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Donnerstag, 18. Januar 2018 9

Jubiläum

Ein Weihnachtsmarkt im Kleinformat

Der Besuch des kleinsten Weihnachtsmarkts Bayerns ist für Deuerlinger Pflicht. Die Jugend organisiert das dreitägige Treiben.
Von Dietmar Krenz

  • Eine stimmungsvolle Atmosphäre herrschte beim dreitägigen Weihnachtsmarkt in Deuerling, der bereits zum 20. Mal stattfand. Foto: Niebler
  • Zu Glühwein und andern Getränken gibt es die unvergleichlichen Knackersemmeln „made in Deuerling“ vom Dorfmetzger Benno Schmid. „Schmid verwendet dabei ein Geheimrezept, das die Knacker so unvergesslich und unwiderstehlich macht“, berichtet Alexander Vescia.
  • Martin Gilch: „Beim Weihnachtsmarkt in Deuerling geht es gemütlich und dörflich zu. Denn dort werden persönliche Kontakte geknüpft, es gibt nette Unterhaltung und die besten Knacker der Umgebung.“

Deuerling.Während die Weihnachts- oder Christkindlmärkte früher den Einwohnern eher als echte Einkaufsmöglichkeit für den anstehenden Winter dienten, sind sie heute ein Ort zum gemütlichen Beisammensein geworden. Die Besucher freuen sich auf allerlei Leckereien, die man nur in der Weihnachtszeit genießen kann.

Gebrannte Mandeln, Glühwein oder Knackersemmeln mit allem – seit Jahren bieten die Veranstalter ihre Spezialitäten in der Vorweihnachtszeit an – so auch in der Deuerlinger Ortsmitte. MZ-Reporter Dietmar Krenz hat sich beim „vielleicht kleinsten Weihnachtsmarkt Bayerns“ im Rahmen der Serie „Eine Stunde in...“ umgesehen.

Der älteste Weihnachtsmarkt ist in Dresden

Beim Titel des ältesten Weihnachtsmarktes in Deutschland sind sich die Experten inzwischen (fast) einig: Der Streit zwischen dem Dresdener Striezelmarkt und Bautzen wurde vor zwei Jahren beigelegt. Offiziell findet seitdem in Dresden der älteste beurkundete Weihnachtsmarkt und in Bautzen der älteste in einer Chronik genannte Weihnachtsmarkt statt.

Für das leibliche Wohlergehen der Marktbesucher sorgt unter anderem Fridolin Heigl , der als erfahrener Grillmeister seinen Dienst verrichtet. Er steht leidenschaftlich gerne am Grill, und lässt keine Gelegenheit aus, dies bei Vereinsfesten unter Beweis zu stellen. „Wenn Not am Mann ist, einfach den Fridolin holen, lautet sein Wahlspruch. Der 60-jährige ist der Oldie der jungen Truppe und unterstützt das Engagement des Jugendarbeitskreises mit vollem Einsatz.

Die Frage ist also geklärt – nicht aber die Frage nach dem kleinsten Weihnachtsmarkt Bayerns. „Diesen Titel beanspruchen viele für sich“, erklärt Alexander Vescia lachend. „Im Internet sind eine ganze Menge davon zu finden.“ Wenn man aber genauer hinsehe, seien die Märkte gar nicht so klein. „Wir in Deuerling haben nur eine einzige Bude im Ortszentrum. Ein zweiter Stand wird nur bei besonders großem Andrang geöffnet.“ Bereits zum fünften Mal in Folge hat Vescia zusammen mit seiner 20-köpfigen Crew vom Jugendarbeitskreis das Treiben im kleinen Ort an der Schwarzen Laber auf die Beine gestellt.

Student führt die Markttradition weiter

Dem 22-jährigen Studenten ist es zu verdanken, dass die Markttradition weitergeführt wird. Vor 20 Jahren am 3. Advent haben sich zwei Freunde aus Deuerling zusammengetan, um etwas für die Gemeinde und für den guten Zweck zu unternehmen. Tausende Knackersemmeln und unzählige Hektoliter Glühwein später drohte schließlich im Jahr 2012 das Aus.

