mz_logo

Region Nürnberg
Montag, 19. Februar 2018 4

Kunst

Schneekanonen in der Nürnberger City

Der Südtiroler Künstler Philipp Messner taucht den Platz vor dem Neuen Museum in eine künstliche Winterlandschaft.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

Aus Weiß wird ein helles Blau: So sieht die Kunstaktion von oben aus – dass Menschen hindurchlaufen, ist einkalkuliert. Foto: Annette Kradisch

Nürnberg. NÜRNBERG. Kunstschnee in der Stadt: Auf den Klarissenplatz im Herzen der Nürnberger Altstadt fallen dicke Schneeflocken auf den Boden. Unablässig bläst eine Maschine gefrorene Wasserkristalle in die Luft. Passanten reiben sich verwundert die Augen und stemmen sich in ihren Winterjacken mit ganzer Kraft gegen den Schneesturm.

Nach wenigen Minuten verwandelt sich der graue Platz in eine malerische Winterlandschaft. Mit einem entscheidenden Unterschied: Himmelblau statt schneeweiß glänzt der Kunst-Schnee in der Sonne. Hinter der spektakulären Aktion steckt Philipp Messner. Der Künstler aus Südtirol hat die „Winterzauber-Maschine“ im Rahmen seines Projektes „Clouds“ (Wolken) vor dem Neuen Museum in Nürnberg aufgebaut.

Der 1975 in Bozen geborene Künstler lebt in München. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien sowie an der Kunsthochschule in Paris. In seinen Skulpturen, Performances und Medienarbeiten befasst sich der gebürtige Südtiroler mit den Erfahrungen und Auswirkungen des Virtuellen.

Das Wetter ist nicht ideal

Eigentlich sollte der Schneeerzeuger schon im Dezember aufgebaut werden. Bislang hat das Wetter aber nicht mitgespielt. Erst in dieser Woche ist das Thermometer unter den Gefrierpunkt gefallen. „Wir haben lange warten müssen. Jetzt bin ich glücklich, dass wir die Aktion endlich machen konnten“, erklärt der Künstler am Donnerstag auf Anfrage unseres Medienhauses. Ideal seien die äußeren Bedingungen allerdings nicht gewesen. „Wir hatten nur wenige Stunden, in denen wir die Maschine laufen lassen konnten.“

„Betreten auf eigene Gefahr“: Wer sich durch den Schneesturm wagt, darf das aber gerne tun. Foto: Pelke

Tagsüber sei es schnell zu warm geworden. „Gestern Früh war es zum Glück schön kalt und wir konnten drei Stunden den Farbenschnee machen.“

Die Aktion bleibe allerdings eine „Grad-Wanderung“. Der Kunstschnee halte bei einer Temperatur von minus drei Grad am besten. Wenn es wärmer viel, schmilzt das Kunstwerk wie Butter in der Sonne dahin. Derartige Unvorhersehbarkeiten gehören zum Kalkül des Künstlers. „Die Unsicherheit mit dem Wetter gehört dazu“, sagt Messner.

„Mit der Farbe im Schnee kommt etwas Psychedelisches hinzu.“

Philipp Messner

Trotz aller Technik könne die Natur das Projekt stoppen. Scheitern ist eine andere Form des Gelingens. Auch die Spuren im Schnee stören den Künstler nicht. „Die Schneelandschaft verändert sich permanent. Wenn die Maschine läuft, ist es richtig kalt. Der Betrachter befindet sich fast in einem Schneesturm. Mit der Farbe im Schnee kommt etwas Psychedelisches hinzu“, freut sich der Künstler aus Südtirol.

Derweil lässt das Schneetreiben auf dem Klarissenplatz die Unterschiede zwischen Bild und Raum immer mehr verschwimmen. Die Kunst-Kanone verwandelt den Platz in ein buntes Wintermärchen.

„Das hat schon etwas Apokalyptisches und Surreales“, freut sich auch Eva Martin vom Neuen Museum. Menschen, die sich zufällig auf den Platz verirrt haben, muss der plötzliche Wintereinbruch wie eine Fata Morgana vorkommen. Manche ziehen sich den Schal schützend vor das Gesicht. Andere zücken für einen Schnappschuss das Telefon.

Normalerweise stehen Schneekanonen auf der Piste – ausnahmsweise findet man sie jetzt aber auch am Nürnberger Klarissenplatz. Foto: Pelke

„Wir wollen mit dieser Kunstaktion im öffentlichen Raum die Menschen zum Nachdenken und Träumen anregen“, sagt Martin. Mit der Schnee-Installation wolle das Museum besonders Menschen ansprechen, die ganz zufällig an dem Haus mit seiner geschwungenen Glasfassade zwischen Königstraße und Frauentormauer vorbeikommen.

Botschaft: Genießt den Winter

Derweil freut sich Philipp Messner über die gelungene Aktion. „Es schaut wirklich super aus, die farbige Schneelandschaft.“ Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, als wäre die bunte Schneekanone genau für diesen Ort geschaffen worden. Nach einigen Augenblicken vergisst man beinahe, dass der Winterzauber nur innerhalb dieses Kunstwerkes existiert.

Was uns der Künstler damit sagen will? Sicher keine plumpe Kritik des Klimawandels oder der Stromverschwendung. Die eigentliche Botschaft dürfte vielmehr lauten: Das ist realer Kunstschnee. Nur ein bisschen bunter. Genießt den Winter in der Stadt. Solange es ihn noch gibt. Bis zum 18. Februar soll die Schneekanone noch den Winter in die Stadt zaubern. Wenn das Wetter mitspielt.

Weitere Nachrichten aus der Region lesen Sie hier.

Die Installation

  • Der Schnee:

    Das Kunstprojekt „Clouds“ auf dem Nürnberger Klarissenplatz ist eine performative Installation, bei der eine herkömmliche Schneekanone, wie sie in alpinen Skiregionen für gute Pisten sorgt, in den Stadtraum verpflanzt wurde.

  • Die Farbe:

    Durch die Beigabe von Lebensmittelfarbstoffen in den Wasserzulauf erzeugt die Maschine kolorierten Kunstschnee. Die Farben sind aus natürlichen Rohstoffen wie schwarze und gelbe Karotte oder Spirulina gewonnen und somit gesundheitlich wie ökologisch unbedenklich, so der Künstler. Mehr Informationen zu den Arbeiten des Künstlers: www.pmessner.com. (npe)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht