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Donnerstag, 14. Dezember 2017 7

Auszeichnung

Europäischer Preis für Junge Aktion

Die Jugendorganisation der Ackermann-Gemeinde erhielt im Rondellzimmer auf Schloss Wörth den Bürgerpreis der EU.
Von Kerstin Hafner, MZ

Die Ackermann-Gemeinde mit ihrer Jungen Aktion sei „eine Kerze der Versöhnung in Zeiten der Vertreibung“, sagte der Europaabgeordneter Arne Gericke bei der Preisverleihung im Rondellzimmer auf Schloss Wörth. Fotos: Hafner

Wörth.Schloss Wörth wurde am Freitag vorübergehend zum „Europäischen Haus“: Während unten in der Stadt die Kinder mit ihren Laternen am Martinsumzug teilnahmen, erhielt die Junge Aktion (JA) der Ackermann-Gemeinde im prunkvollen Rondellzimmer des Schlosses eine ganz besondere Auszeichnung – den Europäischen Bürgerpreis – für ihr grenzübergreifendes Engagement.

Die katholische Jugendorganisation macht sich vor allem stark für die deutsch-tschechisch-slowakische Freundschaft, aber auch für harmonische Beziehungen zu anderen mittelosteuropäischen Ländern. „Wir wollen Vorurteile und Barrieren zwischen Ländern abbauen“, erklärte Bundessprecher Matthias Melcher.

Kontakte auf Augenhöhe

Mit vielfältigen Aktionen, die von Bildungstagen über Ferienwochen reichen, bringt die JA junge Menschen aus mehreren Ländern zusammen. „Der persönliche zwischenmenschliche Kontakt auf Augenhöhe ist zentrales Element aller Aktionen und jeder Teilnehmer darf sich in seiner Muttersprache ausdrücken.“ Den Europäischen Bürgerpreis aus den Händen von MdEP Arne Gericke entgegenzunehmen, sei nicht nur eine große Ehre, sondern auch Motivation und Ansporn für die JA, sich weiterhin für eine zukunftsorientierte Stärkung der Beziehungen zwischen europäischen Völkern einzusetzen, um nicht den aktuell wiedererstarkten nationalistischen Tendenzen das Feld zu überlassen. „Wir sind schon mal als ‚der Puls Europas‘ bezeichnet worden und sehen dieses Prädikat als Aufgabe. Schloss Wörth ist für uns ein ganz besonderer Ort, hier wurde in der Nachkriegszeit, genauer gesagt 1950, die Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde gegründet, hier begann der Puls zu schlagen“, so Melcher. Damals setzten sich engagierte junge Menschen das Ziel, sich „mit gläubigem Herzen und mit aller Entschiedenheit für ein friedliches Zusammenleben aller Völker in einem freien und einigen Europa einzusetzen.“ Bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs gelang es, Kontakt mit Jugendlichen aus der damaligen Tschechoslowakei aufzunehmen.

Nach der Wende nahm die Junge Aktion die Vorreiterrolle im Dialog mit den östlichen Nachbarn Deutschlands ein, was sich in der 20-jährigen Erfolgsgeschichte der deutsch-tschechischen Kinderbegegnung ‚Plasto Fantasto‘ widerspiegelt. Es gehe nicht nur um Versöhnung, sondern auch um ein zukunftsorientiertes Miteinander, erklärte Melcher.

Arne Gericke überreicht den Preis an Matthias Melcher und seine Stellvertreterin Julia Schäffer.

Auf die Idee, die Junge Aktion für die Auszeichnung vorzuschlagen, war Europaabgeordneter Arne Gericke gekommen, nachdem ihm sein Büroleiter Tobias Gotthardt (beide Freie Wähler) aus Burglengenfeld eine Broschüre der JA vorgelegt hatte. „Schon auf den ersten Blick war mir klar: Hier wird unglaublich wertvolle und engagierte Arbeit geleistet, die dem europäischen Gedanken dient.“

Grenzzäune werden eingerissen

Da gehe es nicht um alte Rechnungen und überholte Vorurteile. „Hier arbeiten junge Menschen mit Leidenschaft daran, Grenzzäune in den Köpfen der Menschen einzureißen“, sagte Gericke. Herzlich gratulierten auch Vizelandrat Willi Hogger und der zweite Bürgermeister der Stadt Wörth, Josef Schütz.

Die Ackermann-Gemeinde

  • Der Name:

    Die Ackermann-Gemeinde entlehnt ihren Namen der ersten neuhochdeutschen Dichtung, dem „Ackermann aus Böhmen“ von Johannes von Saaz. Diese bedeutende Prosadichtung aus dem Jahr 1400 ist ein Dokument für die Jahrhunderte alte Verwurzelung der deutschen Kultur in den böhmischen Ländern.

  • Schwerpunkte:

    Die praktische Friedensarbeit im Dienste der Völkerversöhnung – vor allem mit den Völkern Ostmitteleuropas – ist seit der Gründung der Ackermann-Gemeinde ein Schwerpunkt ihrer vielseitigen Tätigkeit. Die Gemeinschaft entstand 1946 aus einem Kreis sudetendeutscher Katholiken, die ihre Herkunft aus Böhmen und Mähren-Schlesien als Verpflichtung für ihr Wirken in Kirche, Staat und Gesellschaft empfanden.

  • Die Jugend:

    Die Junge Aktion wurde 1950 auf Schloss Wörth gegründet und ist als Jugendverband der Ackermann-Gemeinde über die Aktion West-Ost im Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) organisiert. Sie steht in der Tradition der Ackermann-Gemeinde und engagiert sich im Sinne eines christlichen Miteinanders für ein gutes Verhältnis zu den mittel- und osteuropäischen Nachbarvölkern. (lkh)

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