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Mittwoch, 13. Dezember 2017 11

Unterhaltung

Kampf der Geschlechter auf der Bühne

Das PettenDorftheater spielt beim Mayerwirt „Die Mördergesellschaft“. Alle Vorstellungen sind bereits restlos ausverkauft.
Von Claudia Kreissl, MZ

Der Baron ist tiefgefroren: Emily Löffert, Michaela Gröber, Martin Antretter, Steffi Neuhoff und Christian Haas in einer Spielszene (von links). Fotos: Kreissl

Pettendorf.Es ist ein zeitloses Thema – die spannungsgeladene Beziehung zwischen Mann und Frau. Wenn es zwischen den Geschlechtern kriselt, geht es allerdings nicht immer so humorvoll und mörderisch zu, wie derzeit auf der Bühne des PettenDorftheaters. Noch an zwei Wochenenden tobt beim Mayerwirt der Kampf der Geschlechter. Wohl denen, die schon im Besitz einer Karte für „Die Mördergesellschaft“ sind, denn die noch ausstehenden fünf Aufführungen sind bereits restlos ausverkauft.

Wer schafft es, wen um die Ecke zu bringen? Um diese Frage kreist die turbulente Kriminalkomödie des französischen Autors Robert Thomas, die Regisseur Thomas Kreissl zusammen mit Elisabeth Köstler heuer schwungvoll und kurzweilig in Szene gesetzt hat. Sie können einem schon irgendwie leidtun, die Handvoll Männer des kleinen französischen Provinzstädtchens Neuville-sur-Vernisson. Zwischen ihnen und einem schönen Leben steht – wer hätte das gedacht – das schwache Geschlecht.

Noch keinen Mann abbekommen

Zum Beispiel die Baronin Thérèse de Grandterre, die das Bürgermeisteramt der Kleinstadt übernehmen möchte und bei der sich, zum Leidwesen ihres Ehemanns, alles um Politik dreht. Oder Marthe Pitard, die sich nach Liebe und Zärtlichkeit sehnt und aus Frust darüber, immer noch keinen Mann abbekommen zu haben, ihrem Bruder das Leben zur Hölle macht. Die Dritte im Bunde der „unerträglichen“ Frauen ist Julia Barbize, die ihren Mann Leo als Schlappschwanz bezeichnet und von einer Karriere als Sängerin und Tänzerin träumt.

Vor der Statue des Generals Truffe beschließen die drei verzweifelten Männer, ihre nervenden Hausdrachen um die Ecke zu bringen und gründen zu diesem Zweck die Mördergesellschaft. Doch schon bald müssen die mordlustigen Herren erkennen, dass Theorie und Praxis auch bei Mord oftmals weit auseinanderliegen. Denn die minuziös ausgeklügelten Pläne scheitern ein ums andere Mal grandios – mal an einem undurchdringlichen Stützkorsett, mal an den weiblichen Reizen. Auch heuer bleibt das PettenDorftheater seiner Maxime treu, nicht nur jedes Jahr das Genre zu wechseln, sondern auch die Darsteller kräftig durchzumischen. Letzteres ist nur möglich, weil die Laienspieltruppe über einen breiten Fundus an spielfreudigen Akteuren verfügt, aus dem Regisseur Thomas Kreissl heuer schöpft.

Turbulente Komödie in Pettendorf

Mit viel Spielfreude gibt Martin Antretter den um Contenance bemühten Baron Adrien de Grandterre, der die Tyranneien seiner Frau geduldig erträgt. Herrlich arrogant agiert Michaela Gröber als karrierebedachte Baronin Thérèse. Einen gutmütigen Charme verleiht Jonas Dotzler seiner Rolle als Paul Pitard, der mit seinem Leben als Caféhaus-Besitzer eigentlich ganz zufrieden wäre, gäbe es nicht seine mürrische und geifernde Schwester Marthe, der Steffi Neuhoff resolut Leben einhaucht. Für Erotik auf der Bühne sorgt Eva Ferstl als ebenso attraktive wie lebenslustige Möchtegern-Revue-Tänzerin Julia Barbize, die mangelnde Begabung mit ihren körperlichen Reizen wettmacht. Im gelungenen Wechsel zwischen Verzweiflung und Wut agiert Stefan Koller als gehörnter und erniedrigter Journalist Leo Barbize.

