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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Ökologie

Kiesufer als Kinderstube für Fische

Aufschüttungen an der Donau bei Matting sollen die Wasserqualität verbessern. Das Wasser und das Ufer werden wieder verzahnt.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

  • Eine große Menge Kies wird bei Matting in und an der Donau aufgeschüttet. Fotos: Hueber-Lutz
  • Die Donau ist ein erheblich verändertes Gewässer“, sagt Josef Homeier vom (WWA Regensburg
  • „Der Fluss kann sich das Material wieder holen“, sagt Thorsten Ernst vom WSA Regensburg.

Pentling.Die große Schaufel macht einen Schwenk und ein Strom an Kies ergießt sich auf die Böschung am Donauknie zwischen Oberndorf und Matting. Der Bagger steht auf einem Schiff, das in der Donau liegt, und er holt sich eine Fuhre Kies nach der anderen aus einem daneben liegenden Schiff. Ein großer Kiesteppich breitet sich mittlerweile an dieser Stelle des Donauufers aus. Bis Anfang Dezember wird in diesem Abschnitt noch gearbeitet. Bei Matting werden dann circa 13000 Kubikmeter Kies ausgebracht sein.

Jahrelange Bestandsaufnahme

Zufrieden sehen Josef Homeier und Thorsten Ernst den Arbeiten zu. Sie sind vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg beziehungsweise vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Regensburg und begutachten eine Maßnahme, die der Donau letztlich zu einer besseren Qualität verhelfen soll. Die bayerische und die Bundesbehörde arbeiten dabei zusammen. Was bei Matting im kleinen Rahmen geschieht, muss in einem größeren, einem europäischen Zusammenhang, gesehen werden.

Im Jahr 2000 ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie in Kraft getreten. Sie hat das Ziel, die Gewässer in der EU wieder in einen guten Zustand zu versetzen. Mehrere Jahre dauerte die immer detaillierter werdende Bestandsaufnahme. Bei der Donau in Deutschland ist es so, dass sie nach Schulnoten im Moment einen Dreier in einem fünfstufigen System hätte. Mit Maßnahmen wie denen in Matting wird auf einen Zweier hingearbeitet. Der Einser ist nicht zu erreichen, denn dafür gibt es zu viele Kraftwerke an der Donau und es fließt zu viel Verkehr auf der Wasserstraße. Diese Eingriffe in den Fluss können in absehbarer Zeit auch nicht rückgängig gemacht werden, sagte Josef Homeier. Aber der Fluss soll ein gutes ökologisches Potenzial erhalten. Dazu gehört es, die Vielfalt der Lebensformen im und am Gewässer zu fördern.

Planer Anton Pirkl hat den Abschnitt der Donau von Kelheim bis Regensburg unter die Lupe genommen und ein Umsetzungskonzept erarbeitet. Die Kiesaufschüttung bei Matting ist eine der Maßnahmen. Durch sie sollen Fische, die den Kies zum Laichen bauchen, wieder eine Kinderstube erhalten. Der Fluss soll sich im Lauf der Jahre das Kiesmaterial aber auch wieder holen können, um damit seine Sohle stabil zu halten. Solche Kiesaufschüttungen sind daher auch keine einmalige Sache, sondern gehören nun zu den Unterhaltsmaßnahmen.

Der Kies stammt aus Kelheim. Dort muss er an der Mündung des Main-Donau-Kanals immer wieder ausgebaggert werden. Früher wurde das Material verkauft, heute wird es an verschiedenen Stellen wieder in die Donau eingebaut.

Auf der Matting gegenüberliegenden Donauseite säumen große Steine das Ufer. Auch sie sollen mit Kies zugeschüttet werden. Eine Maßnahme, die nicht nur den Kieslaichern dient. Gleichzeitig drängt sie auch die eingewanderte Schwarzmeergrundel zurück, die zwischen den Steinen lebt und heimische Fischarten verdrängt. Durch den aufgeschütteten Kies werden das Wasser und das Ufer wieder verzahnt. Optimal ist es, wenn Wasser, Ufer und Aue wieder eine Einheit bilden.

Verwirklichung ist schwierig

Diese Renaturierung in Matting ist eine Maßnahme in einem ganzen Netz. Die Donau kann in Deutschland nicht auf ganzer Länge naturnaher gestaltet werden, deshalb werden Schwerpunkte gesetzt. Die Abstände der einzelnen Maßnahmen sollen dabei nicht zu groß sein. „Wir konzentrieren uns auf die Abschnitte, wo noch Strömung ist“, sagt Anton Pirkl. Dort greifen die Maßnahmen am besten. Bis 2027 sollte gemäß der Richtlinie die Donau eigentlich wieder in einen guten Zustand versetzt sein.

Das wird in diesem Zeitrahmen aber wohl nicht gelingen, meinte Homeier. Zu schwierig ist manchmal die Verwirklichung. Bis der Fluss seinen Zweier erhält, wird wohl noch mehr des sprichwörtlichen Wassers die Donau hinunterlaufen.

Prüfkriterien und Massnahmen

  • Definition:

    Die Donau ist eine Bundeswasserstraße. Der Fluss ist als „erheblich verändert“ eingestuft. Gründe dafür sind der Ausbau des Flusses zur Schifffahrtsstraße und die Nutzung der Wasserkraft durch große Stauanlagen.

  • Einzelbewertung:

    Dafür gab es mehrere Kriterien. So wurde die organische Belastung betrachtet, wie sie etwa durch Kläranlagen geschieht. In diesem Teilbereich erhielt die Donau die Note zwei bei einem fünfstufigen System.

  • Gesamtbewertung:

    Insgesamt hat die Donau aber die Note Drei erhalten, denn einen Dreier gab es jeweils für die anderen untersuchten Kriterien. Dabei ging es um die Vielfalt der Lebensräume und Gewässerstrukturen, um die vorkommende Fischpopulation, um den Wasserpflanzen- und Algenaufwuchs und um freischwebende Algen.

  • Umsetzungskonzept:

    Damit soll eine Einstufung der Donau als „gutes ökologisches Potenzial“ kostengünstig erreicht werden. Damit wird der Zustand bezeichnet, der erreicht werden kann, ohne die wichtigen Nutzungen zu beeinträchtigen.

  • Auftraggeber:

    Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Regensburg als Betreiber und Unterhaltungspflichtiger an der Bundeswasserstraße Donau und die Wasserwirtschaftsämter (WWA) Regensburg und Landshut als Eigentümer von Grundstücken und Altwässern sind die Auftraggeber der Untersuchungen. Die Ämter sind auch für die fachgerechte Umsetzung der Wasserverbesserungsmaßnahmen verantwortlich. (lhl)

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