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Mittwoch, 17. Januar 2018 7

Prozess

Raubüberfall: Dashcam führte zu Tätern

Im Prozess zum Sinzinger Überfall schilderte ein Kripobeamter vor Gericht Details der Fahndung. Vier Angeklagte gestanden.
Von Marion von Boeselager

Die Dashcam filmte auch das mutmaßliche Fluchtauto. Foto: Archiv/dpa

Regensburg.Den raschen Ermittlungserfolg nach dem brutalen Überfall auf ein Ehepaar in dessen Haus in Sinzing verdankt die Polizei wohl der Gier der Täter: Nachdem die bewaffneten und maskierten Räuber die Eheleute misshandelt, ausgeraubt und gefesselt hatten, reichten ihnen die erbeuteten 32 650 Euro Bargeld und Münzen nicht. Sie eigneten sich – zumindest kurzfristig – auch noch den Mercedes des Hausherrn an. Dabei ahnten sie aber nicht, dass darin eine Dashcam installiert war, die sich automatisch einschaltete.

Im Prozess um den Überfall vor dem Landgericht haben vier Niederbayern bereits die Tat gestanden. Ein fünfter Mann leugnet bisher jede Beteiligung. Am Montag berichtete der Sachbearbeiter der Kripo Regensburg als Zeuge von Details der Ermittlungen. Das Ehepaar hatte sich nach der brutalen Tat am späten Abend des 16. September letzten Jahres selbst befreien und die Polizei rufen können.

BMW-Daten führten zum Täter

Einer der Verdächtigen (r.) auf dem Weg in den Gerichtssaal Foto: Mehltretter

Neben der Befragung der geschockten Opfer lief die Fahndung nach dem gestohlenen Auto. Die führte kurz darauf zum Erfolg. Die Räuber hatten den Mercedes nur 500 Meter vom Tatort entfernt zurückgelassen und waren in einen BMW umgestiegen, den der mutmaßliche Initiator des Überfalls steuerte. Die Auswertung der Aufnahmen zeigte zunächst „mehrere Personen, die parallel zum Fahrzeug laufen“, sagte der Zeuge. Dann filmte das Gerät auch das mutmaßliche Fluchtauto. Das Kennzeichen war nicht voll lesbar. Doch es handelte sich um einen seltenen Autotyp. Damit fand die Polizei heraus, dass der BMW geleast und zuletzt in einer Werkstätte in Dingolfing zur Reparatur war. Unterschrieben hatte den Auftrag der Hauptangeklagte Christian O. (29, alle Namen geändert). Vor dessen Wohnung stand auch der BMW.

Der 29-Jährige wurde daraufhin heimlich überwacht, seine Handy-Kontakte und das Bewegungsprofil des BMW wurden ermittelt. Daraus ergaben sich „zwei Ausspäh-Fahrten“ aus Niederbayern zum Haus des Sinzinger Ehepaares und häufige Kontakte zum zweiten Angeklagten. Beide Männer wurden am 9. November festgenommen und ihre Wohnungen durchsucht. Bei beiden fand sich Beweismaterial, wie Masken und ein Funkgerät. Sie waren geständig und nannten die Namen ihrer beiden anderen Mittäter. Auch diese räumten den Überfall auf das Ehepaar ein.

Mercedes spielt zentrale Rolle

  • Fünf Angeklagte:

    Vier Männer stehen derzeit unter anderem wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht. Einem fünften Angeklagten wird Beihilfe zu den Taten vorgeworfen.

  • Dashcam im Auto:

    Auf die Spur der Täter kam die Polizei durch den bei dem Überfall in Sinzing gestohlenen Mercedes des Hausherrn . Darin war eine Dashcam eingebaut.

  • Mercedes und BMW:

    Die Räuber flüchteten in dem Mercedes. Sie ließen den Wagen dann aber nur 500 Meter vom Tatort entfernt, an der Sinzinger Eisenbahnbrücke, stehen. Dann stiegen sie in das Fluchtfahrzeug, einen seltenen BMW, um.

  • Täter entschuldigten sich:

    Da die Kamera das Fluchtauto und Teile des Kennzeichens aufnahm, kam die Polizei auf die Spur der Täter. Vier von ihnen gestanden den Überfall und entschuldigten sich bei den Opfern.

Nach Angaben des Kommissars lieferte Christian O. jedoch mehrere Versionen der Tat ab: Erst sagte er, er habe nur gegen Zahlung von 1000 Euro den Fluchtwagen gesteuert, ohne zu wissen, was im Haus vor sich ging. Doch als seine Komplizen plauderten, räumte er ein, er habe wegen seiner häufigen Besuche in Spielcasinos Schulden bei zwei Mittätern gehabt. So sei man auf den Sinzinger Überfall und einen weiteren Einbruch bei einem Landshuter Versicherungsmakler gekommen.

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Den entscheidenden Tipp, dass bei den Sinzinger Eheleuten „viel Geld zu holen“ sei, habe er jedoch vom fünften Mann auf der Angeklagebank, Mario P. (48), erhalten, sagte O. zur Polizei. Dem 48-Jährigen wird Beihilfe zum Wohnungseinbruchsdiebstahl in zwei Fällen zur Last gelegt. Neben den Tipps soll er den Räubern seine Werkstatt zum Aufflexen des Tresors vom Landshuter Einbruch überlassen haben.

Fünfter Mann bestritt Vorwürfe

Doch P. wies vor Gericht jede Schuld von sich: Er versicherte, er habe nichts mit den Taten zu tun. Er kenne O., da dieser manchmal bei ihm übernachtet habe. Einmal habe er O. auch seinen Werkstattschlüssel überlassen.

P. war ins Visier der Ermittler geraten, da er nach dem Überfall den überfallenen Sinzinger anrief. Die Männer kannten sich geschäftlich. Außerdem hatte Mario P. das Haus der Eheleute ausgeweißelt. Als der Hausherr ihm vom Überfall und den Kameraaufnahmen erzählte, soll P. gesagt haben: „Ich kenne den Fahrer.“ Den Namen habe P. nicht genannt, nur, dass dieser sich selbst stellen solle.

Zunächst wurde P. als Zeuge gehört. Doch nach O.’s Aussage, der von P. sogar eine Skizze des Sinzinger Hauses erhalten haben will, wurde tiefer gebohrt. Es stellte sich heraus, dass P. auch die Wohnung des Landshuter Opfers renoviert hatte. Und er rief O. nur Stunden nach der Sinzinger Tat an, um zu fragen, wie es ihm gehe. Am Montag teilte O. seinem Anwalt Hubertus Werner vor Gericht überraschend mit, bei seiner Mutter seien noch zwei Uhren vom Landshuter Einbruch versteckt. Da müssten Spuren von P. dran sein. Denn der habe sie in der Hand gehabt, so O. Dazu meinte P. nur, O. habe ihm öfters mal irgendwelche Uhren gezeigt und nach dem Wert gefragt. Der Prozess dauert an.

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