Christian Haas schlüpft in die Rolle des Capitaine Cesar Colombani, der sich nichts sehnlicher wünscht, als durch die Aufklärung eines spektakulären (Mord)Falls befördert zu werden oder zumindest eine Auszeichnung zu erhalten. Und dabei hat er alle Hände voll zu tun, um seine Nichte Nénette im Zaum zu halten, die von Emily Löffert aufreizend und kess verkörpert wird. Und last but not least ist da noch Andreas Gröber als „Scheneral Trüff“, der von seinem Sockel aus das rege Komplotteschmieden im Park von Neuville-sur-Vernisson interessiert verfolgt und das Publikum mit herrlich französischem Akzent als Erzähler auf dem Laufenden hält.

Bühnenbild wird 29-mal gewechselt

Mörderisch ist auch das Tempo, das Kreissl seinen Akteuren heuer auf der Bühne abverlangt. Nicht nur die spritzigen Dialoge der Kriminalkomödie erfordern ein hohes Maß an Geschwindigkeit. Aufs Tempo drücken lässt Kreissl die Akteure auf und hinter der Bühne (Reinhold Demleitner) auch beim Szenenwechsel. Stolze 29-mal wird das Bühnenbild im Verlauf der gut zweistündigen Aufführung vor den Augen des Publikums in Windeseile umgebaut. Der Schauplatz des Geschehens wechselt ständig zwischen dunklem Park, Schlossbibliothek, Café, Schlafzimmer und Polizeistation hin und her. Da bleibt weder für die Schauspieler noch für die Zuschauer viel Zeit zum Durchschnaufen.

Und das PettenDorftheater wäre nicht das PettenDorftheater, wenn es sich nicht mit der gleichen Akribie um stimmige Musikeinspielungen (Andreas Gröber) und in die Zeit passende Kostüme kümmern würde. Eine Augenweide ist einmal mehr das harmonische und detailverliebte Bühnenbild, das unter Karin Schweiger und Sabine Würsching entstand, nachdem zuvor das Bühnenbauer-Team um Fritz Muggenthaler, Karl Kreissl, Michael Dotzler und Edgar Wich die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen haben.

Treue und begeisterte Spieler

  • Stefan Koller

    verkörpert den Journalisten Leo Barbize. Koller lebt in Regensburg, ist 32 Jahre alt und Bankkaufmann. Zum Schauspieler-Stamm des PettenDorftheaters gehört er seit dem Jahr 2005. Besonders die Herausforderung, auf der Bühne in verschiedene Charaktere zu schlüpfen, reizt ihn am Theater. „Das Adrenalin vor dem Auftritt, die Reaktionen und der Applaus vom Publikum und die gemeinsame Arbeit in einer tollen Gruppe“ begeistern ihn.

  • Emily Löffert

    stammt aus der Nachwuchsgruppe des PettenDorftheaters und sammelte schon mit fünf Jahren Bühnenerfahrung. Heuer ist die 17-Jährige erstmals in einer großen Produktion mit dabei. Die Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten spielt die kesse Nenette Colombani. Sie begeistert am Theaterspiel, dass man damit Menschen eine Freude machen kann. Ihr macht es Spaß, Teil dieser Gruppe zu sein, die sich sehr gut versteht.

  • Eva Ferstl

    spielt die Rolle der Julia Barbize. Die 27-jährige Studentin für Landschaftsarchitektur gehört seit fast zehn Jahren zur Gruppe und entdeckte ihre Leidenschaft fürs Theater ebenfalls beim „Kleinen PettenDorftheater“. Auch Ferstl lobt das harmonische Miteinander. „Ich bin begeistert vom Zusammenhalt der ganzen Truppe, bei der jeder sein Bestes gibt, um die Zuschauer in Erstaunen zu versetzen“, beschreibt sie ihre Motivation für die Schauspielerei.

  • Andreas Gröber

    gehört seit 14 Jahren zum Team und erweckt heuer die Statue von General Truffe zum Leben. Der 52-Jährige ist freischaffender Künstler, Komponist und Sprecher. Gröber ist in Pettendorf für die professionelle Tonkulisse zuständig. Er sorgt für stimmige Geräusche und komponiert die passende Musik zum Stück. „Mich fasziniert, dass wir es aus lauter Liebe zum Theaterspielen schaffen, diese Qualität auf die Bühne zu kriegen“, betont er.

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