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Samstag, 18. November 2017 5

Internet

Breitband soll bis ins letzte Gehöft

Der Landkreis Regensburg steht bei schnellen Internetverbindungen gut da. Eine neue Förderung soll weiße Flecken tilgen.
Von Christof Seidl, MZ

  • Der Versorgungsgrad mit schnellem Internet ist im Landkreis Regensburg bereits heute gut. Allerdings nicht überall: Gerade in Streusiedlungen ist die Breitbandversorgung zum Teil noch Zukunftsmusik. Foto: dpa
  • Harald Hillebrand ist im Landratsamt für den Breitbandausbau zuständig. Foto: Geier

Regensburg.Alle wollen schnelle Internetverbindungen. Gewerbe und Landwirte, um für die Zukunft fit zu sein, Otto Normalverbraucher, um Angebote wie das Streamen von Filmen nutzen zu können. Die Umsetzung dieser Wünsche ist im teils sehr ländlich strukturierten Landkreis Regensburg aufwendig – und teuer.

Trotzdem ist der Ausbau mit schnellen Verbindungen im Regensburger Land weit fortgeschritten. Das ist zum einem dem Landkreis selbst zu verdanken, der 1,5 Millionen in die Breitbandversorgung investiert und koordiniert. Er hat dazu das Ingenieurbüro Ledermann beauftragt, das die Gemeinden bei der Planung unterstützt. Zum anderen fördert der Freistaat den Ausbau mit schnellem Internet seit Mitte 2014. Die Kommunen im Landkreis erhielten dafür in der ersten Runde zwischen 500000 und 940000 Euro.

„Die erste Förderkulisse ist durch“

Wie Büro-Chef Josef Ledermann im Gespräch mit unserem Medienhaus sagte, habe sich in den Gemeinden viel getan. „Die erste Förderkulisse ist durch.“ Insgesamt sind im Landkreis bisher rund 25 Millionen Euro in den Breitbandausbau geflossen. Etwa 13 Millionen davon sind Fördergelder, etwa fünf Millionen haben die Kommunen selbst finanziert, den Rest haben Unternehmen wie Telekom, Vodaphone oder R-Kom im sogenannten Eigenausbau selbst investiert.

In einigen Gemeinden ist das Leitungs-Update bereits komplett angeschlossen. Dazu zählen beispielsweise das stadtnahe Tegernheim, aber auch kleine Kommunen wie Riekofen und Mötzing.

Etwa die Hälfte der Gemeinden nimmt eine zweite Runde in Angriff, um weitere Orte ans schnelle Netz anzuschließen, Bernhardswald hat auch diesen Durchlauf schon abgeschlossen. Die Voraussetzung ist, dass die Höchstfördersumme von 950000 Euro pro Gemeinde noch nicht erreicht ist und die anvisierten Anschlüsse keine 30 Mbit/s Datengeschwindigkeit überschreiten. „Wir wollen auch die letzten Ecken dichtmachen“, erklärt Ledermann die Motivation für weitere Runden.

Trotz aller Anstrengungen gibt es im Landkreis aber noch etliche weiße Flecken, vor allem in den großen Flächengemeinden wie Regenstauf, Hemau, Bernhardswald, Kallmünz, Schierling oder Beratzhausen. So gibt es allein im Markt Regenstauf 87 Orte bis hin zum Einzelgehöft.

Der Anschluss von abgelegenen Standorten ist teuer. Ledermann gibt die Kosten für einen Kilometer Glasfaserleitung im freien Gelände mit 35000 bis 90000 Euro an. Wenn dann nur zwei oder drei Haushalte eine derartige Leitung nutzen, stellt sich den Gemeinden die Frage der Verhältnismäßigkeit.

Höfe-Bonus „kommt on Top“

Für Einzelgehöfte und Streusiedlungen ist der Breitbandanschluss teuer. Foto: dpa

Das Problem ist auch im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat bekannt. Es will nun mit dem Höfe-Bonus eine neue Fördermöglichkeit auflegen, die vor allem zersiedelten Flächengemeinden zugute kommt. Beim Höfe-Bonus sollen abgelegene Gebäude in Streulagen in den Genuss eines Glasfaseranschlusses kommen. Der Ausbau dorthin soll mit mindestens 80 Prozent gefördert werden. Die Details stehen noch nicht fest, sicher ist nach Angaben von Ministeriumssprecherin Tina Dangl, dass durch die neue Fördermöglichkeit keine laufenden Verfahren gefährdet werden. Dangl: „Das kommt on Top.“ Die Fördermöglichkeit sei zusätzlich für Gemeinden gedacht, die noch weiße Flecken haben.

Welche Auswirkungen der Höfe-Bonus auf den Landkreis hat, sei noch nicht klar, sagt Harald Hillebrand, der im Landratsamt für den Breitbandausbau zuständig ist. „Sollte es zu der Regelung kommen, ist das Programm sicher eine positive Maßnahme.“ Allerdings seien auch 20 Prozent Eigenanteil wegen der hohen Baukosten in der Fläche für manche Kommunen noch sehr viel.

Der Breitbandausbau wird den Landkreis auch darüber hinaus langfristig beschäftigen. Welche Übertragungsgeschwindigkeiten in Zukunft auf die Nutzer zukommen, sei noch nicht absehbar, sagt Hillebrand. Sicher sei, dass 30, 50 oder 100 Mbit/s höchstens noch die nächsten zehn Jahre Standard sein werden. Alleine aufgrund der enormen Datenmengen durch Übertragung von Plänen, Filmen, Lehr- und Bildmaterial und Ähnlichem sei mit einem hohen Bedarf zu rechnen.

Dass der Höfe-Bonus auf Dauer nicht ausreichen wird, unterstreicht auch BBV-Vizepräsident Günther Felßner. Die Digitalisierung sei ein Megatrend, der längst auf den Höfen der Bauernfamilien Einzug gehalten hat und keine Zukunftsvision mehr ist. In modernen Landmaschinen stecke mehr Hightech als in jedem neuen Auto. Der Bauernverband sehe in der Digitalisierung der Landwirtschaft große Chancen, um die hohen gesellschaftlichen Erwartungen an Ackerbau oder Tierhaltung zu erfüllen. Hightech helfe dabei, noch besser und präziser zu arbeiten.Die Landwirte würden deshalb mittelfristig Gigabit-Geschwindigkeiten auf den Feldern und in den Ställen brauchen, um die digitalen Möglichkeiten nutzen zu können.

Bundesweit sind die Bauernhöfe davon nach BBV-Angaben noch weit entfernt. Im März 2016 seien 70 Prozent der Landwirte in Deutschland laut einer Umfrage im Rahmen des Konjunkturbarometers Agrar mit ihrer Internetanbindung nicht zufrieden gewesen.

Wie es ist, in einer Streusiedlung ohne vernünftige Internetanbindung zu leben, lesen Sie hier.

Warum Neutraubling Standort eines Modellversuchs für Gigabit-Internet wird. lesen Sie hier.

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