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Samstag, 16. Dezember 2017 6

Hobby

Eisenbahner suchten Schnäppchen

Bei der 26. Modellbahnbörse in Regenstauf tauschten Eisenbahnfreunde Modelle und Erfahrungen aus. 20 Freaks stellen aus.
Von Ralf Strasser, MZ

  • Lehrer Friedel Helmich (rechts) präsentiert mit zehn Schülern eine zwölf Meter lange Mudulanlage. Fotos: Strasser
  • Claus Kohl: Für den Privatmann Kohl ist die Eisenbahnbörse ein Muss im Kalender. „Ich biete aus meiner privaten Sammlung Zubehör an, vor allem Autos“, erklärt er. „Es geht zäh, aber es geht.“ Der Verkaufserfolg ist ihm dabei gar nicht so wichtig, ohnehin seien die Boomjahre der 70er längst vorbei, aber „man trifft alte Bekannte. Und ein guter Ratsch geht immer.“
  • Realschule Riedenburg: Niklas und Alexander sind zwei von zehn Schülern der Staatlichen Realschule, die mit ihrem Lehrer Friedel Helmich ihre eigene Eisenbahnanlage ausstellen. Es ist eine zwölf Meter lange Modulanlage, die die Strecke von Ingolstadt nach Riedenburg nachstellt. „2001 haben wir mit dem ersten Modul in unserer Arbeitsgruppe angefangen“, erinnert Helmich.
  • Reinhold Buchner und Michael Lippert: Die Vorsitzenden der Eisenbahnfreunde IC 90 Mantel planen ihre eigene Ausstellung. „Auch, wenn es unseren Verein noch nicht lange gibt, sind wir schon ewig mit den Regenstaufern befreundet und begeistert von der familiären Atmosphäre.“ Vom Internet halten sie gar nichts. „Wer schlechte Erfahrung sucht, sollte im Internet einkaufen.“
  • Norbert Westphal: Der Ingolstädter ist Mitglied und Stammgast als Aussteller. „Seit es die Eisenbahnfreunde Regenstauf gibt, komme ich zu ihren Börsen. Ich bin ja mehr Sammler als Händler und Verkäufer. Man schaut sich um, sammelt neue Erfahrungen. Schon deshalb veranstalten wir vom O-Stammtisch Ingolstadt seit Jahren unseren eigenen Markt.“

Regenstauf.Die Baureihe 53 ist begehrt. Groß und mächtig, tiefschwarz – eine laufachslose Schlepptender-Güterzuglokomotive mit drei Kuppelachsen. „Von der Deutschen Reichsbahn geplant, aber nach dem Krieg nicht mehr gebaut“, erklärt ein Händler auf der Ausstellungsbörse der Eisenbahnfreunde Regenstauf. Es wäre die größte deutsche Dampflock gewesen. Schade? Nicht unbedingt, denn das gute Stück gibt es als Modell von Märklin. Und als solche steht sie nun auf der H0-Testschiene des Vereins.

„Ich überlege jetzt schon eine halbe Stunde“, sagt der Käufer in Spe. Leise surrt die Lok vor und zurück. Geht prima, meint auch Nico Sander, der von den Eisenbahnfreunden den Teststand betreut. Nur das Fahrlicht ist ein wenig schwach. 120 Euro soll sie kosten, die 53er. Ein Schnäppchen, wie später Verkäufer und Käufer sagen werden.

Ratschen und sich austauschen

Willkommen in der großen Welt der Modelleisenbahner. Eine große Familie, bemerkt Claus Kohl, der seine privaten Zubehörteile anbietet. Man kennt sich, ratscht, tauscht sich aus, fachsimpelt, erklärt. Wer sich im weiten Rund der Regenstaufer Jahnhalle umsieht, bemerkt eine gelassene Stimmung. Man muss nicht, aber man kann. „Wenn ich nichts kaufe, habe ich zumindest wieder einiges gelernt und habe einen entspannten Vormittag gehabt“, lächelt ein Stammgast der Börse aus Wenzenbach.

20 Aussteller nehmen sich Zeit und bieten Trends, Nostalgie, Analoges und natürlich alles aus der digitalen Welt an. Die programmierbare Elektronik hat längst die Hoheit übernommen“, sagt Cheforganisator und Vereinsvorsitzender Gunther Hocke. Doch auch für die Nostalgiker gibt es auf den Eisenbahnbörsen genug zu finden. Für den kleinen Märklinfahrer oder den pensionierten Sammler gibt es fast alles, was das Eisenbahnerherz begehrt: Dampfloks, Triebwagen, Waggons aller Art, Modellautos, Weichen, Schienen, Steuerungsblöcke, Oberleitungen oder Bausätze für den landschaftlichen Ausbau der Anlage. Die Welt der Miniaturbahnen hat offenbar nichts von seiner Faszination verloren. In der Halle drängen sich die Liebhaber der Schiene, auch am Teststand der Gastgeber herrscht Betrieb. Mit dabei ist Günther Schieferl, der letzte Schaffner in Regensburg. Er ist mit einem Stand vertreten und wirbt mit kleinen Straßenbahnmodellen für ein Revival auf der Schiene. „Ich bin öfters hier und wenn ich ein Auto hätte, dann hätte ich auch mehr im Angebot“, lächelt Schieferl.

Neu auf der Börse sind zehn Schüler und ein Lehrer. Mitgebracht haben sie eine Anlage, die in ihrer Detailtreue die Lust am Modellbahnwerkeln erkennen lässt. Die Johann-Simon-Mayr-Realschule Riedenburg hat die Strecke von Ingolstadt nach Riedenburg nachgebaut. Natürlich laufen die Loks digital durch die Epoche der 1960er Jahre. Die Anlage zieht Fotografen an, die sich in die Miniaturwelt zwischen Schiene, Bahnhöfen, Hopfengarten, Sägewerk und Hochzeitsgesellschaft hineinzoomen.

Die kommen natürlich wieder weg

Nur zwei moderne Trucks sind da etwas deplatziert. „Die haben wir gerade am Nachbartisch gekauft“, entschuldigt Niklas, einer der Nachwuchseisenbahner. „Die kommen natürlich wieder weg, passt ja auch nicht dazu.“ Da sind die Jungs schon akkurat, lobt Helmich.

Mittlerweile füllt sich am Samstagvormittag die Halle. Gunther Hocke ist zufrieden. Die Massen strömen, Besucher geben sich die Klinke in die Hand beim Suchen, Fachsimpeln, Kaufen oder einfach nur beim Schauen. „Ein sehr guter Samstag“, sagt er, „eigentlich ist der Sonntag der bessere Tag, da kommen viele Familien.“ Die Auszeichnung „Gut und wertvoll“ verdient sich die Börse mit ihrem Fachwissen, das die Eisenbahnfreunde Regenstauf für den Eisenbahnfan bereithalten.

Thilo Brünner, der Leibziger und Vereinsmitglied, fachsimpelt gerne, am liebsten über die TT-Spur aus längst vergangenen DDR-Zeiten. „Verraten sie ihm aber nicht, dass die TT-Spur keine Erfindung der DDR ist, sondern ihren Ursprung in den USA hat“, raunt Gunther Hocke mit einem Lächeln. Unterdessen legt sich der zweite Vorstand ins erklärende Zeug und zeichnet die Wirkungsweise einer Blockschaltung für den Interessenten aufs Papier. Wieder ein Aha-Erlebnis mehr.

Der Zuspruch ist groß, beinahe schon ungebrochen. Für Hocke und seine Vereinsmitglieder ist das die Bestätigung, dass ihr Hobby nicht kleinzukriegen ist. Ganz im Gegenteil: Wer die Börse besucht, muss nicht unbedingt mit einer dick gefüllten Brieftasche kommen, Ratschläge gibt’s umsonst und der Schauwert der gefühlt tausenden von Teilen ist unbeschreiblich. Und eines bleibt sicher: Der Faszination „Eisenbahn“ können sich auch die großen Kinder nur sehr schwer entziehen.

Modelleisenbahnbörse in Regenstauf

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