Ideen gehen ihr nicht aus

Immerhin gibt es schon Stammkunden – „auch Männer, die für ihre Frauen einkaufen“. Aber selbst die Besucher, die sich einfach nur umsehen wollen, sind ihr willkommen. Sie hat nichts dagegen, wenn man sich Ideen zum Selbermachen holt – wie man etwa aus leeren Actimel-Flaschen, Milchflaschen für den Kaufladen der Kinder bastelt. Mittlerweile fragen auch Leute an, ob sie ihr ausrangierte Sachen bringen können. Im ersten Moment sei sie oft geneigt, nein zu sagen. Wenn sie aber darüber nachdenke, sage sie am Ende doch oft ja. Denn sie sprüht vor Ideen und will immer wieder Neues ausprobieren.

„Ich war einmal“

  • Angebot:

    Handmade, Second Hand und Upcycling liegen momentan im Trend, es gibt mehrere Dutzend Geschäfte dieser Art in Nürnberg.

  • Adresse:

    Der Laden für „Handmade und Upcycling“ befindet sich in der Maximilianstraße 26 in Nürnberg und hat von Dienstag bis Freitag ab 10 oder 12 Uhr ein paar Stunden geöffnet. Konkrete Infos unter Tel. (0911) 239567 77 oder unter: www.ichwareinmal.de .

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