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Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Kultur

Chor sang für Kleinod am Berg

Die über 300 Jahre alte Sebastiberg-Kirche braucht eine Runderneuerung. Die Chorgemeinschaft gab ein Benefizkonzert.
Von Martina Neu

Die Chorgemeinschaft während des Benefizkonzertes Foto: Neu

Kallmünz.Viele Menschen sind schon zur Sebastiberg-Kirche gepilgert, nicht nur heute sondern auch zu früheren Zeiten. Nun wartete oben ein ganz besonderer Anlass: ein Benefizkonzert der Chorgemeinschaft der Kallmünzer Chöre. Alleine der Aufstieg zur Sebastiberg-Kirche ließ die Konzertbesucher in Adventsstimmung kommen. Die Natursteinstufen des Kreuzwegsteiges säumten unzählige Kerzen, die ihr warmes Licht verströmten und den Weg erleuchteten.

Oben angekommen, musste der ein oder andere erst einmal kurz durchschnaufen, bevor er sich das Kleinod auf dem Auberg genauer ansehen konnte. Aber die Mühen des Aufstiegs hatten sich gelohnt. Es wartete ein kleines Kirchlein, das viel zu erzählen hat. Immerhin hat es bereits über 300 Jahre auf dem Buckel – es wurde im Jahre 1713 erbaut.

Angst vor der Pest

Idyllisch liegt die Sebastiberg-Kirche auf dem Auberg. Fotos: Neu

Der Hintergrund für den Kirchenbau: Damals wütete die Pest in Regensburg und Umgebung, an der mehrere tausend Menschen starben. Bis Hochdorf und Burglengenfeld kam die todbringende Krankheit. Die Kallmünzer hatten damals große Angst und versprachen, zu Ehren des hl. Sebastian eine Kapelle auf dem Auberg zu bauen, wenn die Pest den Ort verschont. Es durfte kein Fremder den Ort betreten, und den Bewohnern war es nicht erlaubt, Kallmünz zu verlassen. Sogar die Schifffahrt auf der Naab und Vils war eingestellt, ist in dem Kirchenführer zur Sebastiberg-Kirche zu lesen. So große Angst hatte man vor der todbringenden Seuche. Und tatsächlich: Kallmünz blieb von der Pest verschont. Als Dank dafür wurde das Kirchlein erbaut.

Die Sebastiberg-Kirche erfreute sich schon bald großer Beliebtheit unter den Gläubigen. Am Fest des Heiligen Sebastian kamen viele Menschen in die Kirche, um das feierliche Votivamt zu feiern. Auch während des Jahres wurden Messen gelesen und Andachten gefeiert. Die Bevölkerung wünschte sich bald eine größere Kirche mit einer Wallfahrt am Tag des heiligen Sebastian. Der bei der Kirche lebende Eremit Franz Andreas Karl griff diesen Wunsch auf und führte im Ort und der Pfarrei Sammlungen durch. Mit öffentlichen Mitteln und privaten Spenden konnte von 1762 bis 1764 das Kirchenschiff um die Hälfte erweitert werden. Gleichzeitig wurden eine Empore und ein offener Dachreiter mit einer Glocke eingebaut. Dann entwickelte sich die Sebastiberg-Kirche zu einer bedeutenden Wallfahrtsstätte im unteren Naabtal. Im Innern ist das Kirchlein mit Bildern aus der Pestzeit, unter anderem vom Kallmünzer Matthias Zintl, geschmückt.

Die Chorgemeinschaft

  • Der Chor:

    Die Chorgemeinschaft Kallmünz gibt es seit knapp zwei Jahren und besteht aus 25 Sängerinnen und Sängern von 35 bis 79 Jahren.

  • Dirigentin:

    Die Leitung hat Christine Gesierich, B-Kirchenmusikerin und Diplom-Musiklehrerin.

  • Die Stücke:

    Das Repertoire ist sehr breit gefächert: von Renaissance, Barock über Klassik, Romantik und Moderne bis hin zu Rock und Pop der 80er Jahre.

  • Das Erfolgsgeheimnis:

    Der Chor hat jede Menge Spaß am Singen, den Willen zur qualitativen Weiterentwicklung und Freude an einer starken Gemeinschaft, die sich durch gegenseitige Wertschätzung und eine freundliche, offene Atmosphäre auszeichnet.

  • Probe:

    dienstags, 19.45 Uhr, im Kultur- und Vereinsheim am Graben.

  • Zugehörigkeit:

    Die Chorgemeinschaft ist eine Untergruppe des Kulturecks Kallmünz. (lmn)

Bei der Sebastiberg-Kirche bestand bis 1803 eine Eremitenklause. Die frommen Einsiedler wohnten in dem angebauten Häuschen und pflanzten auch die Linden, die noch heute den Auberg zieren. Bereits bei Baubeginn im Jahr 1713 wurde die Baulast von der Gemeinde übernommen. „Zu immerwehrenden Zeiten“ ist im Kirchenführer nachzulesen.

1962 wurde das Kirchlein außen gründlich erneuert. Eine Innenrenovierung erfolgte 1978. Nun nagt der Zahn der Zeit erneut an der idyllischen Kirche. Aktuell laufen Voruntersuchungen, bei denen der Dachstuhl kontrolliert wird, erzählte Bürgermeister Ulrich Brey im Gespräch mit unserer Zeitung. „Über die anfallenden Kosten kann man aber noch nicht sprechen, denn es muss erst einmal die Höhe der Zuwendung durch das Landesamt für Denkmalpflege geklärt werden.“ Fallen die Zuschüsse positiv aus, dann könne man bei einer großen Lösung vieles machen. „So müssten eventuell die Stuckarbeiten im Altarraum überarbeitet und der Farbanstrich im Innenraum sowie die Fassade erneuert werden“, sagte Brey.

Kleine oder große Lösung?

„Sollten die Zuschüsse geringer ausfallen, muss man halt mit einer kleineren Lösung leben und die Sanierung auf zwei Haushaltsjahre aufteilen“, ergänzt er. Wenn alles fertig ist, möchte das Gemeindeoberhaupt ein großes Fest feiern. Wobei es bis dahin noch ein steiniger Weg ist, denn die Kosten belaufen sich bestimmt auf einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Um einen Grundstock für die längst fällige Sanierung zu legen, organisierte die Chorgemeinschaft unter der Leitung von Christine Gesierich ein Benefizkonzert in der Sebastiberg-Kirche. Die 21 Sängerinnen und Sänger unterhielten die Zuhörer in der voll besetzten Kapelle mit Liedern zur Advents- und Weihnachtszeit, wie „Advent ist ein Leuchten“, „Wait for the Lord“, „Still, still“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und vielen anderen bekannten oder auch unbekannteren Weihnachtsliedern. Zwischen den Musikstücken trug Dietmar Schmid besinnliche Texte vor.

Kulturecks-Vorsitzende Dr. Eva Schropp und Ulrich Brey zollten den Sängerinnen und Sängern ein großes Lob für ihren Einsatz für das Kleinod. Nach dem Konzert tischte die Chorgemeinschaft noch Glühwein und Plätzchen auf. Der Gesamterlös dieses Abends in Höhe von 360 Euro wird für die notwendigen Sanierungsarbeiten der Kirche hergenommen.

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