mz_logo

Landkreis
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Verkehr

Klagen: Bahn hängt den Nahverkehr ab

Viele Regenstaufer ärgern sich. Der Alex rauscht mehrfach durch. Besonders Nutzer des Ökö- und Bayerntickets sind betroffen.
Von Sabine Norgall

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember rauscht der Alex zwischen 9 und 20 Uhr ohne Halt durch den Regenstaufer Bahnhof. Besonders viele Fahrgäste, die gerne den Zug um 9.28 Uhr nutzten, fühlen sich von der Bahn jetzt abgehängt. Foto: Norgall

Regenstauf. In zehn Minuten von Regenstauf nach Regensburg. Im Halbstundentakt gab es bis zu Fahrplanwechsel der Bahn im Dezember 2017 diese hervorragende Zuganbindung. Mit dem Fahrplanwechsel gab die Bahn jedoch der überregionalen Verbindung zwischen Prag und München den Vorrang, die die Länderbahn, der Alex, bedient. Wie sich das auf den Nahverkehr auswirkt, teilte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die die Züge im Auftrag des Freistaats bestellt, dem Markt Regenstauf auf dessen Anfrage mit: Die neuen Fernverbindungen seien minutengenau im Hinblick auf den komplexen Vorortverkehr der Ballungsräume München und Prag getaktet. Zwischen 9 und 20 Uhr, so die Auskunft an den Markt, bestehe für die zweistündlichen Alex-Züge auf der Strecke München Prag keine zeitliche Reserve für Halte in Regenstauf und Maxhütte-Haidhof.

An der Stelle sei eine persönliche Beobachtung zur „minutengenauen Taktung“ erlaubt. Am Donnerstag dieser Woche rauschte der Alex aus Richtung Hof, der eigentlich um 9.45 Uhr planmäßigen Halt in Regensburg hätte, genau um 9.46 durch den Bahnhof Regenstauf.

Karl-Heinz Schauer vermisst vor allem den Zug um 9.28 Uhr, den er mit dem Ökoticket nutzte. Foto: Norgall

Mit dem Fahrplanwechsel häuften sich die Beschwerden im Regenstaufer Rathaus, besonders beim Verkehrssachbearbeiter Gerald Thierauf. Während der Recherche zu dem Artikel sitzt gerade Karl-Heinz Schauer in Thieraufs Büro. Schauer spricht von 20 bis 25 Personen, die bis zum Fahrplanwechsel den Alex um 9.28 Uhr nutzten. Besonders dieser Zug, sagt Schauer, war für viele Regenstaufer wichtig.

Direktverbindung nach München

Er war die erste Verbindung, die mit dem Ökoticket, das erst nach 9 Uhr gilt, genutzt werden konnte. Auch handelte es sich um eine Direktverbindung nach München, die bei Nutzern des Bayerntickets, das ebenfalls erst nach 9 Uhr gilt, sehr beliebt war. Zwar, sagt Schauer, gebe es um 9.14 Uhr auch einen Bus nach Regensburg. Der sei aber meist „g’nagelt voll“ und über eine halbe Stunde unterwegs. Die Anschlusszüge nach Ingolstadt und München erreiche man damit nicht. Also bleibe ihm nur der Zug vor 9 Uhr, für den er, trotz Ökoticket, zusätzlich zahlen müsse.

„Ich befürchte, dass der Halbstundentakt allmählich weiter ausgedünnt werden soll.“

Professor Dr. Peter Scheuchenpflug

Auch Professor Dr. Peter Scheuchenpflug nutzte mit dem Ökoticket den Zug um 9.28 Uhr, um, wie viele Studenten auch, zur Uni oder FH nach Regensburg zu kommen. Scheuchenpflug sagt, dass ihn viele andere Fahrgäste gebeten hätten, auf das Problem aufmerksam zu machen. Etwa 20 Personen, sagt er, hätten täglich auf dem Regenstaufer Bahnhof auf den Zug um 9.28 Uhr gewartet. Scheuchenpflug befürchtet, dass nicht nur die Fernverbindungen des Alex von Prag nach München künftig durch den Regenstaufer Bahnhof durchrauschen, sondern dass der Halbstundentakt allmählich weiter ausgedünnt werden soll. Eine Begründung der BEG hinsichtlich einer geringen Nutzerzahl des Zuges um 9.28 kann Scheuchenpflug nicht nachvollziehen. Er selbst, sagt er, sei meist auf einem Stehplatz gefahren.

