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Freitag, 19. Januar 2018 4

Partnerschaft

Botschafter für eine friedliche Welt

Die Gemeinden Schierling/Eggmühl und Penmarc‘h feierten 20-jährige Partnerschaft. Gegenseitiger Respekt ist das Geheimnis.
Von Fritz Wallner

Die Gemeindepartnerschaft wurde gefeiert (v. l.): Präsidentin Colienne van Innis, zweite Bürgermeisterin Maria Feigl, dritter Bürgermeister Anton Blabl, Bürgermeister Rynald Tanter (mit dem Bild der Schlacht von Eggmühl), Bürgermeister Christian Kiendl, Penmarc‘hs zweite Bürgermeisterin Marie-Claire Dupont und Präsidentin Florine Le Pape vom bretonischen Partnerschaftsverein sowie der in Schierling lebende Franzose Bernard Tournel Fotos: Wallner

Schierling.Die Gemeindepartnerschaft zwischen Schierling/Eggmühl und dem französischen Penmarc‘h besteht seit 20 Jahren. Zum Abschluss des Festabends malten kreative Feuerwerker ein Strahlenherz aus Feuerwerkskörpern an den Himmel, mit dem die enge Verbindung der beiden Gemeinden verdeutlicht wurde. Die beiden Bürgermeister Christian Kiendl und Raynald Tanter hatten zuvor die Mitverantwortung auch der kommunalen Ebene für den Frieden in einem auf Verständigung angelegten Europa besonders herausgestellt.

Gut 50 Gäste aus der Bretagne waren zum Jubiläum angereist und absolvierten fast eine Woche lang ein vom Partnerschaftsverein unter Leitung von Präsidentin Colienne van Innis erarbeitetes Programm durch die bayerische Kultur und Landschaft.

Ein starkes Fundament

Raynald Tanter und Adolf Wallner waren mit dabei, als der ebenfalls beim Festabend anwesende ehemalige Bürgermeister Otto Gascher und sein inzwischen verstorbener Kollege Corentin Cadiou die Partnerschaft offiziell besiegelten. Christian Kiendl knüpfte daran an und betonte, dass die starken Säulen der Gemeindepartnerschaft die Bürger aus der Bretange ebenso wie die aus Schierling/Eggmühl bilden würden. „Diese Säulen aber stehen auf einem ebenso starken Fundament, welches unser Kontinent Europa, unsere gemeinsame Kultur, unser gemeinsamer Glaube, unsere gemeinsame – oft schwierige – Geschichte bildet“, so der Bürgermeister weiter.

Mit einem Feuerwerk-Spektakel kam es zum Höhepunkt der Jubiläumsfeier.

Kiendl lenkte den Blick auf den heiligen Benedikt von Nursia, der vor etwa 1500 Jahren durch sein Leben und Werk einen grundlegenden Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Zivilisation und Kultur ausgeübt hat. Papst Paul VI. habe ihn nicht zuletzt deshalb im Jahre 1964 zum Patron Europas erhoben. Der dauerhafte Friede sowie die dauerhafte Freude an diesem Frieden seien für Europa und die Gemeindepartnerschaft die Seele, so Kiendl.

Er sei immer wieder begeistert, wie viele Menschen in Penmarc‘h und im Markt Schierling bereit sind, Gäste in ihren Häusern aufzunehmen. Denn gerade die Gastfreundschaft sei ein Merkmal der christlichen Gesinnung. „Ich bin ebenso beeindruckt, mit welchem Elan und mit welcher Kreativität die Verantwortlichen in den beiden Partnerschaftsvereinen von Anfang an – und seitdem Jahr für Jahr – für den wichtigen Austausch sorgen. Sie sind der Sprit für die Seele, und deshalb danke ich den beiden Vereinen sehr, sehr herzlich“, sagte der Bürgermeister weiter. Er überreichte an die Partnergemeinde eine Kopie des „schönen Bildes“, das an die Schlacht bei Eggmühl erinnert und im Pfarrhof Schierling hängt.

Das „Schöne Bild“

  • Die Szene:

    Das im Pfarrhof Schierling verwahrte Gemälde zeigt den damaligen Schierlinger Pfarrer Joseph Häring, der am grauen Star erblindet war und sich wiederholt auf die blutgetränkte Flure führen ließ, um die letzten vergessenen Verwundeten zu bergen und den Sterbenden die Wegzehrung zu reichen. In der Darstellung des Bildes trifft er gerade auf einen schwer verwundeten österreichischen Offizier und Arzt mit zerschossenen Beinen. Auch für ihn findet sich ein Platz im von Verwundeten überfüllten Pfarrhof zu Schierling. Nach seiner Genesung hat dieser Arzt zum Dank Pfarrer Häring mit einer gelungenen Operation das Augenlicht zurückgegeben.

  • Der Maler:

    Carl Wilhelm Freiherr von Heideck (1788 – 1861) hatte nach dem Kampf um Schierling am 21. April 1809 im Pfarrhof übernachtet und hier den blinden Pfarrer Joseph Häring kennengelernt. Als gewandter Zeichner bekam er tags darauf von Kronprinz Ludwig den Auftrag, die Schlacht von Eggmühl in einer Skizze festzuhalten. Ein Jahr später kam er noch einmal nach Schierling, um die Skizze zu vollenden. Dabei stattete er dem greisen Pfarrer einen Besuch ab. Er war verblüfft, als ihm dieser mit sehenden Augen entgegentrat. Als er von ihm erfuhr, wie und von wem er das Augenlicht zurückerhielt, beschloss der Maler, den Augenblick, als Pfarrer Häring den verwundeten Arzt auffand, im Bild festzuhalten. Im Mai 1852 traf das versprochene Werk in Schierling ein. Prinzregent Luitpold von Bayern verfügte, dass das „Schöne Bild“ immer in Schierling bleiben soll und niemals in ein Museum oder Archiv abgegeben werden darf. (lww)

Kiendls Kollege Raynald Tanter sprach von der Begeisterung und Rührung, die immer wieder durch die gegenseitigen Besuche ausgelöst worden seien. Er sei stolz, dass sich die Partnerschaft in den 20 Jahren so stark gefestigt habe und es seien herzliche Freundschaften, die zwischen den Menschen beider Gemeinden geschlossen worden sind. „Dies ist ein starkes Symbol, auf das wir stolz sein können, angesichts der Wunden zwischen unseren beiden Ländern Deutschland und Frankreich!“, so Tanter. Die Partnerschaft sei ein Symbol für das gemeinsame Bestreben nach einer friedlichen Welt.

Sicherheit ist zerbrechlich

Die beiden Bürgermeister seien die Garanten für dieses Symbol und Übermittler der Botschaft des Vertrauens. Das Teilen der Kultur nannte er einen fundamentalen Aspekt der Partnerschaft. Der gegenseitige Respekt vor der jeweiligen Identität sei der Schlüssel für ein gutes Zusammenleben. Gerade die letzten Wahlen in Europa hätten gezeigt, wie zerbrechlich die Sicherheit ist. Umso wichtiger sei es, dass die beiden Gemeinden im kleinen Rahmen ein Motor für die Gestaltung Europas sein können. Tanter hatte eine Granitplatte mitgebracht, in welche die 20-jährige Partnerschaft eingraviert ist. Aus dem gleichen Material sei auch der Leuchtturm Eggmühl gebaut.

Ein bretonischer Dudelsack mit bayerischer Flagge war ein Novum beim Festabend.

Nach dem offiziellen Teil, der musikalisch von Jörg Lipka und Freunden mitgestaltet wurde, gab es eine bretonisch-bayerische Kombination aus Dudelsack und Schlagzeug zu hören, wobei der Gast aus Penmarc’h bereits eine bayerische Rautenfahne an sein Instrument angebracht hatte und einen bayerischen Landler spielte. Nach einem gemeinsamen Mahl kam es mit einem spektakulären Feuerwerk über den Laberauen zu einem Höhepunkt der Feierlichkeit. Die Gäste waren begeistert, klatschen frenetisch und wünschten, dass die Gemeindepartnerschaft immer so schön bleibt.

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