Bereits zum fünften Mal in Folge hat Alexander Vescia zusammen mit seiner 20-köpfigen Crew vom Jugendarbeitskreis den Weihnachtsmarkt auf die Beine gestellt. Video: Krenz

Die Organisatoren wollten die Veranstaltung in jüngere Hände legen – wobei sich zunächst niemand fand. Schließlich fasste sich Alexander Vescia ein Herz und nahm sich zusammen mit der Dorfjugend der Sache an. „Seitdem läuft es wieder bestens“, berichtet der Student. „Inzwischen sind es viele helfende Hände, die zusammnenarbeiten, damit für das leibliche Wohlergehen der Christkindlmarktbesucher gesorgt ist. Drei Tage lang – die Vorbereitungszeit gar nicht mitgerechnet – steckt die Mannschaft ihre ganze Energie in die Aktion, um am Ende so viel wie möglich für die gute Sache spenden zu können.

Alle Erlöse gehen an soziale Einrichtungen

Tanja Steinbeißer: Wenn es aus Zeitgründen möglich ist, verbringt Steinbeißer täglich einige Zeit am Deuerlinger Weihnachtsmarkt. „Denn das große Engagement der Jugendlichen soll man unterstützen“, sagt sie. Besonders schätzt sie, dass sie auch viele Bekannte von früher am Markt trifft und der Erlös für den guten Zweck verwendet wird.

Und das ist für Alexander Vescia ein weiteres besonders Alleinstellungsmerkmal des kleinsten Weihnachtsmarkts Bayerns. Sämtliche erwirtschafteten Erlöse gehen an soziale Einrichtungen – zumeist in der näheren Umgebung. Auf diese Weise konnten in den vergangenen vier Jahren unter seiner Regie fast 20 000 Euro für wohltätige Zwecke gestiftet werden.

Magdalena Niebler (links/rote Mütze) steht heuer zum zweiten Mal in der Verkaufsbude. Die 25-Jährige ist vor einem Jahr als Aushilfe eingesprungen und wegen der tollen Gemeinschaft hängengeblieben. „Es macht Spaß dabei zu sein.“ Sie empfindet die Arbeit als nicht stressig. Ganz im Gegenteil. Denn es sind immer ausreichend Leute zum Helfen da.

„Inzwischen ist der Christkindlmarkt aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken“, sagt Deuerlings Bürgermeister Diethard Eichhammer, für den es eine Selbstverständlichkeit ist, die kleine Bude möglichst häufig zu besuchen. „Für die Gemeinde ist das Engagement der jungen Leute ein großer Gewinn. Der Markt wird bestens angenommen und ist eine Klammer im Dorfleben.“ Deshalb habe der Gemeinderat auch heuer erstmals die Trägerschaft in finanzieller und rechtlicher Hinsicht übernommen.

Der Markt ist bei jedermann beliebt

Der Weihnachtsmarktbummel ist bei Alt und Jung beliebt und gehört in der Adventszeit für viele zum Standardprogramm. Mit dem Besuch des dreitägigen Marktes zeigte sich Alexander Vescia sehr zufrieden. Am Sonntagabend war der beste Besuch, ein paar Minuten Wartezeit waren wegen des großen Andrangs unvermeidlich.

Alexander Vescia (Dritter von links) mit einem Teil seiner Crew. Fotos: Krenz

Heuer sind es vier Einrichtungen, die vom Engagement des Jugendarbeitskreises profitieren. Mit den Spenden wird die Kinderkrippe Deuerling unterstützt, ein Teil des Geldes geht an Charivari Einzelschicksale e.V. , den Straßenkinderaktionskreis Deuerling/Waldetzenberg sowie den Verein Schnuppernase.

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