Wichtigkeit des Zuges erkannt

Bei der Gesellschaft für Nahverkehr in Regensburg (GfN) kennt man die Problematik nicht erst, seit sich Gerald Thierauf aus dem Regenstaufer Rathaus meldete. Bereits im Juli 2017 stellte die BEG das Konzept für die Fahrplanänderung im Dezember vor. Da allerdings, sagt Josef Weigl, Geschäftsführer GfN und RVV, seien die Konzepte bereits so festgezurrt, dass eine Änderung kaum möglich sei. Allerdings, so Weigl, sei man im ständigen Kontakt mit der BEG und auch dort habe man die Wichtigkeit des Zuges im Zeitraum zwischen 9 und 10 Uhr, mit zweistelligen Fahrgastzahlen, erkannt. Die BEG prüfe deshalb, einen zusätzlichen Zug einzurichten. Dies, so Weigl, sei wegen der vielfältigen Verflechtungen aber bei der Schiene nicht so leicht möglich Weigl: „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der BEG eine Lösung finden.“ Diese könne wohl aber erst zum nächsten Fahrplanwechsel greifen.

„Die großen, überregionalen Maßnahmen gehen momentan zu Lasten von Regenstauf.“

Josef Weigl, Geschäftsführer GfN und RVV

„Die großen, überregionalen Maßnahmen gehen, räumt Weigl ein, gingen momentan zu Lasten von Regenstauf. Er weist allerdings darauf hin, dass Regenstauf auch jetzt noch mit Buslinien sehr gut angebunden sei, „allerdings nicht so bequem wie bisher.“ Außerdem habe der Fahrplanwechsel für Regenstauf auch Verbesserungen gebracht. Es gebe einen zusätzlichen Frühzug ab 4.20 Uhr in Richtung Regensburg-München und eine tägliche Spätverbindung ab München über Regensburg nach Regenstauf, Ankunft Regenstauf um 0. 42 Uhr.

Kommentar

Die Weichen falsch gestellt

Da läuft doch etwas völlig quer. Zum einen steht der Großraum Regensburg vor dem Verkehrskollaps, allenthalben ertönt der Ruf nach mehr Angeboten des öffentlichen...

Der Regenstaufer Bundestagsabgeordnete Peter Aumer (CSU) teilte auf Anfrage mit, dass er bereits im Spätherbst 2017 den Geschäftsführer der BEG, Dr. Johann Niggl, um ein Gespräch gebeten habe. Dieser Termin sei noch nicht zustande gekommen. Er werde jedoch auf dieses Gespräch drängen, da die Anbindung des nördlichen Landkreises über die Schiene große Bedeutung habe. Die Einschränkung durch den neuen Fahrplan müsse modifiziert werden.

„Der Ausbau der guten Verbindung nach Prag darf nicht auf Kosten des Nahverkehrs gehen.“

MdB Peter Aumer

Der Ausbau der guten Verbindung nach Prag dürfe nicht auf Kosten des Nahverkehrs gehen. Darüber hinaus gelte es sicherzustellen, dass die Taktfrequenzen für den nördlichen Landkreis im Hinblick auf die Einführung des Flughafenexpress Ende 2018 erhöht werden. Regenstauf als einwohnerstärkste Gemeinde des Landkreises dürfe hier nicht übergangen werden. Aumer weiter: „Gerade bei der angespannten Verkehrssituation im Norden der Region Regensburg bietet die Schiene großes Potenzial.“

Die Fahrplanumstellung sorgt nicht nur im Landkreis Regensburg für Ärger: Auch im Landkreis Cham gibt es heftige Beschwerden.

Mehr Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht