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Dienstag, 12. Dezember 2017 7

Erziehung

Die Mütter und die Kinder lernen

Maria Metzger leitet seit 20 Jahren die Mutter-Kind-Gruppen in Pfatter. Groß und Klein machen wertvolle Erfahrungen.
Von Antonie Biederer, MZ

Gruppenleiterin Maria Metzger gesellt sich mal zu der einen, mal zu der anderen Gruppe, spielt mit und strukturiert die gemeinsamen Stunden. Foto: Biederer

Pfatter.Fröhliches Geplapper kommt einem entgegen, wenn man die Tür zum Mutter-Kind-Gruppenraum öffnet. Die freundliche Gestaltung des Raums fällt sofort ins Auge. An einem großen Tisch sitzen die Ein- bis Zweijährigen auf dem Schoß ihrer Mütter und formen Figuren aus Knete. Andere Mütter sitzen mit ihren Kleinen auf dem großen Teppich, spielen und haben sichtbar Spaß miteinander. Gruppenleiterin Maria Metzger gesellt sich mal zu der einen, mal zu der anderen Gruppe, spielt mit und strukturiert die zwei gemeinsamen Stunden.

Seit 20 Jahren gibt Maria Metzger den Jüngsten die Gelegenheit, noch vor Eintritt in den Kindergarten erste soziale Kontakte zu knüpfen und Spielmöglichkeiten mit Gleichaltrigen zu erhalten. Gleichzeitig sei die Gruppe ein wichtiger Anlaufpunkt für junge Familien, eine Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch und Ausgangspunkt gemeinsamer Unternehmungen. Besonders für zugezogene Familien sei es eine gute Möglichkeit, hier erste Kontakte in der neuen Umgebung zu schließen, erläutert Metzger.

Wie sie zur Gruppenleiterin wurde und warum es ihr auch nach 20 Jahren noch immer enorm Spaß macht, erzählt sie im Gespräch mit dem Wörther Anzeiger der MZ. „Der Umgang mit Kindern hat mir schon immer viel Freude bereitet. Im Alter von 25 Jahren hatte ich mir sogar überlegt, zur Erzieherin umzuschulen. Die lange Ausbildungszeit und die Tatsache, dass damals wenig Aussicht war, in der Nähe eine Anstellung zu finden, da kein Bedarf war, hat mich von diesem Schritt abgeschreckt. Ich bin sehr heimatverbunden“, erzählt die 53-jährige Steuergehilfin und ergänzt: „Leider sah es lange so aus, dass mein Mann und ich keine Kinder bekommen. Meine Schwester Birgit war damals in der Mutter-Kind-Gruppe integriert. Sie sagte mir, dass die Leiterin aufhört, da sie aus Pfatter wegzieht.“

Alle diese Gründe veranlassten mich, die Ausbildung zur Leiterin einer Mu-Ki-Gruppe bei der Katholischen Erwachsenenbildung Regensburg zu machen. In Wochenend- und Tagesseminaren erfuhr sie Wichtiges über religiöse Erziehung oder auch über Gruppendynamik.

Freispielzeiten sind wichtig

Zu Beginn und am Ende der zweistündigen Treffen wird gemeinsam gesungen und es werden Bewegungsspiele gemacht. Dieser feste Ablauf ist wichtig für die Entwicklung der Kinder.

„Mit dem Beginn der Kursbelegung durfte man schon eine Mutter-Kind-Gruppe leiten“, erzählt Maria Metzger. So sammelte sie bereits während dieser ersten Zeit wichtige Erfahrungen. Fester Bestandteil der Gruppenstunden sind Sing- und Kreisspiele. Hier beschäftigen sich Mütter mit ihren Kindern. Wichtig sind auch die Freispielzeiten der Kinder, in denen sie sich eigenständig beschäftigen. Ein festes Ritual sind gemeinsame Brotzeiten und Gespräche der Mütter untereinander. Dies ist enorm wichtig, meint die Leiterin. Viele der jungen Mütter sind neu in die Gemeinde gezogen und können so Kontakte aufbauen.

Eva Vogel kann dies nur bestätigen: „Für mich ist es sehr wichtig, dass mein Sohn Moritz auch schon im Alter von eineinhalb Jahren Anschluss an andere Kinder bekommt, mit denen er spielen kann. Ich war bereits mit meinem Sohn Leonhard bei der Maria und war damals schon begeistert von der Gruppenleiterin. Da wir nach Pfatter zugezogen sind, konnte ich hier Kontakte zu anderen Müttern knüpfen, was für mich ebenfalls sehr wichtig war. Ich fühle mich sehr wohl in der Gruppe.“

Judith Graf (Geisling) meint: „Wir stammen aus Regen und sind erst vor kurzem nach Geisling gezogen. In meiner Gruppe befinden sich nur Mütter aus meinem Wohnort Geisling. So lerne ich diese alle kennen. Meine Lotta liebt es, mit anderen Kindern zu spielen und zu singen.“

Mit bunten Tüchern, Luftballons oder Schwungtüchern bekommen die Kleinen im Alter von ein bis drei Jahren ganz neue Sinneserfahrungen. „Je nach Jahreszeit kommen Naturprodukte wie Blätter von den Bäumen oder Kastanien zum Einsatz. Für die Kinder sind das ganz neue Erfahrungen, wie sich etwa Kastanien anfühlen oder Blätter rascheln“, stellt Maria Metzger weitere Ziele der Gruppe vor.

Nach wie vor ist sie Feuer und Flamme für ihre Tätigkeit: „Mir gefällt es immer noch sehr gut. Ich kann mir vorstellen, dass ich dies auch weiterhin noch ausübe. Immer vorausgesetzt, die Mütter wollen mich noch“, versichert sie mit einem Lachen.

Außer der Gruppe von Maria Metzger gibt es noch zwei weitere Gruppen in Pfatter, die Doris Hecht (Dienstagsgruppe) und Heidi Schaffer-Mayerhofer (Freitagsgruppe) leiten. Die Drei harmonieren hervorragend untereinander. „Wir sind gleichberechtigt und helfen uns gegenseitig aus. So lernen wir die anderen Gruppenmitglieder kennen“, bemerkt Metzger.

Dickes Lob für den Frauenbund

Ein dickes Lob sprach sie dem Frauenbund Pfatter aus, unter dessen Dach die Mutter-Kind-Gruppen angesiedelt sind: „Sie haben nicht nur unsere Ausbildungen finanziert, sondern sie unterstützen uns immer wieder, wenn wir etwas benötigen. Wir besuchen regelmäßig neue Kurse, um uns fortzubilden.“ Einen Dank richtete die Leiterin zudem an das Basarteam: „Auch von ihnen bekommen wir immer wieder finanzielle Spenden.“

Die drei Mutter-Kind-Gruppen waren seit ihrer Gründung im Obergeschoss des Rathauses untergebracht. Wegen des anstehenden Umbaus fanden die Gruppen im September dieses Jahres in der Grundschule ihre zeitlich befristete Heimat.

Drei MuKi-Gruppen in Pfatter

  • Leitung und Kosten:

    Die Leiterinnen sind Maria Metzger, Doris Hecht und Heidi Schaffer-Mayerhofer. Jede Mutter zahlt den gleichen Preis, egal wie viele Kinder in der Gruppe integriert sind. „Die Mütter sollen nicht benachteiligt werden, wenn sie mehrere Kinder haben“, so die Leiterin Maria Metzger.

  • Das Angebot:

    Derzeit sind in den drei Gruppen etwa 30 Mütter und 35 Kinder. Das Alter der Kinder liegt zwischen einem dreiviertel Jahr bis zu drei Jahren. Ein Wechsel ist auch während des Jahres möglich. Derzeit können alle Anfragen zur Aufnahme positiv beschieden werden. Im letzten Jahr gab es aufgrund des starken Jahrgangs Wartezeiten.

  • Hintergrund:

    Ein Baby ist ein großer Einschnitt im Leben der Mütter. In den Mutter-Kind-Gruppen stellt man fest, dass alle die gleiche Ausgangssituation haben. Der Austausch und das Besprechen von Schwierigkeiten der Mütter untereinander und wie diese gelöst werden sind enorm wichtig.

  • Ziele:

    Viele Eltern sind neu in die Gemeinde gezogen. Hier können die Mütter erste Kontakte knüpfen. Kinder lernen das richtige Sozialverhalten, sie lernen, miteinander umzugehen. Dasselbe Spielzeug gibt es nicht für alle gleichzeitig. In den Mutter-Kind-Gruppen lernen sie den Verzicht und gegenseitige Rücksichtnahme. (lto)

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