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Nürnberg
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Artistik

Backstage von einer anderen Welt

Von Freitag bis Sonntag gastiert der Cirque du Soleil in Nürnberg. Die MZ durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen.
Von Nürnberg-Korrespondent Thomas Tjiang

Der Zikus präsentiert Artistik und Magie bei seinem neuen Stück "Ovo". In der Geschichte dreht sich alles um ein ungewöhnliches Ei. Die MZ hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen, wo ein enger zeitplan herrscht.

Nürnberg.Ziemlich gut gefüllt waren die ersten beiden Auftritte der kanadischen Zirkustruppe Cirque du Soleil in der Arena Nürnberger Versicherung. Mit einem wahren Kostümfarbenrausch entführen die Artisten die Besucher in die Welt der Insekten, die unterhaltsam arbeiten, essen, spielen und nach Liebe suchen. Doch alles wird anders, als plötzlich ein mysteriöses Ei – das Programm heißt „Ovo“ und bedeutet auf Deutsch: Ei – auftaucht. Ein wahres Highlight sind die Grashüpfer, die sich am Bühnenende aus zehn Metern Höhe auf ein Trampolin fallen lassen, um dann mit dem Schwung tatsächlich die Wand wieder nach oben zu laufen – so als gäbe es gar keine Schwerkraft mehr.

Training in luftiger Höhe

Doch mindestens genauso faszinierend ist eine Backstage-Tour, um einen Blick hinter die Kulissen und den Betrieb abseits der Vorstellungen zu werfen. „Wir sind eine eigene kleine Stadt“, sagt der Kanadier Nico Chabot, der als Tourmanager das ganze Treiben im Blick behalten muss. Zur Mittagszeit liegen Bühne und die Zuschauertribüne für 3000 Besucher noch weitgehend im Dunkeln, nur einzelne Spots sorgen für eine schwache Beleuchtung.

Am Trapez ist gerade Übungszeit für den Mongolen Qin Jiangming, der erst zur Vorstellung in sein Kostüm als Silberspinne schlüpfen wird. Er balanciert auf dem Drahtseil, probt seine Rolle vorwärts und fährt im Handstand auf einem Einrad in schwindelerregender Höhe.

Aufwärmtraining Backstage der „Grashüpfer“ Foto: Thomas Tjiang

Hinter der Bühne ist ein anderes Trainingsareal aufgebaut. Dort üben weitere Artisten, wärmen sich auf oder probieren neue Figuren auf dem Trampolin. Drumherum wie in einer Wagenburg ist alles aufgebaut, was die Akteure brauchen: die stilisierten Maiskolben in Übergröße, Gewichte für das Krafttraining, Trapezgurte und vieles andere mehr.

„Wir sind mit 22 Trucks unterwegs“, erklärt Chabot, das gesamte Equipment ist in 700 Kisten verstaut. Dafür gibt es einen eigenen Verantwortlichen, der immer genau weiß, was wo ist. Der muss das Beladen und Entladen der Lkws im Auge behalten und den Aufbau vor oder hinter der Bühne. Außerdem gehört eine eigene Wäscherei mit zur Ausstattung, eine Schneiderei und ein Catering, Masken, Kostüme plus die gesamte Elektronik-Ausrüstung und die Instrumente für die Musiker. Auch eine kleine Physiopraxis ist immer mit auf Tour. „Das zu beladen, entladen und aufzubauen ist eine eigene Choreographie“, so Tourmanager Chabaot, bei der kein Fehler passieren dürfe.

Der Kanadier Nico Chabot hat als Tourmanager das ganze Treiben im Blick. Foto Thomas Tjiang

Nach jedem Auftritt werden die Kostüme gewaschen und überprüft, ob etwas auszubessern ist. Außerdem müsse die aufgemalte Deko auf den Schuhen ausgebessert werden. Während vier Frauen nähen, reparieren oder Muster nachmalen, zeigt Chabot die Wand mit den Kostümschuhen. Jeder Schuh ist personalisiert und enthält alle Daten, um kurzfristig ein Ersatzexemplar bestellen zu können. In der Regel sind es Turnschuhe, über die einfach die jeweilige Kostümvariante – etwa der Fuß eines Grashüpfers oder einer Fliege – gestülpt wird.

Kleine Ausbesserungsarbeiten in der mobilen Cirque du Soleil-Schneiderei gehören zum Tagesgeschäft. Foto: Thomas Tjiang

„25 Spezialisten, vom Tourmanager über Wäscher bis zur Näherin gehören zur Mannschaft, dazu kommen 25 Techniker und 50 Artisten“, ergänzt der Österreicher Gerry Regitschnig, der als „Master Flipo“ in der Clownsrolle für gute Stimmung sorgt. Seine Kollegen in der Arena kommen aus aller Herren Länder, neben der Mongolei auch aus Brasilien, Kanada, Belgien und weiteren 16 Ländern. Manchmal sind es sogar ehemalige Olympiateilnehmer, die nach ihrer aktiven Karriere den Zirkus für sich entdeckt haben.

Clown Gerry Regitschnig, alias „Master Flipo“, mit seinen frisch überarbeiteten Schuhen in der Schneiderei Foto: Thomas Tjiang

Er war zwölf Jahre alt, als seine Mutter mit ihm das erste Mal in einen Zirkus gegangen war. Seitdem sei für ihn festgestanden: „Ich will selbst ein Clown werden“, erzählt Gerry Regitschnig. Er besuchte in der Schweiz eine Mimenschule und spielte sich dann durch die ganze Welt in die Herzen der Zuschauer. Allerdings sei es alles andere als lustig, als Clown zu bestehen, verrät er. „Die Castings sind streng und hart.“ Seit einem Vierteljahrhundert ist Regitschnig beim Cirque du Soleil. In den USA werde über jeden Witz gelacht, berichtet er. „Das deutsche Publikum ist anspruchsvoll.“

Derweil blickt Chabot auf seinen Zeitplan, auch der Blick hinter die Kulissen ist streng getaktet. Geht die Ovo-Show abends los, muss jeder einzelne Schritt und Handgriff auf die Minute klappen. Was für die Zuschauer so zauberhaft und spielerisch leicht ausschaut, erfordert hinter dem Vorhang ein professionelles und penibles Management. Immerhin brauchen die Artisten wie etwa Master Flipo 45 Minuten, damit Maske und Kostüm perfekt sitzen.

Veranstaltungen

Das Programm „Ovo“ des kanadischen Cirque du Soleil ist am heutigen Freitag (20 Uhr), Samstag (16 und 20 Uhr) und Sonntag (13 und 17 Uhr) zu sehen. Für alle Veranstaltungen in der Arena Nürnberger Versicherung sind noch Tickets in allen vier Kategorien zu bekommen, zum Preis von 57,80 Euro bis 97,15 Euro.

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