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Sonntag, 22. Oktober 2017 19° 3

Idee

Wie Quelle eine Stadt werden könnte

Ein kleiner Kreativ-Verein will dem riesigen Areal in Nürnberg neues Leben einhauchen. Bei der Finanzierung könnte ein Förderprojekt helfen.
Von Thomas Tjiang

Der Vorsitzende des Vereins „Wir-kaufen-die Quelle“, Chris Weiß, in dem Projektbüro – zu dem er am liebsten mit dem Rad fährt. Foto: Tjiang

Nürnberg.Am alten Nürnberger Quelle-Parkplatz direkt an der Fürther Straße herrscht Betriebsamkeit. Zum einen lockt die Ausstellung Körperwelten Besucher an, zum anderen sorgen eine Handvoll Geschäfte für Leben in dem denkmalgeschützten Klinkerbau. Selbst dem kleinen Imbissstand mit Nürnberger Bratwurst und Currywurst scheint es ganz gut zu gehen.

Zu riesig, zu verschachtelt

Doch der Eindruck ist trügerisch: Nach wie vor scheint über diese Zwischennutzungen hinaus die Zukunft des einstigen Versandzentrums noch im Dunkeln zu liegen. Im vergangenen Jahr hatte die portugiesische Immobiliengruppe Sonae Sierra das Areal gekauft – allerdings mit „aufschiebenden Bedingungen“. Das sei in einer frühen Planungsphase üblich.

Auch andere Investoren hatten sich für das Areal interessiert. Doch die aus alten Quelle-Zeiten begrenzte Verkaufsfläche für Einkaufstempel von rund 18 000 Quadratmetern und der Denkmalschutz für das riesige, verschachtelte Gebäude haben letztlich für Ablehnung gesorgt. Selbst die Diskussion, Teile für die NürnbergMesse für ein dringend benötigtes Kongresszentrum für 500 bis 1000 Tagungsgäste zu nutzen, liegt derzeit auf Eis. Und die Option, Platz für Uni-Lehrstühle zu schaffen, ist mit dem Plan auf dem gegenüberliegenden AEG-Areal einen Hochschulcampus zu schaffen, endgültig beerdigt.

Sonae Sierra hält sich bedeckt. Man arbeite „an weiteren Fortschritten für Einzelhandelsnutzung“ und an „Lösungen für die verbleibenden Nutzungen“. Doch: „Diese laufenden Verhandlungen sind vertraulich, so dass wir keine weiteren Details nennen können, bis alle Verträge abgeschlossen sind“. Mehr ist nicht zu erfahren, außer, dass die Immobilienentwickler bei zwei Großprojekten in Fürth gescheitert sind.

Nun setzt der sich gründende Verein „Wir kaufen die Quelle“ neue Akzente. Kreative, Künstler und Architekten wollen eine Art „Stadt in der Stadt“ schaffen, sagt der Vorsitzende Chris Weiß. „Die Grundidee ist im Mai entstanden“, sagt er, aus dem Quelle-Kollektiv, ein Sprachrohr der vielen kreativen Kleinmieter in dem Riesenbau. Weiß selbst bewegt sich von der Pforte durch die alten Lagerflächen zum Projektbüro am liebsten mit dem Fahrrad.

Geplant sei eine „Stadtplanung bottom up“, also von unten nach oben, erklärt der Absolvent der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste. Man wolle sich an den Interessen und Wünschen der Mieter und der Anwohner orientieren. Das könnte einen gigantischen finanziellen Kraftakt bedeuten. Allein die kolportierten 25 Millionen Euro Kaufpreis sollen durch „Crowdfunding“ finanziert werden, eine insbesondere durch Social Media initiierte, öffentliche Sammlung von Kleinbeträgen. Aber selbst wenn einmal nur ein oder zwei Millionen Euro zusammenkommen, könne man sich eventuell als „Unterinvestor“ einen Trakt sichern.

Doch die eigentliche „Initialzündung“ könne von einem Förderprojekt des Bonner Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung kommen. Dort hat der Verein bei einer Ausschreibung mitgemacht und den innovativen Ansatz dargelegt. Gefragt waren „innovative und experimentelle Ansätze zur Umwandlung von Industriebrachen zum innerstädtischen Lebensraum“. Kann das Nürnberger Projekt sich durchsetzen, wäre die Vereinsarbeit für die kommenden drei Jahre mit je 100 000 Euro gesichert.

Kontakt zu potenziellen Käufern

„Im Idealfall entwickeln wir die Quelle als Generationenprojekt Schritt für Schritt“, hofft Weiß. „So denkt kein gewerblicher Investor.“ Weiß geht aber nicht auf Distanz zu potenziellen Käufern, sondern sucht den Kontakt. „Investoren sind nicht per se die ,dunkle Seite der Macht’“. Aber anders als Investoren gehe es ihm nicht um maximale Mieten und Erträge. „Oberste Prämisse ist die Bündelung von kreativen Initiativen, Non-Profit-Organisationen und gemeinnützigen Körperschaften in der Metropolregion.“

Auch wenn nun das lange Warten auf ein Signal aus Bonn angesagt ist:. In den Ruhemodus verfällt Weiß nicht. Die Vereinsgründung läuft, potenzielle Partner werden gesucht, das Projektbüro muss ausgebaut werden. Auch persönlich hat Projektleiter und Künstler Weiß noch einiges vor: „Ich habe einiges liegenlassen.“

Er hat eine Art „Postwurf-Kunst“ entwickelt, die man „anderen in den Garten werfen“ kann. Und so spannend das Quelle-Projekt ist: „Auch als Künstler muss ich Geld verdienen.“

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