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Landkreis
Sonntag, 18. Februar 2018 2

Jubilar

90 Jahre voller Erinnerungen

Altbürgermeister Hans Schuster feiert am Sonntag Geburtstag. Die Gebietsreform war das Meisterstück des Hemauer Ehrenbürgers.
Von Dietmar Krenz

Unzählige alte Fotografien, Gemälde und Stiche seiner Heimatstadt Hemau zieren das Arbeitszimmer von Jubilar Hans Schuster. Fotos: Krenz/Schuster

Hemau. Geschichten und Erinnerungen bewahren und für die Nachwelt aufschreiben, das war schon immer eine echte Herzensangelegenheit für Hans Schuster. Aber erst nachdem er seinen Chefsessel im Hemauer Rathaus nach 18 Jahren freiwillig geräumt hatte, durfte der gelernte Maurer und spätere Postbote seine schriftstellerische Ader ausleben. „Dabei war alles schon lange in meinem Kopf“, erzählt er. Aber erst während meiner Pension hatte ich richtig Zeit dafür.“ Ein halbes Dutzend Bücher und Broschüren hat der „Stieferl“ – wie ihn die Hemauer liebevoll nennen – verfasst. „Alle mit der Hand geschrieben“, denn von Computer und Internet will er nichts mehr wissen. „Dafür bin ich doch schon zu alt.“ 2000 handbeschriebene Manuskriptseiten waren es allein für sein erstes Buch – gefüllt mit allerlei Kindheitserinnerungen vom Tangrintel.

In seinem gemütlichen Arbeitszimmer hängen unzählige Fotografien, Postkarten, Stiche und Gemälde aus seiner Heimatstadt. „Zu jedem Bild kann ich eine Geschichte erzählen“, sagt Schuster. In einem weiteren Zimmer im Obergeschoss seines Hauses stapeln sich die Urkunden und Ehrengaben.

Begriff„Tangrintel“ ausgegraben

Am kommenden Montag werden wohl weitere Ehrengaben dazu kommen, denn beim Deglbauer wird der Ehrentag nachgefeiert. Der Sonntag gehört allein seinen zwei Töchtern und dem Sohn mit Familien sowie seine sechs Enkelkindern. Sie kommen aus Parsberg und Hamburg und lassen den Jubilar hochleben. Seit dem Tod seiner Frau 2002 lebt der Tangrintler in seinem selbst gebauten Haus an der Haager Straße allein und versorgt sich noch selbst.

Die Geschichte des Tangrintel und seiner Menschen, die kleinen und großen Vorkommnisse und Anekdoten sind es, die ihn schon immer fasziniert haben. Schuster war es auch, der den Begriff „Tangrintel“ so richtig gesellschaftsfähig gemacht hat. „Erst als ich den Namen aus den Geschichtsbüchern ausgegraben und den Bürgern nahe gebracht habe, ist er in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen“, blickt der Senior stolz zurück.

Zurecht stolz ist er auch auf seine 18-jährige Tätigkeit als Bürgermeister. Unterstützt von seinen politischen Freunden und Weggefährten sorgte er für die Lösung des Schul- und Kindergartenproblems, brachte den Straßenbau innerorts voran und setzt sich für Baugebiete ein, um die jungen Hemauer in ihrer Heimat zu halten. Schuster war es auch, der in seiner Amtszeit das Bürgerfest, den Tangrintelnachmittag und die Weihnachtsausstellung eingeführt hat.

Seine schwerste Aufgabe war die Gebietsreform vor mehr als 40 Jahren. Immerhin galt es, 18 eigenständige Gemeinden unter einem Dach zu vereinen und das innerhalb eines völlig neuen Landkreises. Aber diese Hürde hat Schuster mit Bravour gemeistert und freut sich heute über das erreichte „gemeinsame Ganze“, dem er nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt hat. Als Kommunalpolitiker war er stets auf Versöhnung aus. In der Sache streitbar, aber nach der Auseinandersetzung muss man sich wieder in die Augen schauen können, lautete stets seine Devise.

Die Wertschätzung ist groß

Ehrenamtliches Engagement in den Hemauer Vereinen ist dem ehemaligen Kreisrat und langjährigen Stellvertreter des Landrats in die Wiege gelegt. „Ich bin bei jedem Verein in Hemau, nur nicht beim Frauenbund“, scherzt der Jubilar. Und bei den Versammlungen ist Schuster nach wie vor ein regelmäßiger Gast.

Täglich am späten Vormittag gönnt sich der Altbürgermeister einen kleinen Cappuccino im Café Maag und lässt keinen der samstäglichen Frühschoppen-Stammtische im Wirtshaus Graf in Thonlohe aus. „Wenn ich über den schönen neuen Stadtplatz gehe, werde ich von allen Seiten gegrüßt“, erzählt er. Diese Wertschätzung freut ihn besonders.

Neben seinem kommunalpolitischen Engagement gehörte sein Leben aber auch der Musik und dem Gesang. Im Kirchenchor und bei der Hemauer Liedertafel überzeugte er als Tenor und als 1. Trompeter der Stadtkapelle gab er bei zahlreichen Vereinsfesten und sonstigen Feierlichkeiten den Ton an.

Und wie steht es aktuell mit der Gesundheit des Altbürgermeisters? „Ich bin überrascht, dass ich noch so gut beieinander bin. Das Alter spürt jeder“, antwortet das Geburtstagskind. Dabei hat er schon einige schwere Operationen hinter sich gebracht. „Unkraut vergeht eben nicht“, scherzt er.

Dem Ehrentag am Montag sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen. Vormittags wird ihm beim „Deglbauer“ ein großer Empfang bereitet. Das Aufhebens um seine Person ist dem bescheidenen Hemauer gar nicht recht. Aber dennoch geht er gerne hin, schließlich kann er dort genau das tun, was er sein Leben lang gerne getan hat: Menschen treffen, mit Menschen diskutieren und mit Menschen feiern. Eine „Gemütsbegabung für das gesellschaftliche Leben“ nennt er das selbst.

Denn die Geselligkeit und das Gespräch sind ihm unverändert wichtig. Auch sein Interesse für die Kommunalpolitik und das Weltgeschehen sind ungebrochen. Zu seinem Ehrentag hat Hans Schuster nur einen Wunsch – Gesundheit. Und das wünscht auch die Redaktion das Medienhaus der Mittelbayerischen Zeitung dem Hemauer Altbürgermeister zum 90. Geburtstag.

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